Entdecke das Landesinnere Teil 9/11: Naturpark Lonjsko Polje

3 Januar 2018 AUTOR:

Naturpark Lonjsko Polje – Feuchtbiotop mit lebendiger Vielfalt

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Sumpfiges Land, über ihre Ufer tretende Flussläufe und eine bunte Artenvielfalt sind die herausragenden Merkmale des größten und am besten erhaltenen Feuchtbiotops, das Europa vorzuweisen hat. Am Himmel tummeln sich Störche, Adler und unzählige Zugvögel, während wilde Pferde, Schweine und behäbige Kühe im morastigen Erdreich nach Nahrung wühlen und scharren. Es ist ein Garten Eden im Norden Kroatiens, das sogar einige Dörfer und Siedlungen mit einschließt – beinahe wie im „echten“ Paradies.

Auf einer Fläche von mehr als 50.000 Hektar breitet sich das größte Schwemmgebiet Mitteleuropas entlang des Flusses Save aus, das seit 1998 unter Naturschutz steht und die größte geschützte Flussaue im überaus gewaltigen Einzugsgebiet der Donau ist. Umgeben von uralten Eichenwäldern bietet dieser Naturpark zahlreichen Wasservögeln und Störchen ideale Bedingungen zum Nisten und zur Aufzucht ihrer Jungvögel. Zu diesem Idyll tragen die reizvollen Dörfchen mit den Storchennestern auf den Dächern ebenso bei, wie die überwiegend „wild“ lebenden Vierbeiner, die hier ein artgerechtes Leben führen und sich dabei sichtlich wohlfühlen.

Die Natur und ihre Bewohner – Schutzgebiet für viele Arten

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Selbstverständlich ist das Hauptanliegen des Naturparks Lonjsko Polje der Schutz der Natur, also der Landschaft und ihrer tierischen Bewohner. Und von letzteren gibt es eine ganze Menge, die im Wasser, auf dem Land und in den Lüften beheimatet sind. Das Sumpfgebiet ist quasi ein großes, natürlich entstandenes Staubecken des Flusses Save, das sich parallel zum Lonjefluss gebildet hat.
Die überwiegend vom nassen Element geprägte Landschaft gibt nicht nur zahlreichen Fischarten, sondern auch Wasservögeln den Lebensraum, der ihnen Nahrung und Rückzugsort gleichermaßen gewährt. In den Seen und Teichen tummeln sich beispielsweise Karpfen, für die das trübe, schlammige Wasser perfekte Laichbedingungen bietet, so dass das Feuchtgebiet von Lonjsko Polje zu den größten Karpfenlaichplätzen europaweit zählt.
Während sich die Fische eher unspektakulär in den für Menschenaugen kaum durchschaubaren Gewässern aufhalten, zeigen sich die Vögel in ihrer ganzen bunten und artenreichen Pracht. Enten, Fischreiher, Seidenreiher und Löffler bauen im Schilf ihre Nester und erfüllen die Luft mit ihrem unermüdlichen Schnattern und Schreien. Auch stolze und selten gewordene See- und Schlangenadler ziehen weit oben am Horizont ihre majestätischen Kreise, um abrupt in die Tiefe zu stürzen und sich vom reich gedeckten Tisch der Seen zu bedienen.
Die Stars unter den Vögeln sind jedoch die Störche. Schwarz- und Weißstörche thronen in ihren Nestern auf den Dächern der Dörfer oder staken am Uferbereich der Sümpfe entlang, um sich Fische, Frösche und andere Leckerbissen aus dem Wasser zu ziehen.
Zu den Zeiten der Zugvogelflüge bevölkern noch Kraniche und Moorenten die Lüfte über dem Naturpark. Diese Vögel sind auf dem sogenannten Adria-Zugweg unterwegs, der sie im Herbst vom heimischen Mittel-, Nord- und Osteuropa über den Balkan, die Adria und das südliche Italien nach Nordafrika führt. Im Frühjahr geht es die gleiche lange Strecke wieder zurück. Hier im Naturpark Lonjsko Polje ruhen sich die Vögel von den Strapazen der weiten Reise aus, um sich satt zu fressen und neue Kräfte für den restlichen Flug zu schöpfen.
Neben den Fischen und Vögeln hat das Feuchtgebiet auch vierbeinige Bewohner vorzuweisen, die sich den Besuchern oft nur sparsam zeigen. In den sumpfigen Steineichenwäldern leben Hirsche, Rehe, Wildkatzen, Biber und Fischottern. Damit nicht genug, streifen auch autochthone Wildpferde der Art Kroatisches Kaltblut und Wildschweine durch die Wälder. „Autochthon“ werden Tierarten genannt, die sich hier entwickelt haben und nur in dieser Landschaft leben.
Wenn im Frühling und Herbst das gesamte Sumpfgebiet des Naturparks vom Hochwasser der Save und ihrer Nebenflüsse Lonja, Pakra, Großer und Kleiner Strug sowie Una überschwemmt wird, sieht das Ganze von oben aus wie ein einziger großer See. Für dieses Phänomen können Sie sich von 30 bis zu 100 Tagen im Jahr Zeit lassen, denn so lange beherrscht das Hochwasser – im Durchschnitt betrachtet – die Landschaft von Lonjsko Polje.

Storchennester, traditionsreiche Handwerkskunst und „flanierende“ Kühe – die Dörfer und Siedlungen des Naturparks

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Allein in einem einzigen Dorf können Sie rund 45 Storchennester auf den Dächern zählen. Aus diesem Grund wurde dem Dorf Cigoc der Titel „Europäisches Storchendorf“ verliehen.
Dann gibt es das Dorf Krapje, das ebenfalls mit einer Besonderheit aufwarten kann: Es ist das einzige Dorf Kroatiens, das komplett unter Denkmalschutz steht. Die überwiegend aus Holz erbauten zweistöckigen Häuser haben außen eine Treppe, die in die höher gelegenen Stockwerke führt. Diese ungewöhnliche Bauweise ist dem jährlichen Hochwasser geschuldet, denn über diese Treppe gelangt man trockenen Fußes in das am Haus angebundene Boot und kann die Straßen des Weilers auf dem Wasserweg durchqueren.
Das harte und überaus robuste Holz der Steineichen widersteht selbst den regelmäßigen Überschwemmungen, so dass die Häuser perfekt in diese nasse Umgebung integriert sind. Die Kirche nebst Pfarrhaus, das Rathaus und eine Mühle sind noch in ihrer ursprünglichen Beschaffenheit erhalten und zeigen keinerlei Anzeichen dafür, dass sich an diesem Zustand in der nächsten Zeit etwas ändern wird.

Die Dörfchen im Naturpark Lonjsko Polje haben sich selbstverständlich an die „Erfordernisse“ des Tourismus angepasst, wenngleich im Rahmen dessen, was ein Naturschutzgebiet eben ausmacht. So finden Sie kleine Restaurants, in denen Sie die Köstlichkeiten der regionalen Küche wie Fischeintopf oder Wildgulasch genießen können. Beim Bummel durch die kleinen Dorfstraßen haben Sie die Möglichkeit, den hiesigen Handwerkern beim Entstehen ihrer überwiegend in traditioneller Handarbeit gefertigten Produkte über die Schulter zu schauen.
Darbietungen örtlicher Folkloregruppen gehören ebenso zum Lokalkolorit der Siedlungen wie gemächlich spazierende Kühe, die auf den Straßen entlang trotten, um zur Weide, zum Wasser oder zu beidem zu gelangen. Sogar die Schweine in den Dörfern und draußen im Sumpfgebiet scheinen sich den örtlichen Gegebenheiten perfekt angepasst zu haben: mit ihren langen Beinen sind sie optimal ausgestattet, um durch den schlammigen Untergrund zu waten und können damit auch bis zu einer gewissen Hochwasserhöhe den Überblick behalten.

Der Naturpark Lonjsko Polje ist ein gelungenes Schutzgebiet, das Mensch, Tier und der ungezügelten Natur allen Freiraum lässt, dessen sie bedürfen, um nach uralten Traditionen und Gewohnheiten zu leben und zu existieren. Hier befindet sich die Natur mit allen ihren Schöpfungen im Einklang, und es ist dabei gelungen, dieses Stück heile Welt zu bewahren und ihm hoffentlich auch in Zukunft die Lebensbedingungen zu gewährleisten, die dieses großartige Naturphänomen so einzigartig macht.

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