Aktuelle Bücher aus Kroatien

11 September 2019 AUTOR:

Die Adria als literarischer Mittelpunkt – Kroatien auf der Leipziger Buchmesse

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Die kroatische Literatur kann sich lesen lassen. Viele neu dazugekommene und bereits seit langem etablierte Autoren präsentieren ihr Heimatland auf zahllosen beschriebenen Buchseiten, die das Land, die Menschen und deren Geschicke in eindringlichen, spannenden und interessanten Bildern auf dem Papier lebendig werden lassen.

Unser Überblick über die Literatur Kroatiens im Wandel der Zeiten beleuchtete die verschiedenen Strömungen und die damit einhergehenden Entwicklungen, die das geschriebene Wort in diesem Land über die Jahrhunderte hinweg genommen hat.
Nun wollen wir uns der Gegenwart zuwenden, und damit auch den Autoren, die jetzt oder in der jüngsten Vergangenheit eigene oder der Fantasie entsprungene Erlebnisse zu Geschichten verwoben haben, um ihre Leser zu fesseln und Lust auf mehr Kroatien in Buchform zu machen. Die Leipziger Buchmesse hat sich im Jahr 2008 dem faszinierenden Urlaubsland an der Adria gewidmet und nicht weniger als 38 Autoren mit ihren Werken vorgestellt. Hier folgt unsere Auswahl:

Edo Popovic – „Mitternachtsboogie“, „Stalins Birne“ und eine „Anleitung zum Gehen“

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Der 1957 geborene Autor lebt in der kroatischen Hauptstadt Zagreb und war schon zu jugoslawischen Zeiten schriftstellerisch sehr rührig – damals allerdings noch im Untergrund. Als Kriegsberichterstatter schrieb er erstaunlich neutral, was ihm Bewunderung und Respekt einbrachte. Sein erster Roman erschien 1987 und wurde auf Anhieb Bestseller und Kultbuch zugleich.
Mit dem „Mitternachtsboogie“ gelang es Popovic, das Ende der Tito-Ära stimmungsvoll „einzufangen“ und die Unsicherheit, Perspektivlosigkeit und Aufbruchsstimmung der damaligen Jugend schnörkellos und poetisch zugleich zu beschreiben. Mit seinem Debütroman über den sterbenden Sozialismus und dem Untergang vieler Ideale wurde Popovic über Nacht berühmt, doch ruhte er sich keineswegs auf diesen Lorbeeren aus…
Edo Popovic setzte seine Erfolgsserie mit weiteren Romanen wie „Ausfahrt Zagreb-Süd“ fort. Auch dieses Buch widmet sich der „verlorenen“ Jugend, die den Untergang des Sozialismus und den Krieg überlebt hat, und nun nicht recht weiß, was sie mit ihrem Leben anstellen soll. Jenseits der 40 und die besten Jahre längst hinter sich, wissen diese Menschen, dass es für ein unbeschwertes Leben mit Rock & Roll längst zu spät ist, der Tod jedoch noch lange nicht vor der Tür steht. Popovic beschreibt die Nöte und Wünsche einer Generation, „die im 20. Jahrhundert gesoffen hat und im 21. Jahrhundert nüchtern geworden ist“.
Ein ähnliches Thema wählte Popovic für seinen Roman „Stalins Birne“. Ein aufregendes und hektisches Leben im Umbruch und im Krieg lassen den „Helden“ des Buches immer wieder an der Gegenwart scheitern. Doch die etwas verrückte und ungemein schnelle Erzählweise macht auch diesen Roman zum puren Lesevergnügen, wenngleich mit tragischem Inhalt.

Völlig anders kommt da die „Anleitung zum Gehen“ daher, die uns lehrt, uns selbst zuzuhören und auch unseren Gedanken zu lauschen. Das alles passiert einfach so beim Gehen, man muss nur wissen, wie. Popovic schreibt diesen Essay als poetischen Ratgeber, der seinen Lesern deutlich macht, wie viel oder wie wenig dazu nötig ist, um selbst gut zu leben und – vielleicht ganz nebenbei – auch der Welt beim Überleben zu helfen.

Abschließend sei Popovics Roman „Der Aufstand der Ungenießbaren“ erwähnt, der wiederum gesellschaftliche Probleme, den Kampf ums Überleben und den Umgang mit dem Konsum- und Profitwahn zum Thema hat.
Die Protagonisten des Romans nennen sich selbst die Ungenießbaren, um damit ihren Abscheu auf die Konsumgesellschaft und die Politik zum Ausdruck zu bringen. Was eigentlich als Protest und friedlicher Widerstand gegen das Establishment gedacht war, eskaliert als Rebellion gegen die Regierung, für die diese aufmüpfigen Antibürger ein Dorn im Auge darstellt. Aus Protest wird Krieg, und die Ungenießbaren sehen sich plötzlich vor die Notwendigkeit gestellt, für ihre Freiheit und um ihr Leben zu kämpfen.
Auch in diesem Roman spielt Edo Popovic mit der Utopie, die bei näherem Hinschauen gar nicht mehr so phantastisch ist und erschreckende Ähnlichkeiten mit der Gegenwart aufweist. Ein überaus zeitkritisches Werk, das sich ebenfalls unter die Bestseller der kroatischen Gegenwartsliteratur einreiht.

Von sanften Quellen und lateinischen Segeln – Poesie aus Kroatien

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Um dem hektischen und oft tristen Alltag zu entfliehen gibt es nichts Schöneres, als in einem Gedichtband zu schmökern. Wenn Sie gerne Gedichte lesen oder es einmal damit versuchen möchten, haben wir zwei Sammlungen für Sie ausgewählt.
Anka Zagar veröffentlichte in dem Band „Die Besänftigung der Quelle“ kroatische Lyrik vom Feinsten. Die Gedichte wurden von der ebenfalls aus Kroatien stammenden Alida Bremer übersetzt und herausgegeben, die viele andere Werke kroatischer Schriftsteller ins Deutsche übertragen hat.

„Das lateinische Segel“ lautet der Titel des Gedichtbands von Jaksa Fiamengo, der in der Reihe Kroatische Literatur der Gegenwart erschienen ist. Auch diese wunderschöne Poesie wurde von Alida Bremer aus dem Kroatischen übersetzt und lässt Sie 72 Seiten lang dem prosaischen Alltag entfliehen.

Das Walnusshaus – ein Spielzeug als Auslöser für eine dramatische Familiensaga

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Die Vita des 1966 in Sarajevo geborenen Miljenko Jergovic ähnelt dem Lebenslauf von Edo Popovic in einigen Punkten. Der Autor lebte während des Krieges in Sarajevo und berichtete aus der belagerten Stadt, die er 1993 verließ. Der Schriftsteller, Dichter und Essayist lebt und arbeitet in Zagreb.
Jergovic veröffentlichte zahlreiche Romane und Gedichtsammlungen. Weiterhin schreibt er Essays und Kolumnen für kroatische, serbische und bosnisch-herzegowinische Zeitungen. Der Autor hat ein großes Faible für den Fußball, der auch in seinen Werken viel Beachtung findet…

Dem vielfach preisgekrönten Schriftsteller gelang mit dem Roman „Das Walnusshaus“ eine fulminante Familiengeschichte, die das Leben und die Zeitläufte auf dem Balkan des 20. Jahrhunderts in epischen Bildern erzählt.
Der Holzschnitzer August Liscar erhält im Jahr 1905 den Auftrag, ein Spielzeug für das noch ungeborene Enkelkind eines Mannes zu schnitzen. Nach langem Überlegen entscheidet er sich, dem Kind eine Miniatur seines künftigen Elternhauses anzufertigen, das er akribisch schnitzt – samt dem Mobiliar und seiner Bewohner. Das Walnusshaus begleitet Regina durch ihr wechselvolles und sehr langes Leben. Die Geschichte des „Kindes“ Regina führt den Leser nach Dalmatien, Montenegro, Bosnien und in die Herzegowina und lässt in zahlreichen Geschichten die Eigentümlichkeiten dieser Länder und ihrer Bewohner über ein ganzes Jahrhundert hinweg lebendig werden.
„Das Walnusshaus“ ist eine großartige Familiensaga des Westbalkans, die in einer Kritik als „raffiniertes Monstrum von einem Roman“ bezeichnet wurde. Die in Offenbach am Main lebende Übersetzerin Brigitte Döbert hat für diesen Roman nicht minder großartige deutsche Worte gefunden, was sie übrigens schon seit mehr als 20 Jahren überaus erfolgreich praktiziert.

Tauchen Sie ein in diese großartigen Werke, die Ihnen unterhaltsamen, spannenden und interessanten Lesegenuß versprechen. Und bald schon liefern wir Ihnen neues Lesefutter…

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