Beli – über der antiken Fluchtburgsiedlung ziehen majestätische Gänsegeier durch die Lüfte

4 Februar 2012 No Comment

Beli, Cres, KroatienDie von zerklüfteten Hügelketten und niedrigen Steinmäuerchen geprägte entpuppt sich bei näherem Hinschauen als reizvolles Eiland mit malerischen Dörfern und Landschaften. Ein kleines Stück Inselparadies gibt es in dem Ort Beli zu entdecken, der über 100 Meter hoch über dem Meer thront.

Zu römischen Zeiten war Beli ein wichtiges Handelszentrum, was seiner strategisch günstigen Lage an der Bernsteinstraße geschuldet war. Bei einem Bummel durch den Ort trifft man überall auf antike Spuren, von denen die hervorragend erhaltene römische Brücke wohl die eindrucksvollste ist. Immerhin muss man diese Brücke überqueren, um über einen zwölf Meter breiten Taleinschnitt nach Beli zu gelangen. Um die einstige Fluchtburg hat sich schon in der Antike eine Siedlung in Form eines Kegels gebildet, zu der sich im 15. und 18. Jahrhundert jeweils eine Kirche hinzu gesellte. Der einst so bedeutende Ort wird heute nur noch von wenigen Bewohnern bevölkert, die Beli davor bewahren, den Status eines überaus malerischen Freiluftmuseums einzunehmen.

Beli ist ein romantisches Fleckchen. Die engen Gassen mit ihren zahllosen Stufen und Treppchen sind übersät von den Beeren des großen Maulbeerbaums, der sicherlich schon viele Jahrzehnte über die Geschicke des Ortes wacht. Sogar Granatapfelbäume gedeihen vor dem Friedhof am Ortseingang und verleihen dieser beschaulichen Idylle ein beinahe orientalisch anmutendes Flair. Es ist bestimmt ein hartes Stück Arbeit, die Gärten zu bestellen, die sich terrassenförmig an den Hang schmiegen. Doch selbst der reizvolle Anblick der darin gedeihenden Feigen-und Obstbäume sowie der für die Insel so typischen Natursteinhäuser sollte die Besucher nicht davon abhalten, den Blick himmelwärts zu richten.

Denn hoch oben in den Lüften tummeln sich die eigentlichen Attraktionen dieser Landschaft, die Gänsegeier. Die faszinierenden Vögel mit den Adleraugen bringen es trotz ihrer fünfzehn Kilo Körpergewicht zu Flugleistungen, die jeden Marathonläufer vor Neid erblassen lassen. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h absolvieren die Gänsegeier ein tägliches Flugprogramm von mehreren Hundert Kilometern. Bis zu 60 Jahre können diese erstaunlichen Vögel alt werden, die in ihrem Revier dafür sorgen, dass keine Tierkadaver herumliegen, die wiederum Infektionskrankheiten auslösen könnten. Die Gänsegeier ernähren sich ausschließlich von toten Tieren, so dass man weder um seine Schafe, noch um seinen Schoßhund fürchten muss.

In einer Villa in Beli ist das Eco-centar Caput Insulae untergebracht, ein staatlicher Verein, der sich um die Betreuung und Registrierung dieser majestätischen Vögel kümmert. So werden verletzte Jungvögel gepflegt und betreut, die bei ihrem ersten Flugversuch ins Meer gestürzt sind. Nachdem die Geier wieder aufgepäppelt wurden, sind sie quasi als Teenager in der Lage, zusammen mit ihren Eltern nach Afrika zu fliegen, wo sie spätestens nach fünf Jahren mit einem Lebenspartner auf die Insel zurückkehren, um selbst die Brutpflege zu betreiben.

Eine Wanderung auf dem Ökolehrpfad Stanza Tramuntana, der sich über den Norden von Cres erstreckt, ist eine hervorragende Gelegenheit, die Geier zu beobachten und sie in ihrem gewohnten Lebensraum zu “studieren“. Doch hier sollte man wiederum nicht nur auf die Vögel, sondern auch auf den Weg achten, da die Wander-Lehrwege rund um Beli von modernen Skulpturen einheimischer Bildhauer gesäumt werden.

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