Delfine in der kroatischen Adria

14 November 2012 AUTOR:

Gesellige Meeresbewohner mit Seltenheitswert – Delfine in der kroatischen Adria

Delfine in Kroatien
Sie gelten als die beliebtesten und bekanntesten Meeressäuger, deren Erscheinen bei Groß und Klein auf ungeteilte Begeisterung stößt. Doch Delfine sind leider rar geworden, so auch in der Adria vor der kroatischen Küste. Immerhin ist man sich der Gefährdung der intelligenten Tiere bewusst, und einige großangelegte Rettungsprojekte lassen wieder Hoffnung aufkommen, dass Flipper & Co. auch in den kroatischen Gewässern wieder zahlreicher vorhanden sein werden und reelle Überlebenschancen erhalten.

Es gilt als unvergessliches Urlaubserlebnis, wenn man auf einer Bootsfahrt entlang der kroatischen Küste schwimmende oder springende Delfine erblickt. Die größten Chancen für eine Delfinsichtung bestehen bei Überfahrten mit den Fährschiffen und vor allem um die Inseln Cres und Losinj in der Kvarner Bucht. Die pfeilschnell durch das Wasser pflügenden Delfine setzen besonders Kinder in Entzücken, deren “Erfahrungen” mit diesen Tieren sich meist auf Erlebnisparks und Meeresaquarien beschränken. Auch so mancher Erwachsene denkt beim Anblick der elegant aus dem Meer empor schnellenden Delfine sofort an die Kultserie Flipper, wo der gleichnamige Delfin zusammen mit seinen zweibeinigen Freunden zahllose Abenteuer und viele brenzlige Situationen gemeistert hat.

Leider ist es um das Delfinvorkommen in der kroatischen Adria nicht mehr allzu gut bestellt. Während sich noch viele Küsten- und Inselbewohner sowie Fischer und Seeleute daran erinnern können, dass einst Tausende von Delfinen in den Gewässern vor Kroatien heimisch waren, sind die heutigen Bestände auf dramatische 220 Exemplare gesunken. Hilfe tut not, wenn man sich auch weiterhin am Anblick der Meeressäuger erfreuen möchte, die durch den Mensch so drastisch dezimiert wurden, so dass es nur in Menschenhand liegt, diesen Missstand durch gezielte Maßnahmen zu beheben und die Population der Delfine wieder anwachsen zu lassen.

Delfin ist nicht gleich Delfin – welche Meeressäuger gibt es in der Adria?

Delfine in KroatienDie am meisten verbreitete Delfinart, die sich noch in der Adria tummeln, sind die Tümmler. Der Große Tümmler (Tursiops truncatus) ist die bekannteste Spezies unter den etwa 40 Delfinarten, nicht zuletzt deshalb, weil die meisten Tiere in Delfinarien dieser Gattung angehören und auch Flipper selbst ein Tümmler war. Diese Tiere können eine Größe von zweieinhalb bis vier Meter erreichen und wiegen je nach Länge zwischen 150 und 600 Kilogramm. Die in der Adria gesichteten Tümmler sind durchschnittlich etwa drei Meter lang. Diese Delfinart hat einen überwiegend grauen Körper, der am Rücken am dunkelsten ist und zum Bauch hin zunehmend heller wird. Am Bauch können die einzelnen Tiere am besten auseinander gehalten werden, denn die Bauchseite weist eine Farbpalette von einem sehr hellen Grau bis hin zu Weiß und zuweilen auch Rosa auf. Bei älteren Delfinen weist der Bauch manchmal auch “Altersflecken” auf. Tümmler besitzen einen relativ kurzen Schnabel, der ein wenig an einen Flaschenhals erinnert, weshalb die englische Bezeichnung der Tümmler “bottlenose dolphin” lautet. Tümmler können bis zu 30 Jahren alt werden; einzelne Exemplare brachten es sogar auf ein biblisches Alter von 50 Jahren. Geselligkeit, Anpassungsfähigkeit und Neugier sind die charakteristischen Merkmale von Tümmlern, weshalb man fast nur diese Spezies in Delfinarien antrifft.

Auch der Gemeine Delfin (Delphinus delphis) war noch vor dem Zweiten Weltkrieg in großer Zahl in kroatischen Gewässern heimisch. Die Tiere erreichen eine maximale Größe von knapp zweieinhalb Metern und unterscheiden sich von den Tümmlern durch ihre langen und spitzen Schnäbel sowie ihre wie eine Sanduhr gemusterten Körper, deren Rücken braun, grau und schwarz ausfallen können, während der Bauch meist hell ist. An Aktivität und Geselligkeit steht der Gemeine Delfin dem Tümmler um nichts nach.

Man muss schon sehr genau hinschauen, um einen Blau-Weißen Delfin (Stenella coeruleoalba) von einem Gemeinen Delfin zu unterscheiden. Die auch Streifendelfin genannte Spezies ist genauso groß wie der “Gemeine” und weist an den Seiten des Körpers Längsstreifen auf, während der Rücken bräunlich oder blaugrau und der Bauch wiederum hell ausfallen kann. Der lange Schnabel und ein feiner langer Streifen vom Auge bis zur Fluke sind die hauptsächlichen Erkennungsmerkmale dieser Delfinart.

Der Rundkopfdelfin (Grampus griseus) ist die vierte Delfinart, die nur noch sehr selten in der Adria gesehen wird. Dem rundlichen Kopf mit einem sehr kurzen und wenig ausgeprägten Schnabel verdanken diese Tiere ihren Namen. Rundkopfdelfine kommen dunkelgrau zur Welt und werden mit zunehmendem Alter heller, bis sie aus der Entfernung gesehen beinahe weiß wirken. Sie können wie die Tümmler bis zu vier Meter lang werden.

Steckbrief eines “kroatischen” Meeressäugers

Delfine in KroatienTümmler sind die am häufigsten in der Adria gesichteten Delfine. Die bis zu vier Meter langen und 300 Kilogramm schweren Tiere erreichen mühelos eine Spitzengeschwindigkeit von 65 km/h, was sie ihrem stromlinienförmigen Körper verdanken. Delfine sind auch versierte Springkünstler, die jedoch nicht nur aus reiner Lust an der Bewegung Luftsprünge vollführen, sondern dabei nach Möwenschwärmen Ausschau halten, die stets ein Hinweis auf Fischschwärme und andere Nahrungsquellen sind. Mit ihrem auf Sonar basierenden Ortungssystem machen Tümmler neben Fischen auch Garnelen, Krebse und Tintenfische ausfindig. Außerdem verfügen Delfine über ein gutes Sehvermögen, was der Nahrungssuche ebenfalls zugutekommt.

Delfine bringen nach einem Jahr Tragezeit lebende Junge zur Welt, die sofort nach der Geburt von den Müttern an die Wasseroberfläche gebracht werden, um den ersten Atemzug zu nehmen. Während des Geburtsvorgangs wird die Mutter von der Herde vor Feinden oder unerwünschten Störenfrieden abgeschirmt. Ein Delfinjunges oder Kalb bleibt bis zu drei Jahren bei der Mutter, erst dann ist es selbst überlebensfähig.

Delfine leben in streng geordneten Sozialverbänden, die auch Schulen genannt werden. Meist führen ältere Männchen die Schulen an, denen auch Weibchen mit ihrem Nachwuchs angehören. Jüngere Männchen bilden zusammen ihre eigene Schule, der sogenannte Junggesellenverband. Dabei kann die Zugehörigkeit einzelner Tiere zu den verschieden Schulen und Herden durchaus wechseln. Delfine entwickeln ein ausgeprägtes Bindungs- und Fürsorgeverhalten, so werden kranke oder verletzte Mitglieder der Herde von den anderen Tieren betreut und beschützt. Die Größe einer Schule hängt vom Nahrungsangebot ab. Ist reichlich Nahrung vorhanden, sind sich Herden mit bis zu 1000 Tieren denkbar, die sich aus mehreren Schulen zusammensetzen und bis zu 100 Kilometer an einem Tag zurücklegen können.

Delfine kommunizieren mit Klick- und Pfeiftönen, wobei jedes Tier seinen ganz speziellen Erkennungston besitzt, der sich aus einer für das jeweilige Individuum festgelegten Lautfolge zusammensetzt. Neben der akustischen Verständigung stärken die Tiere ihre gegenseitige Bindung auch durch Körperkontakt.

Die außerordentlich glatte Haut und die stromlinienförmige Körperform ermöglicht den Tümmlern ihre pfeilschnelle Geschwindigkeit. Alle drei Stunden werden die oberen Zellen der Delfinhaut abgestoßen, so dass die Tiere stets über eine extrem glatte und wie imprägniert wirkende Haut verfügen. Da Delfine atmen müssen, bleibt immer eine Hälfte ihres Gehirns wach, um den Atemvorgang zu kontrollieren. Die Meeressäuger halten auch ständig ein Auge offen, um Feinden auch im Schlaf keine Chance zu bieten.

Auf Delfinsuche vor der kroatischen Küste

Delfine in KroatienWer nun derart genau über Delfine Bescheid weiß, wird es nicht beim theoretischen Wissen belassen wollen. Selbstverständlich gibt es keine Garantie für einen “Delfinkontakt” in der Adria, doch an einigen Stellen ist die Wahrscheinlichkeit, den Meeressäugern zu begegnen, immerhin recht hoch. “Adria-Delfine” durchstreifen das ganze Jahr über das Meer nahe der kroatischen Festlandküste und der kroatischen Inseln. Eine Faustregel besagt, dass sich die Tiere meist weniger als fünf Kilometer vom Land entfernt aufhalten, so dass man keine Hochseetour chartern muss, um Tümmler vor die Kameralinse zu bekommen. Die Delfine tummeln sich auch gern in Lagunen und Buchten, vorzugsweise in der Region der Kvarner Bucht.

Ein relativ sicheres Delfinrevier sind die Gewässer um die Inseln Cres und Insel Losinj. Hier existiert seit 2006 sogar ein Schutzgebiet für Delfine, das weltweit zu den ersten seiner Art zählt. Die Organisation “Adriatic Delphin Projekt Blue World hat in Veli Losinj, dem ältesten Inselort, ihren Stützpunkt errichtet und kümmert sich seit 1987 mit einem international besetzten Team um den Erhalt, die Erforschung und den Schutz der gefährdeten Tiere.

Auch an der Küste vor der alten Uskokenstadt Senj wurden häufig Delfine gesichtet. Die Tiere erscheinen dort oft für einige Tage im Sommer, nachdem die in dieser Region recht unangenehme Bora ihre kalten Böen besänftigt hat, die sie dann im Herbst wieder mit heftiger Stärke vom Gebirge über die Küste bläst.

Delfin in Sicht – einige Verhaltensregeln

Delfine in KroatienNun ist es endlich soweit, und man hat tatsächlich Delfine in freier Wildbahn erspäht – was ist zu tun, und wie soll man sich bei einer Delfinsichtung verhalten? Die Einhaltung einiger Verhaltensregeln gewährleisten die friedliche Koexistenz von Mensch und Tier und leisten einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der gefährdeten Meeressäuger.

Es ist wichtig, Delfinen den ihnen gebührenden Respekt zu zollen und sich selbst als Gast auf dem Wasser, dem natürlichen Lebensraum dieser Tiere, zu betrachten. Ein Boot sollte stets einen Abstand von 100 Metern zu den Delfinen einhalten, zudem sollten nicht mehr als drei Boote oder Schiffe in einem Umkreis von 200 Metern auf Delfinsuche gehen, um die Tiere nicht in Stress zu versetzen. Sie fühlen sich ansonsten bedroht und bedrängt, was auch auf eine “Besichtigungszeit” von mehr als einer halben Stunde zutrifft.

Boote sollten niemals frontal auf Delfine zufahren, sondern sich ihnen von der Seite und in extrem langsamer Fahrt nähern. Auch rasante Fahrmanöver mit Richtungswechsel verunsichern die Tiere und versetzen sie in Alarmstimmung. Sobald man sich den Delfinen genähert hat (100 Meter!), sollte der Motor abgestellt oder in den Leerlauf geschaltet werden.

Wettrennen oder Verfolgungsjagden mit Delfinen sind ebenso unfair wie unsportlich und sollten für echte Tierfreunde absolut tabu sein. Wenn die Tiere Interesse an einer Begegnung haben, kommen sie von selbst auf das Boot zu, andernfalls ist die Ablehnung einer Kontaktaufnahme der Meeressäuger zu respektieren.

Falls es beim Schwimmen im Meer zu Begegnungen mit Delfinen kommt, dürfen die Tiere keinesfalls berührt oder gar gefüttert werden. Tümmler sind allen Fernsehserien zum Trotz Raubtiere in freier Wildbahn, die menschliches Verhalten durchaus falsch deuten und entsprechend aggressiv reagieren können.

Wer mit der Kamera auf Delfinjagd geht, sollte die empfindlichen Augen der Meeressäuger schützen und auf Blitzlicht verzichten. Auch das nachlässige Über-Bord-Werfen von Abfall stellt für die Tiere eine große Gefahr dar, da viele Delfine bereits an verschluckten Plastiktüten, die sie für Nahrung halten, qualvoll erstickt sind.

Delfin-Projekte fordern zum Mitmachen auf

Delfine in KroatienObwohl der Delfinbestand in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen ist, lassen einige Delfin-Schutzprojekte wieder Hoffnung aufkommen. Die Organisationen setzen sich dafür ein, dass die Tiere nicht mehr gejagt und getötet werden, was zwar offiziell verboten ist, aber dennoch leider zu häufig vorkommt. Auch die Einrichtung von Schutzgebieten, in denen weder Boote fahren dürfen noch Fischfang betrieben werden darf, wird vehement angestrebt, doch widersetzen sich vor allem die Fischer diesen dringend erforderlichen Maßnahmen. Dennoch haben diese Organisationen schon sehr viel bewirkt, und sei es, dass die Touristen auf die Situation der Delfine aufmerksam geworden sind und den Tieren achtsam begegnen. So kann jeder Einzelne mit wenig Aufwand seinen Beitrag zum Schutz und Erhalt der Delfine leisten.

Die Gesellschaft zur Rettung der Delfine fordert Urlauber auf, Delfinsichtungen in der kroatischen Adria zu melden, damit diese Beobachtungen statistisch erhoben und ausgewertet werden können. Auch tote Tiere sollten unbedingt gemeldet werden, ganz zu schweigen von verletzten Delfinen, denen womöglich noch geholfen werden kann.

Das Blue-World-Projekt bietet neben der Mitgliedschaft in seinem Verein auch Patenschaften an. So wird man entweder Mitglied und Sponsor für das gesamte Projekt oder man entschließt sich Pate für einen Delfin zu werden, was mit einer Gebühr von 20 bis 70 Euro (nach oben selbstverständlich ohne Grenzen) verbunden ist.

Seit 1999 gibt es ein deutsch-kroatisches Delfin-Schutzprojekt, das sich anfangs – mangels finanzieller Unterstützung – auf die Untersuchung toter Tiere beschränken musste. Doch schon wenige Jahre später konnte die Gesellschaft ein eigenes Boot erwerben und aktiv Rettungsmaßnahmen entlang der kroatischen Küste und in den unzähligen Buchten vornehmen. Auch diese Organisation hat sich die Einrichtung von Schutzgebieten zum Ziel gesetzt. Außerdem sieht sie ihre Aufgabe in der Rettung verletzter oder gestrandeter Delfine und Wale sowie der Einrichtung und dem Aufbau eines Delfinschutzzentrums in Kroatien. Und nicht zuletzt betreibt die Organisation zahlreiche Aufklärungsprojekte für Fischer, Küstenbewohner und natürlich auch Urlaubsgäste.

Es gibt viel zu tun, um die verbliebenen 220 Tümmler in der kroatischen Adria zu behalten und ihre Population wieder aufzubauen. Doch das unermüdliche Engagement vieler Organisationen, die Geldspenden zahlreicher Unterstützer und nicht zuletzt die Vielzahl ehrenamtlicher Helfer lassen bei Tier- und Naturschützern wieder vorsichtigen Optimismus aufkommen, doch kann von einer Entwarnung noch keine Rede sein.

Letztendlich kann jeder Tourist sein ganz persönliches Mosaiksteinchen zum Erhalt der “Adria-Delfine” beitragen. Das fällt für den Einzelnen kaum ins Gewicht, ist für den Schutz der Meeressäuger jedoch überlebenswichtig.

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Videos der Adria Delfine in Kroatien

Hilfreiche Links:

Gesellschaft zur Rettung der Delfine: deutsch-kroatisches Delfin-Schutzprojekt
Projehtbericht der Gesellschaft zur Rettung der Delfine: zum Projektbericht
Adriatic Delphin Projekt Blue World: http://www.blue-world.org/en/about-us/

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