Edle Tropfen aus Kroatien – Wein aus Istrien

22 Mai 2019 AUTOR:

Wein in den Farben des Landes – edle Tropfen aus Istrien

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Genießen wird auf der istrischen Halbinsel großgeschrieben. Und da Wein weitaus mehr ist als nur ein Getränk, zählt der Wein aus dieser Region Kroatiens zu den edelsten Tropfen, die man aus Trauben gewinnen kann. Die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit trägt ebenfalls ihren Teil dazu bei, die Weine so unverwechselbar wie vielfältig in den Fässern reifen zu lassen.

Es ist schon erstaunlich, was auf der teilweise recht steinigen und karstigen Erde Istriens gedeiht. Die Rebstöcke sind wahre Überlebenskünstler, die darauf spezialisiert sind, ihre Wurzeln viele Meter tief in die Erde zu graben, um dort an Nährstoffe und Wasser zu gelangen. Es gibt sehr alte Weinstöcke, deren Wurzelnetz über die Jahre hinweg sehr dicht und auch dick ist. Die Wurzeln von mehrere Jahrzehnte alter Reben können bis zu 20 Meter tief ins Gestein hinab vordringen, was übrigens auch dem aus den Trauben altgedienter Rebstöcke gewonnenen Wein zugutekommt, der besonders vollmundig und vielschichtig schmeckt.
Der Weinbau hat in Istrien eine Jahrtausende währende Tradition, da schon die Illyrer und Histrer den vergorenen Traubensaft zu schätzen wussten. Doch erst mit den Griechen wurde der Anbau der Reben gezielt kultiviert, was von den Römern fortgeführt wurde. Es waren auch die römischen Söldner, die von überall her Pflanzen als Beute mitführten. So auch Reben aus anderen Ländern, die in istrischer Erde heimisch wurden.

Rote und weiße Erde – hier gedeihen die besten Weine

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Die Erde des größten Anbaugebietes von Istrien ist lehmig und rot und überaus reich an Eisen und vielen Mineralien. In diesen eisen- und mineralienreichen Mix graben sich die Wurzeln der Rebstöcke besonders gern ein, denn er liefert die idealen Nährstoffe für fruchtige, säurehaltige Rotweine. Auf einer Fläche von 5840 Hektar, die sich von Buje bis hinunter nach Pula entlang der Westküste erstreckt, gedeiht der köstliche Teran. Denn direkt an der Adria ist diese Erde besonders gehaltvoll, was sich ändert, je weiter man sich von der Küste weg ins Landesinnere begibt.
Der Teran ist schon im Glas eine Augenweide: er leuchtet in intensivem Rubinrot und mundet den Weinliebhabern übrigens schon seit vielen Jahrhunderten. Der vollmundige Rotwein war unter dem Namen vinum pucinatum schon gekrönten Häuptern ein wahres Labsal, denn auch die Kaiser und Könige wussten einen edlen Tropfen von einfachem Wein zu unterscheiden.
Die Reben, aus denen der Teran gewonnen wird, sind sehr zäh und widerstehen auch den heftigsten Böen der ungestümen Bora, die gnadenlos über die Berge fegt und Sturm und Kälte nach Istrien bringt. Trotz der nicht ganz angenehmen klimatischen Bedingungen bringt es der Teran auf stolze zwölf Prozent Alkoholgehalt, also ein Schwergewicht unter den Weinen, was beim Genuss durchaus in Betracht gezogen werden sollte…
Wenn Sie Rotwein mögen, jedoch leichtere Sorten bevorzugen, werden Sie rasch Freundschaft mit dem Refosco schließen. Der ins Violette changierende Rotwein entstammt zwar auch der Teran-Familie, ist mit seinem Alkoholgehalt von acht bis maximal neun Prozent wesentlich weniger gewichtig und schmeckt ebenfalls herrlich fruchtig und ausdrucksstark.
Der vollmundige Geschmack des Teran und der mit ihm verwandten Rotspone ist auch dem Umstand geschuldet, dass diese Weine in schweren Barrique-Fässern reifen, die eigens aus Eichenholz gezimmert werden, um das typischen Barrique-Aroma zu gewährleisten. Durch Zufall entstand übrigens das intensive Vanillearoma, das Weine, die in diesen Fässern gelagert werden, oft annehmen. Denn neu gezimmerte Fässer sind innen noch verbrannt, weil die Dauben durch Feuer gebogen werden. Dadurch entwickelt sich der Vanillegeschmack sozusagen als angenehmer Nebeneffekt…

Während Liebhaber von Rotweinen mit einem Glas Teran glücklich sind, greifen Weißweinfreunde zum Malvazija, einem fruchtigen Weißen, der jedoch mit der Farbe Weiß nicht viel gemein hat. Der trockene Malvazija funkelt von strohgelb bis zu einem intensiven Goldton in den Gläsern und erinnert mit seiner Farbe an die Blüte der Akazien. Auch diese Rebsorte ist sehr alt und wurde höchst wahrscheinlich von den Venezianern nach Istrien gebracht, wo sie bis heute einen überaus beliebten Wein hervorbringt, der gerade eine Renaissance erfahren hat. Vor allem junge und experimentierfreudige Winzer entdecken diesen alten Wein neu und sind damit sehr erfolgreich. Auch dieser Wein darf seit einiger Zeit in Barrique-Fässern ausreifen, was dem Malvazija ganz neue Geschmacksrichtungen verleiht. Der goldene Weiße ist ein idealer Begleiter für Fischspezialitäten und Krustentiergerichte.
Fast ebenso weiß wie die Weine selbst ist auch die Erde, in der die Rebstöcke gedeihen. Das lehmige Rot der Küste verwandelt sich landeinwärts in die sogenannte „weiße Erde“ des Hinterlands. In der Umgebung von Buzet, Pazin und Labin ist die Bodenbeschaffenheit für Weißweine ideal, was sich selbstverständlich auf den Geschmack auswirkt. Also werden Sie beim Verkosten eines Malvazija, Chardonnay oder Muskat sicherlich das „Terroir“ der weißen Erde schmecken, wie es seit einigen Jahren unter Weinkennern zum guten Ton gehört.
Apropos Muskat: die Trauben für diesen wunderbar süffigen Weißwein reifen überwiegend in der Gegend um Momjan heran, wo der Wein entweder herb und trocken oder überraschend süß ausgebaut wird. Auch dieses Tröpfchen leuchtet goldgelb im Glas und duftet betörend nach wilden Nelken. Dem Muskat werden aphrodisierende Eigenschaften zugeschrieben, was wissenschaftlich jedoch nicht belegt ist… Je nach Geschmacksrichtung wird der trockene Muskat gerne zum Essen getrunken, während die süße Variante hervorragend zu Desserts mundet.

Wie in jedem Weinanbaugebiet unterliegt auch der istrische Wein den aktuellen Modetrends. Neue Weinsorten tauchen auf, bewähren sich oder verschwinden wieder. Geschmacksrichtungen werden „entdeckt“ oder verfeinert, auch an Farbe und Duft wird experimentiert. Doch am Ende entscheidet der Weintrinker, was von Dauer ist und welche „Neuerscheinungen“ einfach wieder von der Getränkekarte verschwinden.
Es ist auch nicht leicht, Empfehlungen auszusprechen, da jeder Gaumen anders empfindet und die Geschmacksknospen zuweilen auch von unserer Tagesverfassung abhängig sind. Probieren Sie ganz einfach die Weine, die in der Umgebung Ihres Urlaubsquartiers angebaut und angeboten werden. Sind Sie dann fündig geworden, können Sie Ihre Entdeckungstour ausweiten und in andere Regionen von Istriens vordringen.
Wein ist natürlich immer Geschmackssache und schmeckt aus jedem Fass und jeder Flasche anders. Es kommt auch darauf an, welche Speisen Sie dazu wählen und zu welcher Tageszeit Sie die Tröpfchen verkosten. Wein ist eine Wissenschaft für sich, doch sollte man das Weintrinken nicht zu einer solchen machen. Genießen Sie die Sorten, die gut „zu Ihnen gehen“ und wundern Sie sich nicht, wenn am nächsten Tag alles ganz anders ist und Ihr Geschmack neue Wege beschreitet.

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