Entdecke Dalmatien Teil 29/35: Ston und Mali Ston

22 Februar 2017 AUTOR:

Ston und Mali Ston – zwei Kleinode auf der Halbinsel Peljesac

Ston
Trutzige Mauern inmitten üppig blühender Blumenteppiche sind der erste Eindruck, der sich den Besuchern dieser beiden wildromantischen Orte auf der Halbinsel Peljesac einprägt. In den heute so malerisch anmutenden Städtchen wurde schon zu antiken Zeiten Geschichte geschrieben. Die Bedeutung von Ston dauerte bis ins späte Mittelalter hinein an, dann fiel die Stadt in einen langen Dornröschenschlaf…

Die Halbinsel Peljesac bezaubert ihre Gäste mit wunderschönen landschaftlichen Kontrasten: schroffe karstige Hänge, beeindruckende Berge und saftiges Grün, das selbst an den bizarr zerklüfteten Felsen gut gedeiht. Dazu setzen die lieblichen bewaldeten Täler mit Feigen- und Olivenbäumen stimmungsvolle Kontrapunkte. Hier wächst ein vortrefflicher Wein, der nicht nur auf der Halbinsel hoch geschätzt und gern getrunken wird.
In diesem landschaftlichen Idyll liegen das Städtchen Ston und das Wehrdorf Mali Ston, die auf Blickweite gegenüber liegen könnten, würden sie nicht von einem gewaltigen Berghang getrennt.

Zwei Orte mit einer bewegten Vergangenheit

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Allein die kilometerlangen Befestigungsmauern von Ston, die sich den ganzen Berg entlang winden, lassen vermuten, dass diese Stadt einst eine bedeutende Rolle auf Peljesac gespielt hat. Erste Siedler ließen sich schon in der prähistorischen Stein- und Eisenzeit in der Umgebung von Ston nieder. Die Illyrer legten bereits Salinen an, während die später hinzukommenden Römer eifrig damit begannen, die umliegenden Berge zu besiedeln und zu befestigen.
Sie können kaum eine längere Wegstrecke im Gebiet um Ston herum zurücklegen, ohne auf die überaus geschichtsträchtigen Überreste und Relikte uralter Siedlungen zu stoßen. Auch die Ruinen einiger vorromanischer Kirchen sind heute noch vorhanden, darunter die gut erhaltene und restaurierte Kirche St. Michael, die auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges thront. Das Gotteshaus zählt zu den ältesten Kirchen im gesamten „Großraum“ von Dubrovnik. Die Legende behauptet, dass am Standort der Kirche einst ein Prinzenpalast des Fürstentums Zahumlje gestanden haben soll, da Ston eine der Hauptstädte dieses Herrschaftsgebiets war.
Während der Regierungszeit der Stadtrepublik Dubrovnik wurde Ston nach strengen geometrischen Vorgaben in der Form eines Fünfecks angelegt. Die Zacken des Sterns bildeten die Befestigungsmauern, die der Stadt als Schutz vor Angreifern diente. Nach Dubrovnik war Ston der wichtigste Ort der Stadtrepublik, was die Stadt den ertragreichen Salinen verdankte, denn das Salz war ein bedeutendes Handelsgut und brachte Stadt und Republik Wohlstand und Reichtum.
Der Untergang der Stadtrepublik Dubrovnik läutete auch das Ende von Ston ein. Niemand kümmerte sich noch um die mächtigen, allmählich verfallenden Befestigungsanlagen, die von der Bevölkerung der Stadt und ihrer Umgebung „geschleift“ wurden. Die Menschen brachen die wuchtigen Steinquader aus den Mauern und errichteten damit ihre Häuser.
Erst im frühen Jugoslawien wurden die alten Festungsmauern wieder aufgebaut, um im Krieg in den 1990er Jahren erneut beschädigt zu werden. Nun war es die Aufgabe des kroatischen Staats, die kilometerlangen Wälle zu restaurieren, die heute in neuer „alter“ Pracht die Orte Ston und Mali Ston bewachen.

Ston – Kirchen, Klöster und eine Festung

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Das Städtchen verzaubert seine Besucher mit seinem ganz speziellen, fast süditalienisch anmutenden Flair. Am schönsten wirkt Ston, das auch Veliki Ston genannt wird, wenn Sie es über die entzückende gotische Brücke, die zum Feldtor führt, betreten. Dann erblicken Sie zur Linken die mehrere Meter dicken Mauern der Festung Veliki Kastio, die im Jahr 1357 errichtet wurde. Die mit drei Türmen gekrönte Festungsanlage wird in Sachen Lebensalter von der altehrwürdigen St.-Blasius-Kathedrale um einige Jahre übertroffen. Die Fassade aus hellgelbem und ziegelrotem Marmor kontrastiert reizvoll mit den grauen Mauern des mächtigen Bollwerks. Sehenswert sind die ansprechenden kleinen Altäre im Inneren des Gotteshauses, die ebenfalls aus Marmor gearbeitet wurden.
Mit Ausnahme der prächtigen Fassade ist vom ursprünglichen Gebäude der Kirche nicht viel übriggeblieben. Drei Erdbeben, eines 1667 und das zweite im Jahr 1850 haben der Kathedrale stark zugesetzt, die dann beim dritten Beben 1996 nochmals erheblich beschädigt wurde. Die verfallene Kirche auf dem von Blumen und wucherndem Grün umrankten Platz erinnert ein wenig an das Schloss von Dornröschen; auch die übrige Stadt mit den von Orangenbäumen, Bougainvillea und anderen Kletterpflanzen bewachsenen Häusern könnte als Kulisse für dieses Märchen dienen.
Der Stadtplatz ist der unumstrittene Mittelpunkt von Ston. In den Cafés treffen sich Einwohner und Besucher gleichermaßen. Hier haben Sie einen vortrefflichen Blick auf den Rektorenpalast, vor dem ein hübscher Renaissancebrunnen munter plätschert. Schön anzusehen ist auch der Bischofspalast von 1572, der in einem Stilmix aus Gotik und Renaissance errichtet wurde und ebenfalls beim letzten Erdbeben zerstört wurde. Er präsentiert sich jedoch wieder in neuem Glanz.
Sehenswert ist auch das Franziskanerkloster, dessen Kirchturm die Dächer der Stadt weit überragt. Die Kirche birgt wertvolle Kostbarkeiten in ihrem Inneren, und der romantische im gotischen Stil gehaltene Säulenhof versetzt Sie für kurze Zeit in den Süden Italiens.

Mauern, Meer und eine frische Brise – Mali Ston

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Die Bezeichnung Wehrdorf passt haargenau auf diesen Ort, der von mächtigen Befestigungsmauern dominiert wird. Mali Ston liegt auf der anderen Seite des Bergs, was sich als segensreich erwies, denn das Dorf wurde von dem verheerenden Erdbeben von 1996 kaum beschädigt. Der Ort wird von den Festungsmauern trapezförmig umgeben, nur zum Meer hin ist Mali Ston offen. Hier steht ein kreisrunder Turm mit einem Tor, durch das Sie in die malerische Hafenbucht mit Restaurants und in der Dünung dümpelnden Fischerbooten gelangen. Auf Holzgestellen liegen die Austern zum Trocknen aus; sie sind übrigens eine Delikatesse des Dörfchens, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten.
Mali Ston war schon im Mittelalter die Sommerfrische von Ston. Hier weht stets eine frische Meeresbrise, was auch damals von den Rektoren und Bischöfen an der gegenüberliegenden Bergseite sehr geschätzt wurde. Die Prominenz von Ston verbrachte hier die heißen Sommermonate und genoss dabei den Blick aufs Meer. Auch die fangfrischen Fische und Meeresfrüchte dürften dabei eine bedeutende Rolle gespielt haben…
Wenn Sie den Berg erklimmen und sich die Festungen hoch über Mali Ston aus der Nähe betrachten, haben Sie zugleich einen grandiosen Ausblick hinunter auf das Dorf, die Bucht, das Küstengebirge und das Meer.

Wir bleiben noch eine gute Weile in Ston und Mali Ston, um Ihnen dann die eigentliche Attraktion dieser Region vorzustellen – die Festungen und ihre endlos scheinenden Bollwerke. Die Mauern und Wehranlagen sollen übrigens die längsten ihrer Art in ganz Europa sein.

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