Entdecke Dalmatien Teil 30/35: Festungsmauer Ston

1 März 2017 AUTOR:

Festungsmauer Ston – die längste Befestigungsanlage Europas

Defensive walls of Ston town, Peljesac Peninsula, Croatia
Bereits im 14. Jahrhundert errichtete die Stadtrepublik Dubrovnik die längste Steinmauer in Europa, die dann als „Stoner Mauer“ in aller Munde war. Aus strategischen Gründen und zum Schutz der kostbaren Salzgewinnungsanlagen schwangen sich die Menschen im Mittelalter zu dieser monumentalen baulichen Höchstleistung auf.

Die Stadtrepublik Dubrovnik scheute keine Mühe, ihr Einflussgebiet zu sichern und vor feindlichen Übergriffen zu schützen. Die Halbinsel Peljesac war ein Schwachpunkt auf der damaligen Landkarte, den es zu befestigen galt. Die beiden Orte Ston und Mali Ston, die an den jeweils gegenüberliegenden Seiten am Fuß des Berges Podzvizd liegen, wurden durch kilometerlange Mauern miteinander verbunden. Hoch über den beiden Orten thronen mächtige Festungen, die ebenfalls errichtet wurden, um Angreifer schon von weitem zu erspähen und gegen sie zum Angriff zu rüsten.

Mächtige Mauern für ein ausgeklügeltes Befestigungssystem

The Walls of Ston in Croatia
Akribische Planung und strenge geometrische Formen zeichneten auch die Baumeister des Mittelalters aus. Die Bedeutung von Ston war schon den Illyrern und Römern bekannt, die mit dem in den Salinen gewonnenen Salz lebhaften Handel trieben. Auch im Mittelalter war Salz ein beinahe so kostbares Handelsgut wie Gold. Nicht umsonst wurden Salzklumpen mit purem Gold aufgewogen. Die Stadtrepublik Dubrovnik erkannte die Notwendigkeit, die ältesten aktiven Salzgärten der Erde zu schützen und gleichzeitig die „Achillesferse“ ihres Reiches, die Halbinsel Peljesac, gegen Eindringlinge zu befestigen. So schlug man zwei Fliegen mit einer Klappe und errichtete eine rund fünf Kilometer lange Wehrmauer, die beide Orte umschließt und miteinander verbindet, über den Berg führt und von insgesamt drei Festungen bewacht wird.
Allein die Festungsmauer, die um die Stadt Ston führt, ist 980 Meter lang und in der Form eines fünfzackigen Sterns erbaut. Ston wurde in einem Raster von 3 x 3 Straßen erbaut, in dessen 16 Feldern jeweils 10 Häuser errichtet werden sollten. Dieser Plan wurde nie vollendet, so dass Sie heute noch die Baulücken erkennen können, die eigentlich mit mittelalterlichen Gebäuden „gefüllt“ sein müssten. Der Grund für den Stillstand der Bautätigkeit war der Niedergang der Stadtrepublik, der auch das Ende der Orte Ston und Mali Ston einläutete. Die Befestigungsmauern wurden nicht mehr unterhalten und gewartet; sie verfielen, und die gewaltigen Steinquader wurden von den Bewohnern der Orte aus den Mauern gebrochen und für den eigenen Hausbau genutzt. Auf diese Weise hat sich die Festungsmauer in den Häusern von Ston und Mali Ston „verewigt“ und sich damit dem drohenden Verfall entzogen und ihren Fortbestand gesichert. Leider fielen viele Gebäude von Ston den Erdbeben der Jahre 1667 und 1850 zum Opfer. Besonders verheerend erwies sich das Beben von 1996, dem kaum ein Haus standhalten konnte.
Einen zusätzlichen Schutz erhielt Ston durch die Festung Veliki Kastio, die von fünf Meter dicken Wehrmauern umgeben wird. Ein rechteckiges Gebäude und drei Türme bilden das Ensemble dieser Befestigungsanlage aus dem Jahr 1357. Neben der Festung liegt das Franziskanerkloster, dessen Kirchturm alle Dächer der Stadt überragt und geradezu in den Himmel zu stürmen scheint. Die gleich hinter der Festung gelegene St.-Blasius-Kathedrale ist das älteste Gotteshaus und sogar noch älter als die Festung selbst.
Es ist nicht allein der imposante Anblick, den die Befestigungsmauer den Besuchern von Ston als Attraktion bietet. Ein ganz besonderes Erlebnis stellt ein Spaziergang hoch oben auf der Mauer selbst dar, die ganzjährig begehbar ist. Sie können einen mehr als zwei Kilometer langen Stadtbummel oberhalb der Straßen und Häuser genießen und dabei nach unten schauen und das Panorama von Ston aus einer erhöhten Perspektive auf sich wirken lassen. Bei diesem Gang auf der Mauer erkennen Sie sehr gut das rasterförmige Stadtbild und haben einen schönen Blick auf die Salinen etwas außerhalb der Stadt.

Ein Wehrdorf mit Festung und Zinnen – Mali Ston

Mali Ston harbor on Peljesac peninsula
Die Festungsmauer umschließt nicht nur die Stadt Ston, sondern „hüllt“ auch das auf der gegenüberliegenden Bergseite gelegene Dorf Mali Ston trapezförmig ein. Nur zum Meer hin sind die Mauern offen. Im Hafen und vor den Wehrmauern treffen sich am Abend die Dorfbewohner, um den Tag bei einem Plausch und einem Gläschen Wein ausklingen zu lassen.
Dieser Ort wird von der Festung Koruna bewacht, die alle Häuser mühelos überragt und selbst als Ruine noch wie eine überdimensionale Krone aussieht. Damit nicht genug erhebt sich hoch auf dem Berg noch eine dritte Befestigungsanlage, die Festung Podzvizdi. Wenn Sie den Aufstieg zur Festung nicht scheuen, werden Sie mit einem grandiosen Ausblick belohnt.
Versäumen Sie nicht, die romantische kleine Kirche in der Festung zu besuchen, die sogar noch über ihre Glockenloggia verfügt. Sie können auf die Wehrmauern hinaufsteigen und einen Blick in die Türme werfen, die jedoch nicht betreten werden können. Hier liegt Ihnen das Panorama von Mali Ston, dem hier auslaufenden Peljesac-Kanal und natürlich der Adria quasi zu Füßen. Von diesem Standort aus können Sie auch die Kronenform der Festungsruine im Dorf besonders gut erkennen.
Im Gegensatz zu Ston blieb das Dorf Mali Ston von dem zerstörerischen Erdbeben des Jahres 1996 weitgehend verschont, so dass viele Gebäude in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten sind.
Das beinahe noch unberührte mittelalterliche Ortsbild lockte auch Filmemacher nach Mali Ston. So entstanden einige Historienfilme vor der malerischen Kulisse der Festung sowie der Häuser und Gassen des Wehrdorfs. 1988 wurde hier der Monumentalfilm „Cesira – eine Frau besiegt den Krieg“ mit Sophia Loren in der Hauptrolle gedreht, dessen Handlung auf dem Roman von Alberto Moravia basiert.

Das Reizvolle an den Festungsmauern von Ston ist ihre beinahe allgegenwärtige Präsenz in diesem Bereich der Halbinsel Peljesac. Sie müssen sich nicht ausschließlich in Ston oder Mali Ston aufhalten, um in den Genuss des Anblicks der längsten Befestigungsanlage Europas zu kommen.
So ist beispielsweise der kleine Badeort Hodilje, der nördlich von Ston liegt, ein perfekter „Beobachtungsposten“ der Mauer und der Festung von Mali Ston. Ein weiterer Vorzug des Dörfchens sind seine schönen Badeplätzchen, die Sie auf Kiesstränden, Landzungen und kleinen vorgelagerten Inseln finden. Dazu den Anblick der Wehrmauer – was will man mehr?

Lassen Sie die einzigartige Atmosphäre dieser mittelalterlichen Mauern auf sich wirken, bevor wir das Festland, respektive die Halbinsel verlassen. Wir zeigen Ihnen eine kleine Inselgruppe, die völlig unbewohnt ist, zumindest was menschliche Siedler anbelangt. Dafür konnte sich die Natur dort ungestört ausbreiten, und so erwartet Sie ein kleines insulares Paradies in der Adria.

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