Entdecke das Landesinnere Teil 5/11: Naturpark Kopacki Rit

29 November 2017 AUTOR:

Naturpark Kopacki Rit – urwüchsiges Sumpfgebiet mit artenreichem Leben

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In der Region Slawonien, ganz nahe an Ungarn liegt ein einzigartiges Naturreservat, in dessen Gewässern, Sümpfen und Schilfgebieten es vor „wilden“ Bewohnern geradezu wimmelt. Fische, Vögel, Schlangen und Säugetiere fühlen sich in dieser Wasserlandschaft ausgesprochen wohl, was beispielsweise am überall präsenten Vogelgezwitscher und dem Gequake der Frösche im Frühjahr deutlich zu hören ist.

Dieses Sumpfgebiet an der Mündung der Drau ist reich an Lebewesen der verschiedensten Arten und daneben auch eine ergiebige Brutstätte von zahlreichen Geschichten und Legenden. Hier können Sie erleben, wie großartig die Natur sein kann, wenn man sie sich selbst überlässt und ihr mit gebührendem Respekt und Hochachtung begegnet.

Sümpfe – ein faszinierender Lebensraum

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Der etwa 23.000 Hektar große Naturpark besteht überwiegend aus Sumpfflächen, die von diversen Flussarmen und Kanälen sowie zwei Seen mit Wasser gespeist werden. Wo die Drau in die Donau mündet, verästelt sich der in Kroatien Drava genannte Fluss in viele kleine Läufe, die zusammen mit dem hohen Schilf und den Riedgräsern eines der bedeutendsten Sumpfgebiete Europas bilden. Das Naturreservat Kopacki Rit wird gern auch als das Amazonasgebiet Europas bezeichnet. Auf jeden Fall ist es ein ebenso großartiges wie landschaftlich reizvolles Feuchtgebiet, das zahlreichen Tier- und Pflanzenarten optimale Lebensbedingungen bietet.
Ganz nebenbei sind auch die Freizeitmöglichkeiten derart abwechslungsreich, dass so mancher Naturfreund immer wieder in diese Sümpfe zurückkehrt, um sich an allem zu erfreuen, was hier fleucht, kreucht, schwimmt und schlängelt. Und das ist eine ganze Menge.
Mehr als 280 Vogelarten nisten und brüten hier oder nutzen den Naturpark für eine mehrtägige Rast auf ihren langen Flügen im Frühjahr und Herbst. Wildgänse stellen sich ebenso ein wie Störche und Graureiher. Es wimmelt von Enten, Kormoranen und Haubentauchern. Mächtige Seeadler ziehen majestätische Kreise hoch über den Seen, während sich die tiefblauen Eisvögel kopfüber in die fischreichen Fluten stürzen.
Unter der Wasseroberfläche tummeln sich etwa 40 Fischarten, die sich in den Seen und Flussläufen so gut vermehren, dass trotz der unersättlichen Kormorane und anderer fischfressender Vögel der Tisch stets reichlich gedeckt ist. Auch für Angler bleibt genügend übrig, die hier tagaus tagein an den Ufern der Gewässer sitzen und stoisch die Angeln ins Wasser halten, bis Barsche, Welse, Schleie, Zander oder gar Hechte anbeißen.
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Neben dem ganzjährig erklingenden Vogelgezwitscher mischt sich im Frühling noch ein anderer „Gesang“ in das Klangbild des Kopacki Rit: Millionen von Fröschen treffen sich hier während der Paarungszeit und machen einen Höllenlärm, der abrupt wieder verstummt, wenn das Laichgeschäft erledigt ist.
Auch wenn Sie diese Geschöpfe kaum zu sehen bekommen, sind sie dennoch vorhanden. Fünf Arten von Wasserschlangen bevölkern das Sumpfgebiet, jedoch halten sich diese Geschöpfe diskret im Gras und Schilf versteckt. Die Auenwälder entlang der Flüsse bieten Rotwild, Wildschweinen, Dachsen, Ottern und Wildkatzen Unterschlupf. Mehrere Biberfamilien haben sich in den Seen angesiedelt und ihre markanten Burgen gebaut.
Auch die Pflanzenwelt ist mit mehr als 150 Arten vertreten, von denen einige nur im Naturpark Kopacki Rit vorkommen und nirgendwo sonst auf der Welt.
Obwohl diese Spezies nicht unbedingt zu den beliebtesten zählt, sei sie ebenfalls erwähnt. In diesem Sumpfgebiet sind 21 Moskitoarten heimisch, die munter in der Luft und knapp über der Wasseroberfläche herumschwirren. Es kann also nicht schaden, den Naturpark mit einem großen Vorrat an Insektenschutzmitteln zu besuchen…

Romantische Gemäuer und vielseitige Betätigungsmöglichkeiten – von Attraktionen und Aktivitäten im Naturpark

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Eigentlich bedarf es keiner Gebrauchsanweisung für einen Naturpark, folglich auch nicht für das Sumpfreservat Kopacki Rit. Doch einige wenige Hinweise, wie Sie Ihre Zeit in diesem Naturparadies besonders unvergesslich verbringen können, seien hier gestattet.
So müssen Sie kein Ornithologe oder passionierter Vogelfreund sein, um sich für eine geführte Vogelbeobachtung im Naturpark zu entscheiden. Sie können natürlich auf eigene Faust starten und mit einem Feldstecher, den Sie ausleihen können, auf „Vogeljagd“ gehen. Empfehlenswert ist jedoch eine Führung in Gruppen bis maximal 15 Personen, die Ihnen in etwa sechs Stunden die Vogelwelt des Feuchtgebietes sehr nahe bringt. Sie erkunden dabei den Naturpark zu Fuß oder in einem Boot und werden auf gefiederte Highlights wie beispielsweise Seeadler aufmerksam gemacht, deren Anblick Ihr Herz höher schlagen lässt.
Mieten Sie sich ein Fahrrad und erkunden Sie damit den Naturpark nach Lust und Laune. Im Besucherzentrum von Kopacki Rit erhalten Sie Landkarten und Routenpläne, die Sie sicher durch den Park bringen – und selbstverständlich wieder zum Ausgangspunkt zurück.
Auch eine Wanderung kreuz und quer durch das Naturreservat bringt Ihnen die Schönheit dieses Fleckchens Erde besonders nahe. Auf Lehrpfaden mit allerlei nützlichen und interessanten Hinweisen zur Tier- und Pflanzenwelt können Sie diese einzigartige Welt der Sümpfe auf entspannte Weise kennenlernen.

Wandern Sie zum Schloss Tikves, das im 19. Jahrhundert im Norden des Sumpfgebiets erbaut wurde. Das einstige Jagdschloss war nicht nur bei den Habsburgern ein beliebtes Domizil, um der Jagdleidenschaft zu frönen. Auch Tito residierte gerne hier und ging in den Wäldern und Sümpfen ausgiebig auf die Pirsch.

Dann gibt es noch eine Brücke, die von Sultan Süleyman im Jahr 1566 in Auftrag gegeben wurde, damit sein türkisches Heer schneller und wohl auch trockener nach Österreich gelangen konnte, um endlich die Stadt Wien einzunehmen. Die nach ihrem Erbauer Süleyman genannte Brücke besteht aus Holz und ist etwa acht Kilometer lang. Die lange Zeit als Weltwunder bezeichnete Brücke ist eines der bedeutendsten Bauwerke türkischer Herkunft im östlichen Europa.

Auch die beiden Dörfchen Suza und Zmajevac sind schöne Besichtigungsziele und liegen an den sogenannten Weinstraßen, die „Surduci“ genannt werden. Die Weinkeller der Häuser sind ähnlich wie im österreichischen Weinviertel in die Hänge gegraben und liegen aneinander gereiht entlang der Straßen. Bis zu 200 Jahre sind die in den Hügeln eingebetteten Weinkeller alt; sie gelten als Besonderheit in dieser Region.

Der Naturpark Kopacki Rit ist mit seinen Seen, Kanälen, Sümpfen sowie den Auen- und Weichholzwäldern ein kleiner Kosmos, in dem das Leben seiner tierischen und pflanzlichen Bewohner nach eigenen Regeln funktioniert. Obwohl sich auch Menschen zum Staunen, Fischen und Beobachten einfinden, bleiben sie eben nur Gäste, die wieder gehen, wenn die Zeit dazu gekommen ist. Ein guter Zustand, der die selten satten Kormorane zu einem Schläfchen auf den Bäumen verleitet, während die Biber nach dem letzten Touristenboot die erforderlichen Ausbesserungsarbeiten an ihren Burgen vornehmen. Eine kleine heile Welt, deren Eindrücke man beglückt mit nach Hause nimmt.

Weitere Infos zum Park erhaltet Ihr hier.

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