Entdecke die kroatischen Inseln Teil 10/28: Kulturelles Erbe auf Pag

14 Juni 2017 AUTOR:

Kulturelles Erbe auf Pag – filigrane Spitze, feurige Tänze und festliche Trachten

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Traditionen und altes Brauchtum werden auf Pag liebevoll gehegt und gepflegt. Zu den alten Kulturschätzen der Insel zählen feinste Nadelarbeiten, die zarte Spitzen und kunstvoll gearbeitete Volkstrachten hervorbringen. Aber auch schwungvolle Tänze, die ihren Ursprung in der bewegten Vergangenheit der Insel haben, werden heute noch geübt und bei vielen Festlichkeiten aufgeführt.

Es ist erstaunlich, wie sich manche Bräuche über Jahrhunderte hinweg behaupten und im Leben der Bewohner in Stadt und Land weiterhin gepflegt und von einer Generation an die nächste überliefert werden. Auf Pag können Sie sich von der Kunstfertigkeit alter Handwerkskunst und Folklore bezaubern lassen, vorausgesetzt, Sie sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort…

Zart, hauchdünn und wie von Geisterhand gewoben – Pager Spitze

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Diese filigranen Handarbeiten erfordern meisterliches Können, dem Sie mit etwas Glück sogar zuschauen können. Doch vorab ein wenig über die Geschichte der feinen Spitze.
Laut der uralten Überlieferungen sollen die Ursprünge dieser Handwerkskunst im antiken Mykene wurzeln. Absolut sicher ist jedoch, dass dieses Kunsthandwerk seit dem Ende des 15. Jahrhunderts in der Stadt Pag beheimatet ist. Anfangs wurden die Spitzen ausschließlich für die Gewänder der gehobenen Geistlichkeit angefertigt. Die ersten Künstlerinnen waren Nonnen des Benediktinerkloster St. Margarita. Sie errichteten auch die erste Schule für das Nähen und Häkeln der Spitze. Die delikaten Handarbeiten blieben nicht lange dem Schmuck kirchlicher Würdenträger vorbehalten. Schon die österreichische Kaiserin Maria Theresia beorderte Frauen aus Pag an ihren Wiener Hof, wo sie nur für die Monarchin Spitzen anfertigten.
Allmählich waren Pager Spitzen nicht nur an Kleidung zu sehen, sie zierten auch Kissen, Bettwäsche, Vorhänge, Tischwäsche und was sich sonst noch damit verschönern ließ. Der Ruhm der Reticella-Spitze, die kurz Cipka genannt wird, startete ihren Siegeszug um die Welt, denn jeder, der es sich leisten konnte, wollte sich damit schmücken. Bis 1945 gab es in Pag eine Schule, die 1994 eine „Wiederbelebung“ erfuhr, so dass dieses traditionsreiche Kunsthandwerk bis heute gelehrt wird.
Früher war es an der Tagesordnung, dass die Frauen vor ihren Häusern saßen und eifrig an der Spitze nähten, häkelten oder klöppelten. Auch heute können Sie in den Straßen von Pag noch einigen Spitzenkünstlerinnen über die Schulter schauen und sich ein handgefertigtes Unikat als Souvenir mit nach Hause nehmen.
Im Kloster der Benediktinerinnen gibt es eine interessante Ausstellung zur Pager Spitze mit etwa 150 Exponaten aus den Anfängen der Spitzennäherei bis in die Gegenwart.

Hand in Hand im Kreis herum – der Tanz von Pag

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Zwar ist der Pager Kreistanz nicht ganz so alt wie die Spitze, doch ist dieses folkloristische Brauchtum nicht mehr aus der Stadt wegzudenken. So, wie der „Tanac“ heute noch aufgeführt wird, ist der Tanz etwa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. Die Anfänge lassen sich jedoch bis ins 15. und 16. Jahrhundert zurückverfolgen, als die Türken eine große Völkerwanderung in Kroatien in Gang brachten. Damals flohen viele Menschen vor den heranrückenden Osmanen und brachten ihre eigenen Sitten und Bräuche mit, die sich allmählich mit denen der ursprünglichen Bevölkerung mischten. So erklären sich auch die für diesen Teil des Landes ungewöhnlichen Tanzschritte und Bewegungen, die im Pager Kreistanz einzigartig sind.
Beim Tanac geht es um das ewige Thema der Anziehung zwischen Mann und Frau. Früher standen sich junge Männer und Frauen gegenüber und versuchten zuerst mit Klatschen und leichten Hüftbewegungen die Aufmerksamkeit des jeweils anderen Geschlechts auf sich zu ziehen. Die in der Pager Volkstracht gewandeten Tänzer, die heute übrigens in allen Altersklassen beheimatet sind, fassen sich dann an den Händen und tanzen in Kreisbewegungen durch die Stadt.
Begleitet wird dieser Tanz von einem ungewöhnlichen Blasinstrument, das Misnice genannt wird. Es wird aus gegerbtem Ziegen- oder Schafsfell gefertigt und ähnelt in Form und „Geräuschbildung“ einem schottischen Dudelsack. Aber auch Blechblasinstrumenten ist es gestattet, den Tanac musikalisch zu begleiten…
Während der Kreistanz einst Kulturgut vieler Pager Bürger war, wird er heute vom Kunst- und Kulturverein des Inselhauptortes am Leben erhalten, dessen Mitglieder den Tanac im Karneval und zu vielen Veranstaltungen im Sommer tanzen. Der Tanz von Pag wird von rund 40 prächtig gewandeten Paaren aufgeführt, was immer wieder ein Hochgenuss für die Zuschauer darstellt, gleichgültig ob es sich um die Bewohner der Insel oder um neugierige Touristen handelt.

Leinen, Spitze und güldenes Geschmeide – die Volkstracht von Pag

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Ebenso wie die edle Spitze wird auch die Pager Volkstracht seit vielen Jahrhunderten noch immer so genäht, wie es die Vorfahren einst begonnen haben. In vielen Familien des Inselhauptorts wurden die kostbaren Kleidungsstücke an nachkommende Generationen vererbt und hoch in Ehren gehalten.
Ursprünglich kam die Tracht aus Venedig, das damals vieles im Leben seiner „Vasallenländer“ bestimmt und geprägt hat. Die Männertracht ist eher schlicht und in den Farben Schwarz und Weiß gehalten und erhält mit intensivem Rot einen leuchtenden Akzent. Zu einem weißen Leinenhemd und einer ebensolchen Hose tragen die Männer eine schwarze Stoffjacke. Ein Seidentuch in Rot und anderen kräftigen Farben um die Taille sowie ein rotes Käppchen vervollständigen das festliche Outfit der Männer von Pag.
Bei den Frauen sieht die Volkstracht naturgemäß etwas anders aus, denn sie präsentieren sich mit leuchtend bunten Röcken und ungewöhnlich prächtigem Kopfputz. Die dreiteilige Tracht besteht aus Bluse, Rock und Schürze. Die Leinenbluse ist vom Ausschnitt bis zur Taille mit kostbarer Pager Spitze besetzt. Der in Grün, Braun, Rot oder Gelb leuchtende Rock wird aus handgefertigtem Leinen genäht. Darüber binden die Frauen eine ebenso farbenfrohe Seidenschürze, die das gesamte Vorderteil des Rocks bedeckt. Komplettiert wird die Tracht von einer kurzen, meist schwarzen Jacke mit langen Ärmeln.
Auf dem Kopf thront das Prunkstück der Tracht – das Kopftuch. Es wird aus Baumwolle gefertigt und ist hauchdünn, dafür umso kräftiger gestärkt. Den Saum des Kopftuchs zieren üppige Borten der feinen Pager Spitze. Auch Schmuck darf bei dieser aufwändigen Tracht nicht fehlen. Das Kopftuch wird mit filigranen Stecknadeln aus Gold im Haar befestigt, um der Pracht Halt und Stütze zu geben. Ketten aus feinen Gold- oder Silberkugeln schmücken den Hals der Frauen, während die kunstvollen Ohrringe mit drei birnenförmigen oder runden Anhängern bei jeder Bewegung ihrer Trägerin blitzen und funkeln.

Nun haben Sie noch viele weitere Gründe, um auf Pag zu verweilen. Lassen Sie diese Schätze der Volkskunst in Ruhe auf sich wirken, denn wir bleiben auf der Insel, um kräftig zu feiern…

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