Entdecke die kroatischen Inseln Teil 6/28: Beli

18 Mai 2017 AUTOR:

Beli – ein Geheimtipp auf der Insel Cres

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Die Fluchtburgsiedlung aus antiken Zeiten war einst einer der wichtigsten Orte auf Cres. Bis heute hat sich Beli sein wildromantisches Flair bewahrt und ist längst zum Insidertipp für Urlauber geworden, die diese raue Insellandschaft mit ihrer großartigen Natur und der Abgeschiedenheit von lebhaften Touristenpfaden zu schätzen wissen.

Wenn Sie in Porozina die Fähre verlassen, erwartet Sie Cres von seiner kargen und von heftigen Winden gezeichneten Seite: Kaum ein Baum kann dem Sturm auf der Westseite der Insel trotzen, lediglich Macchia duckt sich vor der tobenden Bora und hält sich zäh im karstigen Erdreich fest. Fahren Sie aber einmal quer über die Insel zum im Osten gelegenen Ort Beli, sieht die Welt ganz anders aus.

Wäldchen, Berge und ein Ort in luftiger Höhe – Beli und seine Umgebung

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Schon der Name, den die Römer dem 130 Meter über dem Meer erbauten Ort gegeben haben, macht deutlich, wie wichtig „Caput insulae“ damals war. Der „Kopf der Insel“ lag direkt an der Bernsteinstraße und war einer der bedeutendsten Orte der Insel. Um die antike Fluchtburg entwickelte sich die bis heute in ihrer ursprünglichen Form existierende Siedlung, die von oben betrachtet einem großen Kegel ähnelt. Eine gut erhaltene römische Brücke überspannt das etwa zwölf Meter breite Tal, das dem Ort zusätzlichen Schutz bot.
Gönnen Sie sich das Vergnügen und kommen Sie zu Fuß über die Brücke nach Beli. Sie werden von dem kleinen Friedhof mit der gotischen Kirche aus dem 15. Jahrhundert und einigen Granatapfelbäumen empfangen, was allein schon ein perfekt komponiertes Landschaftsbild darstellt. Nach wenigen Schritten erreichen Sie die örtliche Schänke mit den davor sitzenden Bewohnern, meist Männer, die hier tagein tagaus die vorüberkommenden Touristen betrachten. Schmale Gassen mit engen Treppchen und ein kleiner Platz, auf dem ein alter Maulbeerbaum die Hauptrolle spielt, runden das stimmungsvolle Ambiente des alten Orts ab.
Auf der höchsten Stelle von Beli thront die im 18. Jahrhundert erbaute Kirche, die auf den Fundamenten eines romanischen Gotteshauses errichtet wurde. Der Innenraum birgt die Fragmente einer uralten aus Flechtwerk geschaffenen Skulptur und einige Inschriften in glagolitischer Sprache.
Obwohl die klimatischen Bedingungen auf Cres keine besonders üppige Vegetation zulassen, ist es den Bewohnern von Beli gelungen, dem kargen Boden einiges abzuringen. Die in Terrassen angelegten steinigen Beete sind nicht einfach zu bestellen, dennoch wächst darin alles, was zu den Vorstellungen eines mediterranen Gartens gehört: Oliven, Feigen, Wein, Obstbäume und Gemüse gedeihen entlang des Hangs, auf dem die Stadt erbaut wurde.
Eine steile Straße führt direkt hinunter zum Hafen, dessen Becken von steinernen Bootshütten gesäumt wird. Feiner Kies bedeckt den Hauptstand von Beli, auf dem bunte Sonnenschirme von oben betrachtet wie zufällig hingepinselte Farbtupfer aussehen. Wenn Sie jedoch ganz in Ruhe baden möchten, folgen Sie einfach dem schmalen Pfad, der Sie zu einsamen kleinen Kiesbuchten führt.

In der herrlichen Natur der Tramuntana können Sie nach Herzenslust wandern und dabei noch allerlei lernen. Mehrere Wander-Lehrwege führen rund um den Ort herum und hinauf in die Berge. Auch eine Wanderung entlang der Küste ist sehr zu empfehlen, zumal hier immer wieder erfrischende Pausen im Meer und am Strand „winken“. Ob kurze Wanderung oder ausgedehnte Touren – hier findet jeder Naturfreund einen Weg nach seinem Geschmack.

Gänsegeier – die etwas anderen Bewohner von Beli

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Im Städtchen selbst werden Sie die Flugkünstler nicht zu Gesicht bekommen. Dafür können Sie mit etwas Glück auf Ihren Wanderungen die hoch am Himmel kreisenden Vögel sehen, die in den Felswänden nisten und hier ihre Jungen aufziehen.
Ein Gänsegeier ist kaum zu übersehen: Mit seiner Spannweite von 2,80 Metern und beeindruckenden 15 Kilo Gewicht zählt er zu den größten Vertretern der gefiederten Spezies weltweit. Wenn er so richtig in Schwung ist, bringt es der Gänsegeier durchaus auf eine Geschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde. Seine Adleraugen erlauben ihm sechs Kilometer tief und 12 Kilometer weit zu schauen und auf diese Entfernungen noch Beute zu erspähen.
Die beeindruckenden Vögel finden auf der Insel Cres und insbesondere in der Tramuntana um Beli ideale Lebensbedingungen, so dass mittlerweile um die 70 Paare hier auf den steil ins Meer abfallenden Klippen ihre Nester bauen und pro Jahr einen Jungvogel großziehen. Der kleine Geier bleibt vier Monate lang im sicheren Horst und wird von seinen Eltern gefüttert. Danach beginnt der etwa einen bis zwei Monate währende Flugunterricht, der auch das Suchen nach Nahrung beinhaltet. Nach dieser Ausbildung sind die Jungvögel fit genug, um die lange Reise nach Afrika anzutreten, wo sie etwa fünf Jahre bis zu ihrer Geschlechtsreife verbringen.
Dann ist es Zeit, sich einen Lebenspartner zu suchen und mit ihm zusammen den weiten Flug zurück nach Cres zu wagen. Dort angekommen, nisten die Paare oft auf dem gleichen Felsen, wo sie selbst aufgewachsen sind. Sie bauen einen Horst, legen ein Ei und der Kreislauf beginnt von neuem…
Das Umweltschutzzentrum „Ego-centar Caput Insulae“ in Beli hat sich ganz dem Schutz und der Pflege dieser großartigen Vögel gewidmet, die bis zu 60 Jahre alt werden können. Die Mitarbeiter dieser nichtstaatlichen Organisation registrieren die Gänsegeier und auch Weißkopfadler seit 1993. Im Rehabilitationsgehege des Ego-centar werden verletzte Vögel und Jungtiere, die bei ihren ersten Flugversuchen ins Meer gestürzt sind, versorgt und aufgepäppelt.
Die streng unter Naturschutz stehenden Gänsegeier leisten einen wichtigen Beitrag für das funktionierende Ökosystem der Insel. Die Aasfresser beseitigen die Kadaver von toten Schafen, Hasen und Füchsen, von denen sich die Vögel ausschließlich ernähren.
Das Gebäude der Umweltschutzorganisation beheimatet auch ein Museum, das seinen Besuchern interessante Einblicke in die Geschichte des Ortes sowie der Tramuntana gewährt. Auch über die Tier- und Pflanzenwelt dieser Region erfährt man allerlei Wissenswertes. Von hier aus beginnen auch die bereits erwähnten Wander-Lehrwege, die außer der wildromantischen Natur auch noch moderne Skulpturen zu bieten haben. Natur und Kunst in harmonischem Miteinander machen die Touren rund um Beli zu einem Wandererlebnis der etwas besonderen Art.

Verweilen Sie noch einige Zeit in der Abgeschiedenheit des alten Städtchens hoch oben über dem Meer und genießen Sie die Eindrücke, die dieser bezaubernde Ort und die beinahe unberührte Natur mit ihren wilden Bewohnern Ihnen zu Füßen legen.
Unser nächstes Ziel führt uns in die turbulente Atmosphäre eines Vergnügungsparks, wo Sie das Element Wasser von seiner unterhaltsamen, vergnüglichen und erlebnisreichen Seite kennenlernen werden.

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