Ganz großes Kino in Kroatien – Winnetou & Co.

8 Mai 2019 AUTOR:

Winnetou & Co. an der Adria – Karl-May-Drehorte vor atemberaubenden Naturkulissen

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Der Wilde Westen liegt in Kroatien. Weshalb sonst wären die Helden von Karl May an der Adria unterwegs gewesen, um in unvergesslichen Filmen über die Leinwand zu reiten – in kultiger Form seit den 1960er Jahren, und ein wenig moderner Ende Dezember 2016.

Sie gehören einfach zu unserem kulturellen Leben dazu und sind ein Teil unserer Kindheit, Jugend und des reiferen Erwachsenseins geworden. Die in der Zeit von 1962 bis 1968 gedrehten Karl-May-Filme haben längst Kultstatus. Wir kennen sie in- und auswendig, sogar die zu Ohrwürmern mutierte Filmmusik ist uns so gut bekannt, dass wir sie mitträllern können.
Die kroatische Landschaft mit ihren schrundigen Karstgebirgen, den einzigartigen Wasserfällen und Seen, den schwindelerregenden Schluchten sowie die endlosen „Prärien“ sind wie dafür geschaffen, als Kulissen für die Abenteuerfilme zu posieren. Es ist beinahe so, als wäre Karl May persönlich durch Kroatien gereist, um die Drehorte für seine selbst im Tod noch unsterblichen Helden auszuwählen. Dabei ist sicher, dass der großartige Schriftsteller dieses Land niemals betreten hat.

Von Schluchten, Seen und Nationalparks – Winnetou in elf Variationen

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Auch wenn Sie es nicht glauben mögen, es sind tatsächlich elf Filme, die in den 1960er Jahren um Winnetou und seine Gefährten gedreht wurden. Allein der edle Häuptling der Apachen reitet in drei Teilen durchs wilde Kroatien. Nach seinem Blutsbruder Old Shatterhand wurde ebenfalls ein Film benannt, auch Old Surehand taucht in einem Filmtitel auf. Dann gibt es die große Suche nach dem Schatz im Silbersee, und der Ölprinz geht seinen obskuren Geschäften in den weitläufigen Gefilden des Nationalparks Krka nach. Doch jetzt schön der Reihe nach.
Wir beginnen mit dem Nationalpark Krka, wo gleich mehrere Filme gedreht wurden. Allen voran „Winnetou I“ sowie „Old Shatterhand“, „Der Ölprinz“, „Unter Geiern“ und „Winnetou und Old Shatterhand im Tal der Toten“. Großartige Szenen sind hier entstanden, in denen die Schauspieler ungefährdet an den Ufern der Krka und sogar im Fluss agieren konnten. Denn damals wurde der ungebärdige Strom noch durch ein Wasserkraftwerk geleitet, was ihn gleich sehr viel ruhiger und gemächlicher über die Stufen und Terrassen seines Flussbetts fließen ließ. Mittlerweile ist das Wasserkraftwerk stillgelegt, und die Krka tobt wieder genauso ungestüm durch ihr Bett wie zuvor.
Auch im Nationalpark Paklenica entstanden viele Filmszenen vor imposanter Naturkulisse. Die Velika-Paklenica-Schlucht dürfte mit insgesamt zehn Schauplätzen das am meisten strapazierte Motiv gewesen sein. Dieser Nationalpark macht es Ihnen übrigens leicht, ebenfalls in Karl-May-Manier zu posieren, da die Drehorte ausgeschildet sind und Sie sich dann selbst perfekt in Szene setzen können.
Und weil wir gerade bei den Nationalparks sind, dürfen die Plitvicer Seen natürlich nicht fehlen. Die hier gedrehten Einstellungen sind ebenso traumhaft wie unvergesslich: Wo sonst könnte der Silbersee liegen als in diesem Nationalpark? Gehen Sie zum Kaluderovac jezero und suchen Sie nach dem Silberschatz, der ganz in der Nähe in der Supljara pecina versteckt wurde. Doch werden Sie in dieser Höhle vergeblich nach den vielen Tonnen Silber Ausschau halten, aber ein Abenteuer ist es allemal wert.

Tosendes Wasser und spektakuläre Schluchten – noch mehr entfesselte Natur für den Gänsehauteffekt

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Wie aufregend und kribbelnd die kroatische Landschaft sein kann, erfahren Sie beispielsweise im „Hinterland“ von Split, wo die Cetina ihre wilden Kapriolen schlägt, bis sich der Fluss schließlich bei Omis relativ brav in die Adria ergießt. Auf ihrem mehr als 100 Kilometer langen Verlauf von der Quelle bis zur Mündung zeigt sich die Cetina nicht nur ungestüm, sondern teilweise derart wild und tosend, dass dieser Fluss die perfekte Naturkulisse für Szenen mit Gänsehautgarantie darstellt.
Zu einem reißenden Fluss gehört selbstverständlich eine tiefe Schlucht sowie zwei Wasserfälle, die das ganze Spektakel noch atemberaubender ins Kino bringen. Das wussten auch die Macher der Karl-May-Filme, die sich für den „Ölprinz“ zur Schlucht der Cetina begaben, um dort ein aus Holzstämmen gezimmertes Floß flussabwärts sausen zu lassen. Wer die Szene kennt, weiß, dass man jeden Moment damit rechnet, das recht ungehobelte Wassergefährt in den tosenden Fluten versinken zu sehen. Doch weit gefehlt, es kam zwar nass, doch unversehrt durch die Stromschnellen und an sein Ziel…
Der Canyon der Cetina durfte auch in „Winnetou II“, „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ und dem ersten Teil von „Old Surehand“ mitspielen. Besuchen Sie die Gegend von Radmanove mlinice und suchen Sie nach dem Felsplateau, wo das Pueblo der Utah stand. Auch die Höhle, in der Apanatschi mit ihrem Volk einst Zuflucht vor dem Bösewicht suchte, liegt in dieser Region. Nur nach dem eigens für den Film geschaffenen Zugang zur Höhle werden Sie vergeblich Ausschau halten. Er wurde von der Natur im Laufe der Jahrzehnte überwuchert und dadurch unerreichbar gemacht.

Neue Filme, altbewährte Drehorte – Winnetou im neuen Jahrtausend

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Wir verlassen die heldenhaften 1960er Jahre und kommen im aktuellen Jahrtausend an, wohin es sogar Winnetou & Co. geschafft hat. 2015 gab es ein Remake der Klassiker, das unter „Winnetou – Der Mythos lebt“ im Dezember 2016 in drei Teilen ausgestrahlt wurde.
Die einzelnen Filme wurden nicht mehr nur Winnetou I, II und III genannt, sondern erhielten Titel, die mehr Spannung versprachen: „Winnetou – Eine neue Welt“ entspricht in etwa dem ersten Teil der Winnetou-Trilogie. „Winnetou – Das Geheimnis vom Silbersee“ ist ein Mix aus „Winnetou II“ und dem „Schatz im Silbersee“. Zu guter Letzt kommt in „Winnetou – Der letzte Kampf“ das unausweichliche Ende mit dem Tod des großen Häuptlings der Apachen.
Die Vorlagen zu diesen Filmen sind geblieben, die Figuren natürlich auch, und bei den Drehorten hat sich auch nicht viel geändert. Wie rund 50 Jahre zuvor „treckte“ das Filmteam erneut nach Kroatien, um an den altbewährten Schauplätzen die Szenen für großes Kino zu drehen. Die Rechnung ging wohl auf, zumindest was die Drehorte anbelangt. Man drehte an der Schlucht der Zrmanja, in den Nationalparks Krka und Paklenica sowie in den Bergen des Velebit. Auch Istrien erschien in Gestalt von Fuzine auf der Leinwand.
Es gab sehr kontroverse Meinungen über die Winnetou-Neuverfilmung, was unter die Rubrik Geschmackssache fällt. Vereint werden die Fans der alten und neuen Winnetou-Filme jedoch durch die bekannten und bewährten Bilder der unverändert gebliebenen kroatischen Natur. Der Erkennungswert der Schauplätze ist hoch, und sofort ist man wieder drin im Film und im Geschehen, das Karl May 1878 so virtuos aus der Feder floss.
Es muss wohl etwas dran sein, wenn uns eine vor rund 140 Jahren entstandene Romanfigur immer noch begeistern kann. Die Unsterblichkeit dieses Themas ist ganz sicher der traumhaften Landschaftskulisse Kroatiens geschuldet – der Rest ist und bleibt ein Mythos.

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