Ganz großes Kino in Kroatien – Die rota Zora

3 April 2019 AUTOR:

Viel Wirbel um die rote Zora – Großes Kino in Senj

Rote Zora
Ob hoch oben auf der Festung, unten im Gassengewirr der Altstadt und am Hafen von Senj – so, wie die unbändige Zora einst durch die Seiten des Buches tobte, mischt sie und ihre Bande auch die nach ihr benannte Fernsehserie auf. Und wo wurde der Klassiker der Jugendbuchliteratur wohl verfilmt? In Senj natürlich, weil sich in dieser wildromantischen Stadt eben alles abspielte – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Es gibt Bücher, die einfach nicht aus der Mode kommen. Der ursprünglich als Reise- oder Urlaubsbericht geplante Roman von Kurt Held, alias Kurt Kläber gehört zu den Evergreens der Literatur, die es sogar geschafft haben, über die Mattscheiben und Kinoleinwände zu flimmern. Und ganz besonders authentisch wird eine Romanverfilmung immer dann, wenn sie an den Originalschauplätzen in Szene gesetzt wurde.

Von Uskoken und rebellischen Kindern – „Piraten“ in Senj einst und jetzt

Nehaj Senj
Die Hafenstadt Senj ist als eine wehrhafte Hochburg seeräuberischer Uskoken bekannt, die sich in der trutzigen Festung Nehaj eine sichere Zuflucht erbaut hatten. Senj ist eine der ältesten Städte Kroatiens und galt über einen langen Zeitraum als uneinnehmbares Piratennest, dessen Seefahrer in der ganzen Adria gefürchtet waren. Die räuberischen Uskoken verschanzten sich hinter den Mauern und Bollwerken der Stadt, die lange Zeit als uneinnehmbar galt.
Hoch oben über Senj thront das Wahrzeichen der Stadt, die Mitte des 16. Jahrhunderts errichtete Festung mit dem kühnen Namen Nehaj – „Fürchte nichts!“ Dieser Name wurde zum Motto der Uskoken, die sich unerschrocken sogar mit der Republik Venedig anlegten, die großen Respekt vor den Senjer Seefahrern hatte.

Viele Jahre später, nachdem sich das Leben in Senj längst beruhigt hatte und in „geordneten Bahnen“ verlief, machte erneut eine Bande aufrührerischer Rebellen die Straßen und Gassen dieser Stadt unsicher. Und das nicht nur auf den Seiten des Romans von Kurt Held, der Anfang der 1940er Jahre durch Jugoslawien reiste und sich in Senj zu seinem Bestseller inspirieren ließ. Die rote Zora und ihre Freunde gab es tatsächlich. Der Autor freundete sich mit den Kindern an und beschloss, ihr durch Not und Entbehrungen geprägtes Leben zum Thema seines Romans zu machen, womit ihm ein großer Wurf gelungen ist, der schon kurze Zeit nach seiner Veröffentlichung ein beachtlicher Erfolg wurde.
Kläber, der 1933 in Deutschland Schreibverbot erhielt und in die Schweiz auswanderte, brachte seinen Roman 1941 unter dem Pseudonym Kurt Held heraus, wodurch die rote Zora sogar in Deutschland zum Renner wurde.

Reale Vorbilder für Buch und Film – darum geht’s

Die Rote Zora
Falls Ihnen die Handlung des Jugendklassikers nicht oder nicht mehr bekannt sein sollte, hier einen kurzen Abriss als Orientierungshilfe.
Eine Bande junger Uskoken, die von einem Mädchen mit roten Haaren angeführt wird, haust in der alten Festung von Senj und kämpft ums Überleben. Es sind alles Waisen, die sich der roten Zora angeschlossen haben und die in der Stadt als Ausgestoßene behandelt werden. Die Kinder fristen ihr Leben durch Diebstähle und andere kriminelle Taten, fallen aber auch durch wilde Streiche auf. Sie werden von den Bürgern der Stadt verfolgt, die diese jugendlichen Randalierer am liebsten im Gefängnis sehen würden. Ein alter Fischer steht den Kindern bei und überzeugt die Stadtväter von Senj, den jugendlichen „Piraten“ eine Chance zu geben und sie in die Gesellschaft zu integrieren. Am Ende finden die rote Zora und ihre Freunde ein Zuhause und ehrliche Arbeit.
Eine der Schlüsselszenen in der Handlung dieses Romans ist das Kapitel in dem der alte Fischer Gorian Zora und ihren Freunden die Geschichte von zwei Uskoken erzählt. Sie heißen Posedaric und Desandic, lebten im 16. Jahrhundert und dienen dem Fischer als „historisches“ Beispiel, auch den schlimmsten Streit beizulegen und einander als Freunde stets beizustehen. Eine bis heute aktuelle Lehre also, die Gorian seinen jungen Freunden erteilt und die sich wie ein roter Faden durch Buch und Film zieht.

In 13 Etappen durch Senj und Umgebung – die Drehorte der Serie

Senj
Möglicherweise kennen Sie den im Jahr 2008 unter der Regie von Peter Kahane gedrehten Film „Die rote Zora und ihre Bande“, der in Kinos und im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Da ging es recht actionreich zur Sache, der Film wurde auch mehrfach ausgezeichnet. Der einzige Nachteil dieses Films sind jedoch seine Drehorte, die alle in Montenegro liegen, weil Senj zu dieser Zeit sich schon zu sehr in eine moderne Stadt verwandelt hatte, um als Schauplatz von 1930 durchzugehen.
Daher schauen wir auf die Fernsehserie aus dem Jahr 1979, die in umfangreichen 13 Teilen ausschließlich in Senj und seiner Umgebung gedreht wurde. Für die deutsch-schweizerisch-jugoslawische Koproduktion führte Franz Umgelter die Regie und schrieb auch noch das Drehbuch. Die Szenen, die in der Stadt spielen, wurden auch in Senj gedreht, so dass Sie mühelos die gleichen Wege nehmen können, wie Zora und ihre wilden Freunde.
Also hinauf auf die Festung Nehaj, die damals noch nicht in eine attraktive Burgruine verwandelt war, sondern sich relativ „naturbelassen“ der Kamera präsentierte. Die Uskokenburg dient den Kindern als Unterschlupf, wenn sie von ihren Streifzügen durch die Gassen von Senj zurückkehren.
Auch der Hafen spielt eine wichtige Rolle in der Fernsehserie. Hier versammelt sich die Bande, hält ihre Lagebesprechungen ab und lässt sich vom alten Gorian von früher erzählen und so manchen nützlichen Rat erteilen.
Fast jede Gasse und jeder Winkel im alten Senj erinnert an Filmszenen, in denen die Kinder meist durch die Stadt rennen, teils um ihren Verfolgern zu entgehen und weil sie ein bestimmtes Ziel vor Augen haben, das es zu erreichen gilt.
Wenn die Bande nicht gerade durch Senj tobt oder am Hafen ihre Pläne schmiedet, flüchtet sie in die Berge des Velebit-Gebirges, dessen Ausläufer bis nach Senj reichen und unzählige Möglichkeiten zum Verstecken bieten, bis die Luft wieder rein und die Gefahr gebannt ist.

Obwohl seit dem Entstehen des Buchs und der Fernsehserie viel Zeit vergangen ist, wird es Ihnen nicht schwerfallen, sich in das Abenteuer der roten Zora und ihrer Bande hinein zu versetzen. Schlendern Sie durch Senj, erklimmen Sie den Hügel, auf dem die Festung thront und machen Sie ausgedehnte Wanderungen durch das Gebirge. Es gibt übrigens einen herrlichen Gipfelwanderweg, der Sie hoch hinauf in luftige Höhen führt. Er hat zwar keinen direkten Bezug zum Film, doch mit etwas Phantasie können Sie die Geschichte ja weiter fabulieren und zusammen mit der vielleicht erwachsen gewordenen Zora die atemberaubende Bergwelt des Velebit erkunden…

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