Hochzeitsbräuche in Kroatien

23 Oktober 2019 AUTOR:

Von Brautkleidern, Festgesängen und üppigen Torten – Hochzeitsbräuche in Kroatien

Hochzeit Kroatien
Der schönste Tag im Leben eines Brautpaares wird auch in Kroatien kräftig gefeiert. Doch bis zum Ja-Wort ist es auch in diesem Land ein weiter Weg, der allerlei Aufgaben und Strapazen erfordert. Aber am Ende winkt das Glück – und das ist schließlich jede Mühe wert!

Der Beginn des gemeinsamen Lebens ist eine ernste Angelegenheit, die umso fröhlicher gefeiert wird. Je ausgelassener und gut gelaunt die Gäste sind, desto größer ist das zu erwartende Glück, das dem Brautpaar im künftigen trauten Beisammensein beschieden sein soll. Daher sind kroatische Hochzeiten spektakuläre Veranstaltungen, die zu Ehren von Braut und Bräutigam veranstaltet werden. Aber auch für die Gäste selbst, die es sich gut gehen lassen und womöglich nach eigenen künftigen Ehepartnern Ausschau halten, denn Hochzeitsfeste sind gleichzeitig auch gute Gelegenheiten, um selbst auf Brautschau zu gehen…

Bunte Hochzeitskleider, drei Salzkörner und ein Apfel – Traditionen Anno dazumal

Hochzeit Kroatien
Moderne Zeiten bringen auch ein modernisiertes Brauchtum mit sich. So ist es auch um die Hochzeitsrituale bestellt, die sich im Laufe der Generationen verändert haben. Was noch vor nicht ganz hundert Jahren zum gängigen Ritus bei Hochzeiten zählte, ruft heute bei den jungen Leuten oft ungläubiges Erstaunen hervor.
So trugen die Bräute „von damals“ bunte Hochzeitskleider, da die leuchtenden Farben das Böse fernhalten sollten. Den heutigen Schleier ersetzte ein bunter Kranz oder eine Krone.
Hochzeiten wurden am liebsten mittwochs gefeiert, da dieser Tag als ausgesprochener Glückstag galt. Dienstage und Freitage waren tabu. An diesen Tagen wurde nur das Nötigste getan, da es dienstags und freitags um das Glück eher spärlich bestellt war. In manchen Orten feierte man die Hochzeiten drei Tage lang. Offenbar fielen dann die beiden Unglückstage nicht mehr ins Gewicht, Hauptsache, die Hochzeit selbst fand an einem anderen Tag statt.
Auch die Brautgeschenke waren eher symbolisch und nicht sehr wertvoll. Die Braut erhielt einen Apfel, einen Ring oder Geld. Nach der Hochzeitsfeier verabschiedete sich die Braut von ihren Eltern und nahm deren Segen entgegen. Mit Brot und Wein als Willkommensgeschenk ging sie dann zu ihrer neuen Familie.
In Dalmatien sahen die Hochzeitsbräuche vor, auch die Gäste zu beschenken. Sie erhielten drei (!) Salzkörner, zwei Blätter vom Olivenbaum und ein Stückchen von einer geweihten Kerze.

In der Gegend von Sinj war das Heiraten ebenfalls eine recht anstrengende Angelegenheit. Ein heiratswilliges Paar durfte erst dann zum Altar schreiten, wenn alle älteren Geschwister von Braut und Bräutigam schon verheiratet waren. Die Reihenfolge in der Familie wurde streng eingehalten, was sicherlich nicht immer ganz einfach war…
War man endlich verlobt, ging das Brautpaar zum Dorfpfarrer, der die bevorstehende Hochzeit am folgenden Sonntag während der Messe verkündete. Dies war sozusagen der Startschuss für das Fest, das – wie könnte es anders sein – nach strengen traditionellen Bräuchen gefeiert wurde und mit dessen Vorbereitung oft die ganze Familie wochenlang gut beschäftigt war.
Währenddessen stellte die Braut ihre Ausstattung zusammen, die nach der Hochzeit in einem feierlichen Zug ins neue Heim der jungen Ehefrau gebracht wurde. So konnte jeder das Bettzeug, die Stühle, das Besteck, die Teppiche und vieles mehr bestaunen, das der Braut von ihren Eltern als Mitgift geschenkt wurde.
Nun gehörte die junge Frau zu der Familie ihres Ehemannes und musste gleich am Morgen nach der Hochzeit einige rituelle Arbeiten verrichten. Es galt, Wasser vom Brunnen zu holen und das erste Feuer im Haus anzuzünden. Außerdem musste die frischgebackene Ehefrau ein wenig Wäsche waschen, Holz sammeln und Getreide wenden. Zu ihren Pflichten gehörte es auch, den Hochzeitsgästen am Morgen das Waschwasser bereitzustellen. Einige Tage nach dem Fest besuchten die Eltern der Braut ihre Tochter im neuen Heim und brachten ihr ein Spinnrad, eine Spindel und einen Wollstrang als Begrüßungsgeschenk mit.

Ganz in Weiß, ein Strumpfband und reichlich Geschenke – Hochzeit heute

Hochzeit Kroatien
Früher war es wohl anstrengender, sich zu verheiraten. Aber auch in der heutigen Zeit sind mancherlei Vorbereitungen zu treffen, um das Fest der Feste zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen.
Auch in Kroatien ist es üblich, dass die Braut ein weißes Hochzeitskleid wählt, das sie je nach Geschmack mit einem Schleier, einer Schleppe oder einem Hut ebenfalls ganz in Weiß ergänzt. Ein wichtiges „Kleidungsstück“ ist außerdem das obligatorische Strumpfband, das der Bräutigam seiner Angetrauten während des Festes unter großem Beifall vom Bein zieht und dann unter die Festgäste wirft. Genauer gesagt unter die unverheirateten Männer, die das Strumpfband fangen müssen. Gleichzeitig wirft die Braut ihren Brautstrauß den ebenfalls unverheirateten Frauen und Mädchen zu. Die beiden glücklichen Fänger tanzen dann miteinander, und es soll so angeblich schon zur nächsten Eheschließung gekommen sein…
Kurz vor Mitternacht wird dann die Hochzeitstorte aufgetragen und vom Brautpaar zusammen angeschnitten. Danach zieht sich die Braut zurück, um das Hochzeitskleid gegen ein etwas bequemeres Abendkleid zu tauschen, in dem sie dann die Nacht bis in den Morgen hinein etwas unbeschwerter durchfeiern kann.
Geschenke waren und sind schon immer beliebt gewesen. Doch während die Brautpaare vergangener Zeiten meist Nützliches überreicht bekamen, haben sich die heutigen Geschenke ein wenig verändert. Sehr beliebt sind Gutscheine aller Art, die in ein Kuvert gesteckt und auf einem Tablett gut sichtbar platziert werden.
Selbstverständlich gibt es auch die eine oder andere Rede und Ansprache, die meist zur Erheiterung der Festgesellschaft beiträgt. War es bis vor einigen Jahren noch die traditionelle Pflicht des Trauzeugen, eine schwungvolle Rede zu halten, ergreifen heute immer mehr Trauzeuginnen das Wort, um das Brautpaar hochleben zu lassen.
Reden sollte man auch als „einfacher“ Hochzeitsgast können. Zwar nicht unbedingt vor versammelter Gesellschaft, jedoch wäre es gut, die Kunst der Konversation oder des Smalltalk ein wenig zu beherrschen. Es kommt nicht besonders gut an, wenn man als männlicher Gast stumm wie ein Fisch an der Festtafel sitzt. Selbst von Natur aus wortkarge Gäste sollten wenigstens einige schöne Sätze parat haben, um sich die gute Laune ihrer Sitznachbarinnen zu erhalten. Wortgewandtheit hat schließlich noch niemandem geschadet, und wer weiß, vielleicht überzeugt man ja seine zukünftige Angebetete an diesem Tag davon, seinen wohlgesetzten Worten auch künftig mit Begeisterung zu lauschen…
Mit viel Musik und Gesang geht auch das längste Hochzeitsfest irgendwann einmal zu Ende, und für das Brautpaar beginnt dann der Alltag des gemeinsamen Lebens, der nach einem gelungenen Start selbstverständlich nur schön, bunt und glücklich werden kann.

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