Karneval in Kroatien

30 Oktober 2019 AUTOR:

Von gruseligen Gestalten, dem Abschied vom Winter und historischen Tänzen – buntes Karnevalstreiben in Kroatien

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Alte Bräuche, farbenprächtige Kostüme und ausgelassene Feierstimmung prägen den Karneval in Kroatien. Die „fünfte Jahreszeit“ wird auch an der Adria nach Kräften genossen und mit bunten Festumzügen, traditionellen Tänzen sowie allerlei Veranstaltungen prunkvoll in Szene gesetzt.

In Kroatien geht es während der Karnevalszeit ebenso ausgelassen und närrisch zu wie in vielen anderen europäischen Ländern auch. Doch im Gegensatz zum deutschen Faschingstreiben haben die Kroaten nur wenige Tage zur Verfügung, um böse Geister und den Winter zu verjagen und dabei so viel Getöse und Trubel zu veranstalten, wie es die Kräfte zulassen.
Während in Deutschland der traditionelle Startschuss für die närrische Zeit am 11.11. fällt, beginnt der Karneval in Kroatien erst im Januar oder Februar und endet wie überall mit dem unvermeidlichen Aschermittwoch. Wenig Zeit also, um so richtig ausgelassen die jahrhundertealten Bräuche, die teils heidnische und teils christliche Wurzeln haben, wieder aufleben zu lassen.

Internationale Festlichkeiten und Glocken schwingende Zvoncari – Karneval in der Kvarner Bucht

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Entlang der Kvarner Bucht geht es während der fünften Jahreszeit besonders hoch her. Die gesamte Küste „blüht“ nach den langen tristen Winterwochen plötzlich auf und verwandelt sich in eine einzige große Feiermeile, auf der es von bunten Kostümen und manchmal auch gruselig anmutenden Gestalten nur so wimmelt. Von Opatija bis Novi Vinodolski herrscht fröhliches Karnevalstreiben, das in der Hafenstadt Rijeka jedoch seinen Höhepunkt findet – und das mit internationalem Publikum.
Rijeka ist bekannt für seine Karnevalsveranstaltungen, die von Mitte Januar bis zum Faschingsdienstag in der ganzen Stadt stattfinden. Schon zu alten k.- u.- k.-Zeiten lockte der Karneval feierwütige Gäste aus ganz Europa nach Rijeka: hier traf sich die österreichisch-ungarische Aristokratie, um zusammen mit dem russischen Hochadel, deutschen Baronen sowie Grafen und Herzögen aus allen europäischen Fürstentümern auf prachtvollen Bällen zu tanzen und sich die endlos scheinenden Festumzüge anzuschauen. Sehr beliebt war der „Tag der Blumen“, zu dessen Ehren sich das Theater in eine einzige große Tanzfläche verwandelte.
Nachdem diese glanzvollen Zeiten im Ersten Weltkrieg ihr Ende fanden, wurde in Rijeka dennoch weiter Fasching gefeiert. Zum internationalen Karneval finden sich zahlreiche Karnevalsgruppen in der Hafenstadt ein, um Tänze aufzuführen, Umzüge zu gestalten oder einfach nur durch die Straßen zu ziehen und Feierlaune zu verbreiten.
In Rijeka verkleiden sich nicht nur die Menschen mit fantasiereichen Kostümen und skurrilen Masken. Sogar Autos werden „maskiert“, um dann in einem Korso durch die Stadt zu fahren. Auch Faschingsbälle sind wieder modern geworden, und Karten für diese Events müssen früh vorbestellt werden. Kenner der Faschingsszene behaupten sogar, dass es der Karneval von Rijeka durchaus mit dem der Lagunenstadt Venedig aufnehmen könne…

Nur etwa zehn Kilometer von Rijeka entfernt liegt das mittelalterliche Städtchen Kastav, das seiner idyllischen Lage oberhalb des Meeres und seines schönen Stadtkerns wegen ohnehin eine Reise wert ist. Doch zur Karnevalszeit lockt Kastav viele Besucher in seine Stadtmauern, die eine ganz besondere Attraktion bestaunen möchten – die Zvoncari.
Die Zvoncari sehen seltsam aus und benehmen sich auch merkwürdig. Die maskierten Gesellen tragen Matrosenanzüge oder gestreifte T-Shirts mit weißen Hosen, die in die Strümpfe gesteckt werden. Ein leuchtend roter breiter Gürtel und ein Schafsfell komplettieren die pittoreske Ausstattung.
Damit nicht genug verhüllen die Zvoncari ihre Gesichter noch mit fürchterlich anzuschauenden Masken, die aus Pappe, Holz und Schafs- sowie Hasenfell gefertigt wurden. Dazu kommen Hörner und knallrote Nasen. Diese Aufmachung und die riesigen Kupferglocken, die von den Zvoncari um die Hüften getragen werden, sind der Grund, weshalb die wilden Gesellen nicht nur von jedem sogleich gesehen, sondern auch schon aus der Ferne gehört werden.
Sobald zwei Gruppen dieser Maskierten aufeinander treffen, stoßen sie absichtlich mit den Glocken zusammen, damit das „Rendezvous“ auch wirklich laut und weithin vernehmbar ist. Am 17. Januar beginnt der Karneval im Städtchen Kastav und lärmt unerbittlich bis zum Aschermittwoch.

Getanzter Streit um ein schönes Mädchen – die Robinja von Pag

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Die Stadt Pag auf der gleichnamigen Insel im Norden Dalmatiens hat eine ganz besondere Tradition, um den Karneval einzuläuten. Hier wird traditionell die sogenannte Robinja aufgeführt, eine musikalische Veranstaltung mit viel Gesang und Tanz.
Alles dreht sich um Robinja, eine schöne Sklavin, die traditionell von einem jungen Mann mit Kopftuch dargestellt wird. Weitere Darsteller treten in Gestalt von Händlern, einem Fahnenträger und einem Spielmann auf. Die „Helden“ des musikalischen Dramas treffen sich vor dem Pfarrhaus, dem Haus eines begüterten Bürgers oder auf dem Hauptplatz, um sich darum zu streiten, wer die Sklavin kaufen darf. Dabei geht es hin und her, es gibt Streit und Gezerre, doch am Ende siegt das Gute.
Während des Tanzes sind die zerstrittenen Parteien derart mit sich selbst und ihren gegenseitigen Animositäten und neidischem Geplänkel vertieft, dass die Sklavin – um die es ja eigentlich geht – schließlich unbemerkt in die Freiheit entfliehen kann.
Die Geschichte der Robinja geht auf die Zeit der türkischen Herrschaft über Pag zurück und arbeitet mit dieser Veranstaltung allerlei Geschehnisse aus der Vergangenheit auf. So werden während der Darbietung Geschichten aus dieser Epoche gesungen und erzählt, so dass der Streit um die Sklavin gleichzeitig eine Art Ausflug in die Historie von Pag darstellt.

Benimmregeln, Bekleidungsordnungen und Belustigungen für das Volk – Karneval in längst vergangenen Zeiten

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Es ist allgemein bekannt, dass der Karneval durchaus eine ernste Sache sein kann. Zumindest für die Veranstalter und diejenigen, die für den Ablauf des närrischen Treibens verantwortlich sind. So ist es heute noch, und so war es auch früher schon.
Zum Beispiel in Split zur Zeit der Renaissance. Es existieren umfangreiche Schriftstücke, in denen die Karnevalsregeln detailliert dokumentiert wurden. Denn es galten auch – oder gerade – zu diesen Ausnahmezeiten recht strenge Benimmregeln. Die Stadtväter wollten wohl vermeiden, dass die Gäste der Maskenbälle sich allzu locker und sittenlos aufführen könnten. Immerhin fanden diese Lustbarkeiten in Palästen, Bibliotheken und deren Lesesälen statt, wo allerlei zu Schaden kommen konnte.
Auch Feuerwerke waren damals in Split an der Tagesordnung. Diese Spektakel wurden akribisch vorbereitet, denn Feuer ist gefährlich, auch oder gerade in der ausgelassenen Karnevalszeit.

Die Stadt Dubrovnik kann auf eine bis ins 14. Jahrhundert reichende Karnevalstradition zurückblicken. Die Stadtoberen schrieben ihren Bürgern sogar vor, was sie während der tollen Tage anziehen durften, damit die guten Sitten gewahrt blieben. So waren allzu gruselige und schrecklich anzuschauende Masken ebenso verboten wie durchsichtige Kostüme oder solche, die zu kurz, zu eng oder so beschaffen waren, dass sie die Moral der Bevölkerung gefährden konnten.
Ritterspiele waren in der ausgehenden Renaissance sehr beliebt, während man sich noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu rauschenden Bällen in den Palästen der Adeligen und den Häusern wohlhabender Bürger amüsierte.
Dem einfachen Volk dagegen war es gestattet, sich auf den Straßen zu belustigen, was ausgiebig und ausgelassen getan wurde, bis auch hier der Aschermittwoch dem Karneval den Garaus bereitete.

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