Kroatische Traditionen zum Nikolaus

4 Dezember 2019 AUTOR:

Wenn Sveti Nikola seinen Sack schultert – kroatische Traditionen zum Nikolaustag

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Kann man Nikolaus und seinen Knecht Ruprecht auf Kroatisch übersetzen? Nichts leichter als das, denn an der Adria heißt der alte Mann Sveti Nikola, und sein knurriger Gehilfe wird Krampus genannt. Auch das Verhalten der beiden vorweihnachtlichen Gabenbringer ist ganz ähnlich wie in unseren Breiten: Sie bringen kleine Geschenke – und das auch nur, wenn die Kinder brav waren.

Wie schafft er das nur – alle Kinder zur gleichen Zeit am selben Tag mit Süßigkeiten, Obst und kleinen Geschenken zu beglücken? Zwar hat Sveti Nikola auch einen Helfer, doch selbst für zwei Männer bedarf es einer geradezu himmlischen Logistik, um pünktlich zum 6. Dezember Abertausende Geschenke aus den Säcken zu zaubern. Wie man weiß, klappt das jedes Jahr aufs Neue, also Hut ab und Daumen drücken, damit es auch an diesem Nikolaustag wieder gutgeht…

Der heilige Nikolaus – Mythos und Wahrheit

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Jedes Kind kennt den Nikolaus. Auch die Erwachsenen wissen, wer die Leckereien aus dem Sack holt und in die Stiefel steckt. Doch wer weiß noch, dass es ihn wirklich gegeben hat, diesen von Legenden umwobenen Bischof aus der Frühzeit des Christentums?
Nikolaus von Myra wurde in der Zeit zwischen 270 und 286 im Ort Patara in Lykien geboren, einer historischen Region Kleinasiens, die in der Nähe von Antalya in der Türkei liegt. Man will sich nicht so recht über das Geburtsdatum und die weiteren Lebensdaten dieses Heiligen verständigen, doch Einigkeit herrscht darüber, wann der Bischof gestorben ist, nämlich am 6. Dezember. Auch das Jahr ist nicht verbrieft, was jedoch für das Nikolausfest absolut keine Rolle spielt.
Urkundlich belegt ist weiterhin, dass unser Nikolaus wohlhabend war und mit seinem Reichtum viel Gutes tat. Er war schon zu seinen Lebzeiten im damaligen Lykien recht bekannt, und das nicht nur, weil er sein Hab und Gut großzügig mit den Armen und Bedürftigen teilte. So soll der heilige Nikolaus sogar Unwetter und Stürme „beschwichtigt“ haben. Krankenheilungen waren ebenfalls seine Spezialität, und auch Tote soll er angeblich wieder zum Leben erweckt haben.
Die Summe all dieser Wunder und guten Taten machten ihn schon kurz nach seinem Tod zu einem der beliebtesten und bekanntesten Heiligen der Kirchen von Rom und Byzanz. Wie der Urahn aller „Nikoläuse“ nun in die Rolle des mit der Rute drohenden und den schweren Sack tragenden Vorweihnachtsmannes geriet, ist auch nicht belegt. Doch er spielt diesen Part seit vielen Jahrhunderten und fühlt sich damit offenbar gut. Nun wollen wir uns anschauen, wie Sveti Nikola in Kroatien sein gutes Werk verrichtet.

Schutzpatron und Geschenkelieferant zugleich – ein vielbeschäftigter Heiliger

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Der heilige Nikolaus hat nicht nur am 6. Dezember Dienst. Er hat das ganze Jahr über Verpflichtungen, denn er ist der Schutzpatron für viele Berufe, die seine Unterstützung Tag für Tag benötigen. Sveti Nikola unterstützt die Bäcker und Kaufleute ebenso wie die Salzsieder, Fuhrleute und Pfandleiher. In Dalmatien haben sich die Seefahrer den vielbeschäftigten Heiligen zum Schutzpatron auserkoren. Damit nicht genug, gilt er auch als Unterstützer der Metzger und ist für Kinder ebenfalls zuständig wie für Gefängniswärter und ihre Gefangenen. Ein gewaltiges Pensum, das Nikolaus jahrein jahraus bewältigen muss.
Und dann noch der 6. Dezember. Dieser Brauch wurde Nikolaus sozusagen in seiner Funktion als Schutzpatron für die Kinder übertragen. Zumindest wäre dies eine passende Erklärung für die adventliche Geschenkverteilung, die in Kroatien wie folgt beginnt:
Bereits am Abend vor dem Nikolaustag werden überall in Kroatien auf Hochglanz polierte Stiefel und Socken in XXL-Größen auf die Fensterbänke gelegt, damit der gute Sveti Nikola auch recht viel hineinpacken kann. Weil dies auch für einen Heiligen viel Arbeit ist, wird Nikolaus von seinem Gefährten Krampus begleitet. Dieser schleppt nicht nur schwere Säcke, er hat auch dicke Ketten dabei, mit denen er bedrohlich rasselt, falls er ungezogene Kinder entdeckt. Wer brav ist, hat natürlich nichts zu befürchten und bekommt sogar noch ein kleines Geschenk.
In manchen Gegenden Kroatiens ist Sveti Nikola mit einem Engel unterwegs, der sich ebenfalls sehr spendabel zeigt, wenn es angebracht ist.
Wenn es dann endlich dunkel geworden ist, schauen die Kinder nach, ob Stiefel und Socken ordnungsgemäß gefüllt wurden. An der Adria möchte man mit den zumeist kleinen Geschenken und Süßigkeiten noch an den Urvater des Sveti Nikola erinnern, dessen Lebensinhalt es war, den Armen und Bedürftigen etwas von seinem Überfluss abzugeben. Nächstenliebe, Großherzigkeit und der Wunsch, den Mitmenschen eine Freude zu bereiten, sollen zum Adventsbeginn auf Weihnachten einstimmen und ein wenig zum Nachdenken anregen…

Nikolaus für Erwachsene findet in Dalmatien statt, wo zu Ehren des Schutzpatrons für die Seeleute Bootswettkämpfe ausgetragen werden. Die Regatta von Split bis nach Komiza auf der Insel Vis dürfte das wohl bekannteste „Nikolausrennen“ sein, an dem sich viele Bootsbesitzer beteiligen und die auch zahlreiche Zuschauer anlockt. Denn die Regatta endet mit einem spektakulären Feuer, dem nicht etwa Holzscheite als Nahrung dienen, sondern ein Boot. Während das Schiff brennt, beten die Anwesenden für die Erhaltung ihrer Schiffe sowie ihrer eigenen Gesundheit. Dabei wird auch dem Wohlergehen aller Boote und ihrer Besatzungen auf der ganzen Welt gedacht.

Rot und Weiß – die süße Variante der Nikolausfarben

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Im Advent wird bereits so mächtig aufgetischt, als wäre es schon Weihnachten. Dies gilt besonders für die süßen Leckereien, die in Gestalt von Lebkuchen, kleinen Plätzchen, Früchtekuchen und anderen gehaltvollen Köstlichkeiten zuhauf auf den Tisch kommen. Doch in Kroatien gibt es eine spezielle Süßigkeit, die eigens für den Nikolaustag gebacken wird und von der meist auch schon im Laufe des 6. Dezember nichts mehr übrig ist.
Dieser Nikolauskuchen ist ruck zuck zubereitet und genauso schnell verspeist. Die Grundlage bildet ein Biskuitboden, auf den Sauerkirschen gehäuft werden. Dazu wird der Inhalt eines Glases Sauerkirschen mit dem Saft und etwas Zucker aufgekocht und mit einem Päckchen Puddingpulver (Vanille, Sahne oder Mandelgeschmack) angedickt. Ein Schuss Kirschwasser steuert eine beschwipste Note bei, doch der Alkohol verliert sich beim Kochen. Die gut ausgekühlte Masse wird auf den Biskuitboden gestrichen und kurz vor dem Servieren mit einem oder zwei Bechern steifgeschlagener Sahne bedeckt. Häufen Sie die Sahne ruhig ein wenig unkonventionell auf, so dass sie wie eine Schneeverwehung aussieht oder der gelockten und gewellten Barttracht von Sveti Nikola ähnelt.
Der fruchtige Nikolauskuchen schmeckt Groß und Klein und ist eine erfrischende Alternative zu den reichlich mit Gewürzen und Nüssen zubereiteten Lebkuchen.

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