Literatur in Kroatien

4 September 2019 AUTOR:

Aus dem Mittelalter in die Gegenwart – Literatur in Kroatien

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Kroatien ist Ihr bevorzugtes Urlaubsland? Dann wird es höchste Zeit, auch auf die Literatur dieses Landes einen prüfenden Blick zu werfen, um neue Welten zu entdecken und das Land an der Adria auch zwischen den Seiten vieler spannender, interessanter und faszinierender Bücher zu entdecken.

Die kroatische Literatur ist ebenso vielschichtig und abwechslungsreich wie das Land selbst. Das Schrifttum in Kroatien wurde von den wechselhaften Zeitläuften ebenso geprägt wie von der Veränderung der Sprache und der Traditionen. Verschiedene Herrscher, neue Allianzen und natürlich der Blick über die Grenze zu den Nachbarn beeinflussten die Dichtkunst dieses Landes und gaben ihr neue Impulse und Inhalte.
Von der sprachlich anspruchsvollen Literatur des Mittelalters bis zur heutigen, dem modernen Sprachgebrauch angepassten Belletristik und Poesie war es ein weiter Weg. Zum Glück für alle Bücherwürmer, die sich über einen vielfältigen Reichtum an Lesestoff freuen können.
In aller Kürze lässt sich die kroatische Literatur in vier große zeitliche Abschnitte gliedern: Die Mittelalterliche Literatur, die zwischen dem 9. und dem 15. Jahrhundert geschaffen wurde; ihr folgte die in der Zeit vom 15. bis zum 19. Jahrhundert entstandene Ältere Literatur. Dieser Ära schloss sich die Neue Literatur an, die mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 ihr Ende fand. Ab 1914 begann das Zeitalter der Modernen Literatur, das bis in die Gegenwart reicht und uns auch in der Zukunft mit facettenreichem Lesestoff überraschen möge…

Vielsprachig, anspruchsvoll und nur für ausgewählte Leser geschrieben – Literatur des Mittelalters

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In Kroatien war es nicht anders als anderswo in Europa: die mittelalterliche Literatur wurde nur für einen kleinen Kreis gebildeter und wohlhabender Menschen geschrieben, die in der Lage waren, sie überhaupt erst zu lesen und auch zu erwerben.
Doch eine Besonderheit hob die Literatur in Kroatien von anderen Ländern ab – sie wurde in gleich drei Sprachen verfasst. Zuallererst das unvermeidliche Latein, dem sich das Altkirchenslawische und die kroatische Volkssprache anschlossen. Während das Schrifttum der ersten beiden Sprachen hauptsächlich dem Klerus vorbehalten blieb, machte die dritte Sprache eine beinahe revolutionäre Ausnahme. Sie gestattete quasi dem „einfachen Volk“, sich ebenfalls literarisch zu ergötzen und die Werke zu lesen, die es verstehen konnte.
Das war nicht selbstverständlich, auch wenn die meisten literarischen Werke religiöse Themen zum Inhalt hatten.
Zu den drei Sprachen kamen die drei Schriften hinzu, die ein weiteres Herausstellungsmerkmal für die kroatische Literatur darstellen. Die Gedichte, die in Versen geschriebenen Dialoge und die Mysterienspiele dieser Zeit wurden in der lateinischen, glagolitischen und kyrillischen Schrift verfasst.
Erst am Ende des 15. Jahrhunderts und damit auch am Schluss dieser literarischen Epoche „eroberten“ neue Themen das literarische Betätigungsfeld in Kroatien. Dies waren die Vorreiter der Renaissance, die zwar erst nach dem Mittelalter die Bühne betrat, deren zarte Anfänge jedoch noch im Ausklang dieser ersten Ära vorsichtig Wurzeln fassten, um immer mehr zu erstarken.

Humanismus in mittelalterlich geprägtem Gewand – die Renaissance als Leitmotiv der Älteren Literatur

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Menschlichkeit wurde in der Renaissance großgeschrieben – zumindest in der darin beheimateten Literatur. Auch in Kroatien waren die Humanisten stark im Kommen, dort vor allem in Dalmatien. Denn das beginnende 16. Jahrhundert strotzte nur so vor neuen Einfällen, die nicht mehr nur im religiösen Bereich angesiedelt waren.
Ob Traktate über den Mensch an sich, die Gesellschaft oder die Herrschenden – jetzt wurde Klartext geschrieben! Zumindest im Vergleich zu der Art von Literatur, wie sie das recht finster anmutende Mittelalter hervorgebracht hat.
In Dalmatien formierten sich mehrere literarische Kreise, die sich um Schriftsteller wie Marko Marulic in Split, George Hafner in Sibenik und Peter Zoranic sowie Barne Karnarutic in Zadar gruppierten. Das in vielerlei Hinsicht herausragende Dubrovnik konnte auch in puncto Literaturschaffenden auftrumpfen: Gleich mehrere bedeutende Autoren brachten in der Hafenstadt mit spitzer Feder Beeindruckendes zu Papier. So beispielsweise Sisko Mencetic, Dzore Drzic und Martin Benetovic, um nur einige Namen zu nennen.
Marko Marulic aus Split galt als Vorreiter der „modernen Andacht“, einem Stil, der mittelalterliche Themen aufnahm und sie in neuer Form und moderner Ausdrucksweise lesbar machte. Er schrieb Epen wie „Davidias“ und „Judita“ und machte sich als Verfasser des sehr moralisch gehaltenen Traktats „De institutione bene vivendi“ einen Namen. Diese Anleitung zu einem anständigen Leben galt für die damalige Zeit als geradezu revolutionär, lag jedoch ganz im Trend der humanistisch geprägten Renaissance, die dann in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts allmählich ihren Schwung verlor und das Zepter wieder an den Klerus übergab, denn die Reformation betrat nun die Weltbühne.

Nun wurden Ideologien und Themen des neu aufgekommenen Protestantismus schriftstellerisch bearbeitet, was in Kroatien von Matija Vlacic Ilirik auf sehr bedeutende Weise umgesetzt wurde. Ilirik schuf mit seinem Werk „Schlüssel zur Heiligen Schrift“ ein Lexikon, das zu den bekanntesten und berühmtesten seiner Epoche zählte.
Nach wie vor gab Dubrovnik den kulturellen Ton an, so auch mit den Poeten Ivan Gundulic und Ivan Bunic Vucic, die mit ihren Gedichten und Epen für literarische Aufregung sorgten.
Das 18. Jahrhundert hatte die Aufklärung im Schlepptau, die von vielen Schriftstellern in Gedichten, mehrbändigen Epen und immer mehr auch in Prosawerken aufgegriffen wurde.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren politische und nationalistische Strömungen maßgeblich für das Schaffen der Literaten. Es gab die Bewegung der Kroatischen Nationalen Wiedergeburt, die auch Illyrische Bewegung genannt wurde. Entsprechend patriotisch waren die unter diesem Einfluss entstandenen Werke.
Doch beinahe wichtiger als der aufkommende Patriotismus war für die Literatur die Entstehung einer einheitlichen Sprache in Kroatien. Man schrieb jetzt sozusagen mit einer Zunge und konnte sich damit dem ganzen Land mitteilen.
Nun waren Autoren wie Ivan Mazuranic, Stanko Vraz und Petar Preradovic federführend.

Moderne Zeiten in der Literatur – Vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart

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Vor, während und nach den Ersten Weltkrieg brodelte es in ganz Europa und damit auch in den Sudkesseln der Literaten. Die Moderne hielt Anfang der 1920er Jahre Einzug in die Bücher und wurde als Avantgardistische Literatur bejubelt.
Hier begann auch Ivo Andric seinen schriftstellerischen Siegeszug, der schon in einer 1914 veröffentlichten Gedichtsammlung über kroatische junge Lyrik Aufmerksamkeit erregte. Andric erhielt im Jahr 1961 den Nobelpreis für Literatur…
Zu den wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts zählt Miroslav Krleza, der nicht nur zahlreiche bedeutende Texte für die kroatische Literatur schuf, sondern allerlei kulturelle Initiativen ins Leben rief und maßgeblich an der Entwicklung des modernen Kroatiens beteiligt war.

Es gab viele namhafte Autoren, deren Werke bis heute in den kroatischen Bücherregalen stehen und auch immer noch gelesen werden. Eine Schriftstellerin soll abschließend noch gewürdigt werden, wenngleich ihr Genre zumindest zu ihren Lebzeiten nicht die Bedeutung hatte, wie es heute der Fall ist: Ivana Brlic-Mazuranic, die von 1874 bis 1938 lebte, gilt als eine der beliebtesten Kinderbuchautorinnen des Landes. Ehrentitel wie „die kroatische Andersen“ oder „die kroatische Tolkien“ lassen erahnen, wie bedeutend ihre Werke für kleine und jugendliche Leser waren.

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