Marienverehrung in Kroatien

14 November 2019 AUTOR:

Prozessionen, Pilgerscharen und ein Himmelfahrtswunder – Marienverehrung in Kroatien

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Sie ist die Schutzpatronin vieler Städte und Dörfer, und Jahr für Jahr pilgern Tausende bußfertige Wallfahrer zu den Kapellen und Kirchen, in denen ihr Konterfei steht. Die Gottesmutter Maria erfreut sich in Kroatien großer Beliebtheit, was ganz besonders an Himmelfahrt groß gefeiert wird.

Der heiligen Maria werden viele Wunder und überirdische Taten zugesprochen, an denen die Menschen unverbrüchlich festhalten. So wird der Tag, an dem die Gottesmutter in den Himmel aufgenommen wurde besonders feierlich und fröhlich begangen, denn Mariä Himmelfahrt ist ein hoher Festtag in Kroatien, an dem die Jungfrau Maria selbstverständlich die Hauptperson ist. Doch es gibt auch jenseits dieses Feiertags viele Wallfahrten und Prozessionen zu großen Kirchen oder kleinen Kapellen, deren Schutzheilige stets die Gottesmutter Maria ist.

Rettung aus der Not, eine Stadt in Feierlaune und süße Leckereien – Himmelfahrtsvariationen in Kroatien

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Das Fest von Mariä Himmelfahrt zählt zu den höchsten Feiertagen des Jahres und wird doch ganz verschieden gefeiert. Je nach Region, Gegend oder Ort – zwar steht überall die heilige Jungfrau im Mittelpunkt des Geschehens, doch die Art und Weise der Huldigungen und anschließenden Festlichkeiten ist ebenso vielfältig wie das Land selbst.
Die Gottesmutter Maria ist dafür bekannt, dass sie den Menschen in höchster Not beisteht und hilft, wo Hilfe erforderlich ist, und dabei auch mal das eine oder andere Wunder geschehen lässt. Ob es sich dabei um das Schicksal einer großen Stadt oder um die Sorgen und Nöte verzweifelter Menschenkinder handelt – Maria werden viele Rettungen, Mirakel und wundersame Heilungen zugesprochen.
Eines der größten Himmelfahrtswunder dürfte die Rettung der Stadt Sinj sein, deren Verteidiger mit der Hilfe der Gottesmutter das mächtige türkische Heer in die Flucht schlagen konnte. Nur 700 kroatischen Kämpfern gelang das Heldenstück, mehr als 60.000 Türken von den Toren der Stadt zu vertreiben und zur überstürzten Flucht zu zwingen. So geschehen am 15. August 1715, also am Himmelfahrtstag. Dabei soll Maria die Hand im Spiel gehabt haben, jedoch gilt es als sicher, dass infiziertes Flusswasser die Ursache gewesen sein soll.
Das von Bakterien verseuchte Wasser der Cetina löste bei den Belagerern heftige Durchfallerkrankungen aus, so dass diese zu schwach waren, um dem Angriff der Sinjer Kämpfer standzuhalten. Die Türken machten sich Hals über Kopf vom Acker und ließen sogar das Lieblingspferd ihres Sultans bei der Flucht zurück.
Dieses Ereignis wird jedes Jahr am 15. August groß gefeiert. Ganz Sinj ist auf den Beinen, wenn die Gläubigen zum Franziskanerkloster pilgern, um dort Himmelfahrt zu feiern. Manche Pilger sind schon seit Wochen zu Fuß unterwegs, um im Hof des Klosters in eigens dafür aufgestellten Beichtstühlen die Absolution zu erhalten, was übrigens sehr rasant geht, denn draußen stauen sich derweil die übrigen Bußfertigen zu Tausenden. Danach geht es zum Stadtfest, wo die von ihren Sünden befreiten Wallfahrer sehr unbeschwert und fröhlich die Nacht zum Tag machen.

Ganz anders wird das Fest in Istrien gefeiert, wo am 15. August zum Himmelfahrtstag das Festival „Süßes Istrien“ beginnt. Plötzlich ist der kleine Ort Vizinada voller Menschen in Feierlaune, die nicht nur der Gottesmutter zu Ehren ins Mirnatal kommen, sondern so richtig nach Herzenslust schlemmen und naschen möchten.
Auf dem Marktplatz des idyllischen Dörfchens werden Tische aufgebaut, auf denen die örtlichen Bäcker und Konditoren ihre süßen Meisterstücke aufhäufen. Aber auch die Hausfrauen treten zu dem köstlichen Wettbewerb an, um ihre eigenen Kreationen und Gebäck in allen Variationen feilzubieten. Es gibt in Fett ausgebackene Krapfen, lecker gefüllte Nussrollen, feine Sandkuchen, mit viel Zucker verziertes Weingebäck und auch spanisches Brot. Das Himmelfahrtsfest steht in Vizinada ganz im Zeichen der süßen Versuchungen, von denen sich jeder Besucher gerne verführen lässt.
Diesem Fest des grenzenlosen Schlemmens geht jedoch eine zweiwöchige Fastenzeit voraus, in der so ziemlich alles verboten ist, was gut schmeckt. Vielleicht ist das der Grund, weshalb die Bewohner von Vizinada sich zu Himmelfahrt endlich für die Entbehrungen des Marienfastens entschädigen wollen…

Marija Bistrica, Stari Grad, Tisno und Zecevo – weitere Wallfahrtsorte zu Ehren Mariens

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Nur etwa 30 Kilometer von der Hauptstadt Zagreb entfernt befindet sich der größte Marienwallfahrtsort von Kroatien. Der im idyllischen Hrvatsko Zagorje gelegene Ort Marija Bistrica ist Jahr für Jahr das Ziel von bis zu 800.000 Wallfahrern, die zu der Schwarzen Madonna pilgern, der wundertätige Kräfte zugeschrieben werden. Obwohl das Holz der gotischen Marienfigur ursprünglich hell gewesen sein soll, zählt sie zu den bekanntesten Schwarzen Madonnen, zu deren Kirche so ziemlich alle Wanderwege aus Zagreb, Varazdin und Krapina führen. Die Wallfahrtskirche von Marija Bistrica wurde 1971 zum nationalen Wallfahrtsort in Kroatien erhoben.

Sehr viel kleiner und weniger bekannt ist dagegen das Marienheiligtum von Zecevo auf der gleichnamigen winzigen Insel nordöstlich von Nin. Eremiten errichteten auf dem Eiland eine Kirche, die zu Ehren einer Muttergottesstatue errichtet wurde. Im Jahr 1500 wollte das osmanische Heer die Stadt Nin erobern, was jedoch fehlschlug. Aus Zorn über die Niederlage fielen die Türken über das Inselchen her, töteten die Eremiten, zerstörten die Kirche und warfen die Madonna ins Meer.
Die Figur jedoch schwamm aus eigener Kraft (!) flugs zur Insel zurück, auf der, welch glückliche Fügung, bereits die Glocken von alleine zu läuten begannen. Ein Wunder war geschehen, viele Menschen hatten es gesehen, und so entstand die Legende der Muttergottes von Zecevo. Wenige Jahre später wurde eine neue Kirche gebaut, in der die Gottesmutter bis heute residiert und am 5. Mai und 5. August von Gläubigen im Rahmen einer Bootswallfahrt besucht wird.

Auch auf der Insel Pag in der gleichnamigen Hauptstadt gibt es einen Wallfahrtsort, der zum Himmelfahrtstag das Ziel einer Prozession ist. In der Kirche von Stari Grad, dem alten Stadtteil von Pag steht eine aus Holz geschnitzte gotische Madonna, die einst eine Pestepidemie verhindert haben soll. Zum Gedenken an dieses Wunder wird die Statue an Himmelfahrt aus der Kirche geholt und feierlich in die große Basilika von Pag getragen. Am achten September bringen die Gläubigen ihre Madonna wiederum in einer Prozession nach Stari Grad zurück, wo sie das restliche Jahr über bleibt, bis sie am Himmelfahrtstag erneut durch die Stadt paradieren wird.

In Tisno auf der Insel Murter steht die Prozessionskirche Gospa od Karavaja, das mit „Unserer Lieben Frau von Caravaggio“ übersetzt werden kann. Auch darin befindet sich eine Madonnenstatue, die jedoch nicht aus dem Ort Tisno stammt, sondern aus Caravaggio in Italien kommt. Als im 17. und 18. Jahrhundert zahlreiche Familien ihre Heimat Italien verließen und nach Tisno kamen, brachten sie ihr Heiligtum kurzerhand mit. Sie bauten ihrer Madonna eine Kirche auf einem Hügel, die bald schon zum Wallfahrtsziel wurde. Wer zur Madonna gelangen möchte, muss jedoch 214 Stufen erklimmen. Am 26. Mai ist dort großes Kirchenfest, zu dem viele tausend Pilger erscheinen, um den Tag von Mariä Geburt zu feiern.

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