Neue Bücher aus Kroatien

19 September 2019 AUTOR:

Großes Familiendrama, eine Liebesgeschichte und eine historische Tragödie – neue Bücher aus Kroatien

kroatien

Die kroatische Literaturszene hat allerhand zu bieten. Ob familiäre Abgründe und Skandale, Dramen aus dem vergangenen Jahrhundert oder ein Roman, der einfach nur ans Herz geht – mit frischen Büchern geht der Lesesommer allmählich in den Herbst über, der mit weichem Spätsommerlicht und länger werdenden Abenden zum Schmökern verführt.

Wie wäre es, wenn Sie nicht nur mit den üblichen Reiseführern im Gepäck in den Kroatienurlaub starten? Nehmen Sie doch einige Romane und Erzählungen mit in Ihr Urlaubsland, um dort vor vielleicht authentischer Kulisse über Liebe und Tod, oder Freundschaft und Blutsbande zu lesen. Die Werke der kroatischen Autoren decken so ziemlich alles ab, was das Leserherz begehrt, deshalb wollen wir Ihnen noch mehr Kroatien in Buchform vorstellen.

„Die unerhörte Geschichte meiner Familie“ – dieser Titel sagt alles

die unerhörte
Familiengeschichten liegen immer im Trend. Denn Hand aufs Herz – gibt es überhaupt eine Familie, die nichts zu verbergen hat? Ob finstere Geheimnisse, skandalöse Begebenheiten oder die mehr oder minder erfolgreich totgeschwiegenen schwarzen Schafe, die so gar nicht in eine Familie passen wollen. Diese Themen sind stets brandaktuell, auch wenn die dazugehörenden Geschichten schon sehr alt sind und die darin agierenden Helden längst nicht mehr auf dieser Erde wandeln.
Mit Miljenko Jergovic stellen wir Ihnen einen alten Bekannten vor, der mit seinem Roman „Das Walnusshaus“, bereits Furore gemacht hat. Mit seinem 2017 erschienenen Roman „Die unerhörte Geschichte meiner Familie“ gelang dem Autor ein weiterer großer Wurf in Sachen Familie, die er auf prallgefüllten 1144 Seiten genial zu Papier gebracht hat. Dieser Roman wurde auch von Brigitte Döbert übersetzt, die schon „Das Walnusshaus“ ins Deutsche übertragen hat.
In diesem Roman reist Miljenko Jergovic nach Sarajevo, um sich von seiner sterbenden Mutter zu verabschieden. Er will die letzten Tage und Stunden nutzen, um möglichst viel von ihr zu erfahren, was sich recht schwierig gestaltet, zumal er kein allzu gutes Verhältnis zu seiner Mutter hatte. Doch Jergovic fragt nach seinen Vorfahren und danach, wie es damals war. „Erzähl mir von früher“, so könnte er seine Mutter gefragt haben, die schließlich begann, ihm von längst vergangenen Zeiten zu berichten, als man noch im Vielvölkerstaat unter der Habsburgermonarchie lebte und auch darin nicht recht heimisch war.
Die Familiengeschichte ist zugleich ein Stück Weltgeschichte, die am Beispiel vieler Personen zahlreiche traurige und düstere Lebensbilder malt, die bei aller Tragik auch humorvoll und in schillernden Farben aufleuchten. So erleben die Vorfahren des Autors wie es ist, selbst als Fremde in ein Land zu kommen, das einem das Gefühl, dazuzugehören, hartnäckig verweigert. Die Frage, wohin man gehört, läuft wie ein roter Faden durch das Buch, das manchmal eher wie eine Chronik anmutet und dennoch ein Roman mit echten (?) und erfundenen Figuren ist.
Wenn Sie auf unterhaltsame Weise tiefe Einblicke in die Geschichte des Balkans in einer von Kriegen und Konflikten geschüttelten Zeit nehmen möchten, werden Sie mit der unerhörten Familiengeschichte von Miljenko Jergovic viele spannende und nachdenkliche Stunden verbringen können.

Liebesroman – auch dieses Buch erklärt sich selbst

liebesroman
Große Gefühle haben immer Saison. Und wenn der Titel eines Buches schon „Liebesroman“ lautet, dann darf man sicher sein, dass diese Seiten randvoll mit Emotionen rund um das Thema Liebe angefüllt sind.
Ivanka Sajko, die 1975 in Zagreb geboren wurde, ist Autorin, Dramatikerin und Regisseurin zugleich. Mit ihren Theaterstücken hat sie schon viele Preise abgeräumt, aber auch ihre Romane wurden mehrfach ausgezeichnet. Mit dem 2017 erschienenen Buch „Liebesroman“ hat die Autorin – wie könnte es anders sein? – die Gefühle eines Paares in den Mittelpunkt gesetzt. Es geht in dem Roman nicht darum, den Leser daran teilhaben zu lassen, wie zwei Menschen sich begegnen, sich verlieben und einander schließlich glücklich in die Arme sinken. Die Protagonisten des Liebesromans sind schon eine Familie, haben ein gemeinsames Kind und müssen „nur“ noch den schnöden Alltag zusammen meistern.
Und genau darin liegen die Probleme dieses „Kriegs zwischen Küche und Schlafzimmer“. Er ist von dem Wunsch besessen, einen Liebesroman (!) zu schreiben, der ganz nebenbei auch noch die Welt verbessern soll. Sie ist eine durchaus begabte Schauspielerin, die ihren sicheren Job im Theater gekündigt hat, um sich der Erziehung des Kindes zu widmen. Die Gegensätze zwischen Mann und Frau könnten größer nicht sein. Er lebt in seinen phantastischen Welten und möchte das Werk seines Lebens schreiben, während sie vielleicht zu fest in der Realität verankert ist und sich um die Zukunft der Familie Sorgen macht…
Die Kritiken zu diesem Buch nennen dieses Werk von Ivana Sajko nicht ihren romantischsten, jedoch wohl wahrhaftigsten Roman. Echtes Leben eben, das von Gefühlen, der Gesellschaft und auch der politischen Situation bestimmt wird, die dicht miteinander verwoben sind und die Liebenden zuweilen zu ersticken drohen.

Schicksalsjahr eines Landes – eine der größten Tragödien des 20. Jahrhunderts

1941
Die Erzählung „1941 – Das Jahr, das nicht vergeht“ kann keinesfalls als unbeschwerte Urlaubslektüre bezeichnet werden. Dennoch ist es ein überaus wichtiges Buch, das dem Leser die Geschichte, die noch gar nicht so lange Vergangenheit ist, auf eindrückliche Weise nahebringt.
Slavko Goldstein wurde 1928 geboren und zählte zu den wichtigsten Kulturschaffenden im ehemaligen Jugoslawien und in Kroatien. Goldstein lebte während des Zweiten Weltkriegs bei den Partisanen und arbeitete nach Kriegsende als Journalist und Drehbuchautor. Goldstein rief den Verlag Novi Liber ins Leben und gründete 1989 die erste nichtkommunistische Partei Kroatiens. Der Autor starb im Jahr 2017; seine Erzählung wurde ein Jahr später veröffentlicht.
Im Grunde handelt seine Erzählung von den Geschehnissen eines einziges Jahres, das so angefüllt war mit Grauen und entsetzlicher Gewalt, dass es für die Menschen im von den Deutschen besetzten Jugoslawien schien, als würde es niemals zu Ende gehen wollen.
Goldstein beschreibt die Schicksale vieler Menschen, die Täter oder Opfer waren in distanzierter Weise, ohne selbst Partei zu ergreifen. „1941 – Das Jahr, das nicht vergeht“ ist eine Art Geschichtsbuch, eine Reportage über diese schlimme Zeit, deren Spuren bis weit in die jüngste Vergangenheit hineinführten. Das Buch beschreibt unvorstellbare Geschehnisse mit einer literarischen Spannkraft, die das Lesen zum Erlebnis macht und vieles erklärt.

Nun haben Sie die Wahl – oder Sie lesen alle drei vorgestellten Bücher. Packen Sie die Romane in Ihr Urlaubsgepäck oder gönnen Sie sich damit ein Stück Kroatien zu Hause, ganz nach Belieben. Und weil Kroatiens Literaturszene mit vielen weiteren Überraschungen aufwarten kann, werden wir unsere Buchempfehlungen fortsetzen…

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