Noch mehr Bücher aus Kroatien

25 September 2019 AUTOR:

Zwei außergewöhnliche Frauen, ein Klassentreffen und Cowboys an der Adria – noch mehr Bücher aus Kroatien

kroatien

Das Urlaubsland Kroatien bietet eine Fülle von Themen, Schicksalen und Ereignissen, über die es sich trefflich schreiben lässt. Aber auch „Exoten“ vom anderen Ende der Welt finden Eingang in die kroatische Literatur unserer Zeit. Überzeugen Sie sich selbst von der Ideenvielfalt, mit der Autoren aus Kroatien ihre Leser begeistern.

Der Herbst hat nun auch im Kalender begonnen und damit eine Zeit, die wie dafür geschaffen ist, um in der sanften Septembersonne zu sitzen und zu schmökern. Ob Sie dies an der Adria tun, wo es noch schön warm ist und bestes Badewetter herrscht, oder ob Sie sich Kroatien in Buchform daheim ins Haus holen – wir haben noch einige Bücher für Sie ausgewählt, die Ihnen garantiert kurzweilige und erlebnisreiche Stunden bescheren.

Mexiko in Kroatien? – vom Leben einer großen Künstlerin

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Slavenka Drakulic zählt zu den bekanntesten Autorinnen Kroatiens. Die 1949 in Kroatien geborene Schriftstellerin erhielt 2005 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für ihren Roman „Keiner war dabei“. Sie schreibt für verschiedene Zeitungen und natürlich auch Romane über starke Frauen.
Mit ihrem 2007 erschienenen Roman „Frida“ entführt Slavenka Drakulic ihre Leser ins ferne Mexiko nach Coyoacan, einem Ort ganz in der Nähe der Metropole Mexiko City. Es ist ganz früh am Tag im Juli 1954, und Frida Kahlo, die exaltierte Ausnahmekünstlerin erlebt die letzten Stunden ihres bewegten Daseins.
Frida Kahlo liegt zwar im Sterben, hat jedoch noch genügend Kraft, um ihr Leben vor ihrem geistigen Auge Revue passieren zu lassen, bevor sie sich für den Freitod entscheidet, der allerdings nie bewiesen werden konnte. Ihr Leben war von schweren Schicksalsschlägen geprägt, und dennoch gab die Malerin niemals auf, selbst dann nicht, als sie nach einer Kinderlähmung und einem schweren Unfall ans Bett gefesselt war und starke Schmerzen litt.

Ehefrau eines Genies – Glück oder Bürde?

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Wie es wohl sein muss, an der Seite eines Genies zu leben und alle eigenen Wünsche zurückstellen zu müssen? Slavenka Drakulic gelang mit ihrem Roman „Mileva Einstein oder Die Theorie der Einsamkeit“ ein großes Buch, das uns eine weitere starke Frau näherbringt. Mit großem Einfühlungsvermögen beschreibt die Autorin die Frau an Albert Einsteins Seite, die ihre eigenen Talente und Begabungen verleugnete, um ganz und gar für ihren Ehemann da zu sein und ihn zu unterstützen.
Mileva, die selbst Physik studierte und mit ihrem Mann auf Augenhöhe diskutierte, war Einstein eine gleichberechtigte Partnerin, die jedoch ihren eigenen Lebenstraum hinter die Karriere des Genies stellte. Als die Ehe nach mehr als zehn Jahren zerbrach, stand Mileva vor den Trümmern ihres Lebens. Die Geschichte ist bezeichnend für die Gesellschaftsstrukturen des beginnenden 20. Jahrhunderts, in denen den Frauen das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben verweigert wurde. Es ist ein sehr bewegendes Buch, das mit großen Gefühlen und viel Engagement aufwartet und dabei auch sehr spannend zu lesen ist. „Mileva Einstein oder Die Theorie der Einsamkeit“ ist 2018 erschienen und wurde von Katharina Wolf-Grießhaber vom Kroatischen ins Deutsche übersetzt.

Eine Klassenfahrt wird zur Vergangenheitsbewältigung auf der Adria

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Der 1961 in Zagreb geborene Schriftsteller Zoran Feric weiß, wovon er schreibt. Denn als Gymnasiallehrer sind ihm die Themen Schule, Abitur und Klassentreffen stets Dauerbrenner geblieben, was seinem 2012 erschienen Roman zugutekommt. „Das Alter kam am 23. Mai gegen 11 Uhr“, so lautet der etwas sperrig anmutende Titel des 480 Seiten umfassenden Romans. Das Buch handelt von einem Abiturtreffen der Klasse eines Zagreber Gymnasiums, das nach vielen Jahren an die erste Abiturfahrt anknüpfen soll.
Die Klasse will wieder auf einem Motorschiff an der dalmatinischen Küste entlangfahren, um wie damals zu feiern und um über die vergangenen Zeiten zu reden. Die mittlerweile alle in der Mitte der Sechzig stehenden ehemaligen Schüler ahnen jedoch nicht, dass aus dem nostalgischen Schwelgen in glorifizierten Schulzeiten eine Art Generalabrechnung wird, die diese Fahrt zum Höllentrip macht. Da wird eine alte Liebesgeschichte aufgewärmt, deren Folgen bis in die Gegenwart reichen und einigen Schülern einen gewaltigen Strich durch ihre Lebensrechnung machten. Emotionen kochen hoch und über, und die zwischenzeitlich gesetzten Beinahe-Ruheständler verwandeln sich mühelos in pubertierende Jugendliche, die alle Dramen dieser schwierigen Zeit nochmals durchleben.
Zoran Feric gelingt es, das Drama dieser Klassenfahrt mit viel hintergründigem schwarzem Humor trefflich und überaus spannend in Worte zu fassen, so dass der Leser bis zum Schluss im Unklaren darüber bleibt, wie die ganze Geschichte am Ende ausgehen wird…
„Das Alter kam am 23. Mai gegen elf Uhr“ ist ein gelungenes Werk über Liebe, Alter, Jugend und das beginnende Ende.

Der Wilde Westen in Kroatien – jetzt auch als Buch

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Geschichten über Cowboys und Indianer, die über die weite Prärie reiten und massenhaft Abenteuer erleben, sind in Kroatien nichts Neues. Man denke an die vielen Karl-May-Filme, die vor den faszinierenden Naturkulissen dieses Landes gedreht wurden.
Doch nun erscheint der Wilde Westen als Buch von Olja Savicevic, dessen verheißungsvoller Titel „Lebt wohl, Cowboys“ richtig neugierig macht. Die 1974 in Split geborene Autorin, die auch als Lyrikerin, Kolumnistin und Literaturkritikerin von sich reden macht, hat jedoch keine Indianergeschichten geschrieben, wenngleich die alten Westernfilme eine wichtige Rolle in diesem Roman spielen.
Die „Heldin“ des Romans kehrt an die dalmatinische Küste zurück, wo sie einst mit den Eltern und ihren Geschwistern lebte, um die Gründe über den Selbstmord ihres Bruders Danijel herauszufinden. Zusammen mit der Mutter und der älteren Schwester unternimmt Dada eine Reise in die Vergangenheit, um das große Unglück verstehen zu können, das ihre Familie bis heute nicht überwunden hat.
Bei den Recherchen über die gemeinsame Kindheit „entdeckt“ Dada, wie wichtig ihr, ihrem Bruder und den anderen Spielgefährten die Scharmützel zwischen Cowboys und Indianern waren, die sie damals nach den Vorbildern der alten Westernfilme selbst mit Herzblut in Szene gesetzt hatten. Das Sahnehäubchen auf dieser klug geschriebenen Geschichte ist der Film, der tatsächlich nahe des Orts gedreht wird und in dem ein alter Held aus längst vergangenen Zeiten einen in die Jahre gekommenen Cowboy spielt.
„Lebt wohl, Cowboys“ ist ein anrührendes, fast poetisch, zuweilen auch recht derb geschriebenes Buch über den Verlust der Kindheit und dem schmerzhaften Prozess des Erwachsenwerdens inmitten eines Cowboy-und-Indianer-Spektakels. Der Roman ist die ideale Reiselektüre für Kroatienurlauber, die in nostalgischen Gefühlen der kroatischen Wild-West-Romantik schwelgen möchten und dabei mit brillanter Unterhaltung belohnt werden.

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