Top Reiseziele Dalmatien – Trogir

16 Januar 2019 AUTOR:

Trogir – „Museumsstädtchen“ mit eigener Insel

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Diese Stadt könnte einem reich illustrierten Bilderbuch aus dem Mittelalter entsprungen sein: Trogir ist nach Dubrovnik die einzige Stadt Kroatiens, deren mittelalterliche Altstadt über die Jahrhunderte hinweg unverändert geblieben ist.

Die Stadt Trogir ist etwas ganz besonderes. Zum einen, weil Trogir auf einer eigens für diese Stadt geschaffenen Insel erbaut wurde, auf der die historische Altstadt bis heute residiert. Nun war es aber nicht so, dass man zu Zeiten der Stadtgründung massenhaft Erdreich anschleppte, um eine Insel aufzuhäufen. Der Kraftaufwand war wesentlich geringer, denn man errichtete die Stadt auf der vorhandenen Halbinsel und grub dann einen Kanal, der die nun geschaffene Insel vom Festland abtrennte.

Antiker Handelshafen, „revolutionäre Zelle“ und Mittelalter in der Neuzeit – die wechselvolle Historie von Trogir

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Im 3. Jahrhundert errichteten die zuerst auf der Insel Vis beheimateten Griechen die Siedlung Tragurion, was mit „Ziegeninsel“ übersetzt werden kann. Sie waren es auch, die aus der Halbinsel eine Insel machten. Die nachfolgenden Römer bauten Trogir zu einem bedeutenden Handelshafen aus, was vor allem dem hervorragenden Marmor geschuldet war, der in den Steinbrüchen nahe der Stadt abgebaut und von Trogir aus „in die ganze Welt“ verschifft wurde.
Nach dem Untergang des römischen Reichs wurde der Stadt nur noch ein Provinzstatus zugestanden, was sich änderte, als Kroaten in Trogir ansässig wurden, die sich jedoch heillos untereinander zerstritten. Derart mit sich selbst beschäftigt, wurde die Stadt zur leichten Beute von Seeräubern und Sarazenen auf Eroberungstour. Trogir wurde ausgeplündert und gebrandschatzt. Kaum war diese Gefahr gebannt, erschienen Mongolen vor den Toren der Stadt und forderten die Herausgabe von König Bela, der in Trogir Zuflucht gefunden hatte.
Die blutigen Aufstände der Bürger wurden von den Venezianern niedergeschlagen, die sich Trogir einverleibten, ausbeuteten und ihrer kroatischen Nationalität beraubten. Es kam erneut zu Bürgerkriegen, bis die einrückenden Franzosen 1806 den verhassten Feudalismus abschafften und ein neues Trogir mit Rechten für einfache Bürger errichteten. Dies währte so lange, bis Österreich ans Ruder kam und diesen Neuerungen den Garaus machte, was dazu führte, dass die Bewohner der Stadt im Revolutionsjahr 1848 überaus aktiv und engagiert zugange waren.
Eine Revolution gab es auch im Jahr 1932, jedoch verlief dieser Aufstand unblutig, dafür umso staubiger. Als das faschistische Italien am 1. Januar 1932 die Parole verkündete: „Wo der Steinlöwe ist, ist auch Italien“, rissen die Bewohner von Trogir alle venezianischen Löwen in der Stadt nieder – und es gab viele davon. Die Ausrottung der steinernen Löwen beschäftigte damals sogar den Völkerbund in Genf. Doch wenn Sie ganz genau hinschauen, werden Sie schon noch die eine oder andere Großkatze entdecken, beispielsweise in der Kathedrale, die von Löwen bewacht wird. Aber es sind keine von Venedig errichteten Tiere, also wurde ihnen das Bleiberecht gewährt…

Eine eindrucksvolle Kathedrale, prächtige Paläste und eine königliche Kopfbedeckung – die Attraktionen von Trogir

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Nach Autos werden Sie in Trogir vergeblich Ausschau halten, da die Stadttore zu schmal für diese neuzeitliche Erfindung sind. Dafür bietet sich Ihren Augen ein Stadtbild, das mittelalterlicher kaum sein könnte. Enge Gässchen schlängeln sich durch das Häusergewirr und führen Sie zu prunkvollen Adelspalästen, in lauschige Ecken und natürlich zu der alles beherrschenden Kathedrale. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die gesamte Altstadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.
Spazieren Sie über die steinerne Brücke auf die Altstadtinsel und betreten Sie Trogir durch das Landtor. Ebenfalls ein noch sehr ansehnliches Überbleibsel der mittelalterlichen Festungsmauern ist der runde Turm Sv. Marko, der seit dem 15. Jahrhundert unverändert an seinem Platz steht, nur seine aktuelle Verwendung dient als „Haus der dalmatinischen Musik“ ganz offenbar friedlicheren Zwecken.
Unterwegs zum alten Kastell begegnen Sie der unverkennbar französisch anmutenden Gloriette, die einst Marschall Marmont, dem Heerführer Napoleons zu Ehren errichtet wurde. Bald schon stehen Sie vor dem im 14. Jahrhundert erbauten Kastell, dessen dicker neuneckiger Turm auch heute noch Respekt einflößt. Die Venezianer erweiterten die Festung, die dann die Bezeichnung Kastell Kamerlengo erhielt. Heute geht es in diesem einst wehrhaften Gemäuer fröhlich und kurzweilig zu, da es als Veranstaltungsort von Konzerten und Freilichtaufführungen der verschiedensten Art dient. Von der Festung aus haben Sie einen herrlichen Blick auf die Altstadt und die vorgelagerte Insel Ciovo.
Auf dem Weg in das Stadtzentrum gelangen Sie über die Palmenpromenade zum Dominikanerkloster, das über eine gotische Kirche aus dem 14. Jahrhundert und eine beeindruckende Kunstsammlung verfügt. Nur einige Schritte weiter erwartet Sie schon das Nikolauskloster, das neben der obligatorischen Kirche ebenfalls mit einem Museum aufwarten kann. Es folgt die Abtei des heiligen Johannes des Täufers, die ein Lapidarium und eine sakrale Kunstsammlung zu bieten hat.
Derart eingestimmt können Sie nun die Kathedrale bewundern, mit deren Bau im Jahr 1123 begonnen wurde. Vollendet wurde das weit über Trogir hinaus berühmte Gotteshaus erst 400 Jahre später, entsprechend vielfältig ist es ausgestattet, denn von der Romanik über die Gotik bis zur Renaissance ist so ziemlich jede Stilrichtung darin enthalten.
Beeindruckend ist auch die reich bestückte Schatzkammer der Kathedrale, deren Hauptattraktion ein eher alltäglicher und überaus weltlicher Gegenstand ist – König Belas Kapuze. Die königliche Kopfbedeckung hat sogar den Stellenwert einer Reliquie, so wichtig ist sie den Bewohnern von Trogir.
Als König Bela im Jahr 242 auf der Flucht vor den Tataren war, wurde er von den Bewohnern der Stadt begeistert aufgenommen und auf der kleinen Insel Ciovo versteckt. Zum Dank für die großzügige Unterstützung hinterließ der König Trogir einige Besitztümer in der Stadt Split und vor allem seine Kapuze, die Sie in der Schatzkammer der Kathedrale bewundern können.
Als Folge des königlichen Erbes waren die Städte Trogir und Split über viele Jahre miteinander verfeindet und führten einen langen blutigen Krieg…

Ein schönes und vor allem nahegelegenes Ausflugsziel ist die kleine Insel Ciovo, die durch eine Zugbrücke mit Trogir verbunden ist. Besonders Bootsbesitzer legen gerne in der Marina von Ciovo an, um von hier aus zu Erkundungstouren in die dalmatinische Inselwelt zu starten.
Ciovo wird stetig zum Urlaubsziel ausgebaut und erfreut sich einer jährlich zunehmenden Besucherzahl. Noch ist das etwa 30 Quadratkilometer große Eiland recht idyllisch, doch gibt es hier durchaus schon Bereiche, wo es sehr lebhaft und so mancher Party wegen auch recht turbulent zugeht. Doch finden Sie auf Ciovo noch schöne abgelegene Badeplätze, wo Sie durchaus meinen könnten, die „hauseigene“ Insel von Trogir ganz für sich alleine zu haben…

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