Trachten in Kroatien

11 Oktober 2019 AUTOR:

Reich geschmücktes Kunsthandwerk aus Wolle, Leinen und Seide – Trachten in Kroatien

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Ob am Meer, an der Küste, im Gebirge oder im „kontinentalen“ Bereich von Kroatien – Trachten spielen überall im Land eine große Rolle. Die kunstvoll gearbeitete Folklorekleidung sieht überall ein wenig anders aus, wird jedoch stets üppig bestickt und mit funkelndem Silberschmuck bestückt. Eines haben die kroatischen Volkstrachten gemeinsam: sie sind in liebevoller Handarbeit entstanden und werden zu festlichen Anlässen auch heute noch getragen.

Es versteht sich von selbst, dass die aufwändig gewebten, genähten und bestickten Trachten nicht zur Alltagskleidung gehören. Auch werden sie nicht mehr ganz so häufig getragen, wie es noch vor einigen Jahrzehnten üblich war. Dennoch gehören die Volkstrachten zum kroatischen Brauchtum dazu, zumal sie nach jahrhundertealten Überlieferungen in liebevoll gepflegter Tradition angefertigt werden.
Jede Region hat ihre eigenen Trachten. Das ist auch in Kroatien so Sitte und kann auf jedem Volksfest und an den Feier- und Festtagen bestaunt werden. Die bunten, reich bestickten und meisterhaft hergestellten Volkstrachten sind vor allem in ländlichen Gebieten noch häufiger zu sehen, wo sich selbst in kleinen Dörfern eigene Interpretationen der Festgewänder herausgebildet haben. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der Kontinentalen Tracht, der Gebirgs- und Küstentracht und der Tracht am Meer.

Warm verpackt mit Wolle und Pelz – die Kontinentale Tracht

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Wer sich mit den Wetterverhältnissen im Allgemeinen auskennt, weiß, dass es im Landesinneren weit weg vom Meer im Winter oft sehr kalt sein kann. Da diese Wetterregel auch für Kroatien gilt, sind die Trachten, die in Kontinentalkroatien getragen werden, auch aus wärmeren Materialien gefertigt, als dies auf den Inseln üblich ist.
Das strengere Klima erfordert kuschelige Hüllen, die aus Pelz und Wolle genäht werden. Selbstverständlich ist auch in dieser Region edles Leinen Pflicht, doch eben unter dem wärmenden Schutz dicker wolliger Jacken und Westen, die gerne noch mit einem Pelzbesatz versehen sind. Und weil der Mensch überall am Körper frieren kann, werden im Landesinneren die mit Leinen umwickelten Füße anstatt in grazile Riemenschuhe eben in Stiefel gesteckt.
Während der Sommermonate darf die Winterausrüstung dann in den Schrank, um leichten Stoffen Platz zu machen. Die Trachten der Frauen sind kunstvoll mit Tier- und Pflanzenmotiven bestickt. Dazu kommen rote, weiße und blaue Bänder aus Wolle und Seide sowie diverser Besatz aus Spitzen und Zierbändern. Damit nicht genug schmücken sich die Frauen mit allerlei Schmuck aus Silber, Korallen, Perlen und Bernstein. Das zu Zöpfen geflochtene Haar wird bei verheirateten Frauen mit Stoff oder einem Kopftuch aus Seide bedeckt. Unverheiratete Mädchen flechten sich rote Bänder ins Haar, und eine Braut trägt sogar eine Krone und so viel Schmuck, wie ihr möglich ist.
Die Männer tragen Hose, Hemd und eine dicke Weste, über die bei Kälte noch eine Jacke oder ein Mantel angezogen werden kann. Eine Besonderheit in dieser Region ist die kleine Schürze, die Baranja genannt und von den Männern über der Hose getragen wird.

Der „Übergang“ von der Kälte in wärmere Gefilde – die Gebirgs- und Küstentracht

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Im Gebirge sind Schafe ein Zeichen des Reichtums und Wohlstands, was sich auch in den Trachten dieser Gebiete wiederspiegelt. Wolle, wohin man schaut, und dazu noch in vielen leuchtenden Farben. Die Wolle wird noch vor dem Weben gefärbt und dann zu Röcken, Hosen, Jacken und Strümpfen verarbeitet. Nur die Hemden sind auch hier aus Leinen, sowohl bei den Frauen als auch bei den Männertrachten.
Auch die roten Kappen, an denen Bänder befestigt sind, werden von beiden Geschlechtern als Kopfbedeckung getragen. Manchmal stecken sich die jungen Leute auch Pfauenfedern an die Kappe, da der stolze und wohl auch ein wenig eitle Vogel dafür bekannt ist, vor bösen Zaubern und Hexerei zu schützen. Unter der Kappe tragen die Frauen noch weiße Kopftücher, die mit Nadeln befestigt werden. Manche Kopftücher haben sogar einen Zierschleier, der den Festtagsaufputz nochmal kräftig aufhübscht.
Zur Frauentracht gehören lange Hemden mit geometrischen Motiven, über die ein Kleid und eine Schürze getragen werden. Die Kleider der unverheirateten Mädchen sind weiß; verheiratete Frauen gewanden sich jedoch in Blau. Ein Gürtel hält das Ganze zusammen und dient gleichzeitig als schmückendes Element. Nun kommt der Silberschmuck, der als Ohrringe, Silbermünzen, Haarnadeln oder als Brustschmuck mit kleinen Metallblättchen in Erscheinung tritt.
Auch die Männer können sich sehen lassen, wenngleich bei ihnen das Thema Schmuck keine Rolle spielt. Dafür wird zum Leinenhemd eine bis an die Knöchel reichende Hose aus blauem Stoff getragen. Weiterhin eine Lederweste sowie eine blaue oder braune Jacke. Ein roter Gürtel um die Taille dient als farbenfroher Hingucker, in den die kleine Pistole gesteckt wird, die zur Tracht dazugehört.
Je weiter die Menschen zur Küste hin wohnen, umso leichter werden die Trachten. Die warmen, dicken Stoffe machen luftigeren Materialen Platz, zumindest während der warmen Jahreszeit.

Leinen, Baumwolle und Seide – Trachten am Meer

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Direkt am Meer und auf den Inseln werden auch die Volkstrachten sehr viel dünner und kommen ohne wärmende Schichten aus. Wolle und Pelz werden von Baumwolle und Seide abgelöst, und Leinen ist auch in diesen Regionen wesentlicher Bestandteil der folkloristischen Bekleidung.
Die Hemden und Blusen aus Leinen haben kurze Ärmel, die Strümpfe sind aus Baumwolle gewirkt, und selbst die Jacken sind ganz und gar ärmellos. Nun kommt sogar kostbare Seide dazu, die zu Gürteln, Stickereien oder Tüchern verarbeitet wird. Die Frauenhemden haben breite Ärmel und werden mit Seidenstickereien und Spitzen verziert. Die Röcke werden so genäht, dass sie durch die dicht an dicht gelegten Falten sehr steif und aufgebauscht wirken. Auch die Kopftücher haben Spitzenbesätze, die ebenso gearbeitet sind, wie die Spitze an den Hemden.
Die Männer gehen in Blau und binden sich rote Seidentücher um die Taille. Eine rote Kappe als Kopfbedeckung macht die farbenfrohe Ausstattung perfekt. Schmückendes Beiwerk, wie goldene Bänder an Westen und Hosen machen aus den Herren der Schöpfung glänzende Erscheinungen.
Es versteht sich von selbst, dass auch die Frauen am Schmuck nicht sparen. In diesen Regionen sind die Ohrringe, die Ketten und die Haarspangen nicht nur aus edlem Gold und Silber, sondern auch sehr fein und filigran gearbeitet. Kenner der kroatischen Trachten können die jeweilige Herkunft der Trägerin an der Machart des Geschmeides bestimmen.

Wohin auch immer Sie sich in Kroatien auf die Suche nach Volkstrachten begeben, können Sie stets sicher sein, dass es sich bei der jeweiligen Tracht um Unikate handelt, die in akribischer Handarbeit gefertigt wurden. Jedes Stück sieht ein wenig anders aus, sei es im Farbton, in der Stickerei oder in der Machart der Spitze. Früher sagte man, dass man anhand der üppig verzierten Tracht die reichen Familien erkennen konnten. Ob das heute anders ist?

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