Traditionen und Bräuche in Kroatien

4 Oktober 2019 AUTOR:

Ritterliche Reiterspiele, tanzende Säbel und wirbelnde Schwerter – akrobatisch anmutendes Brauchtum in Kroatien

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Traditionen, Bräuche und das Pflegen alter Überlieferungen sind den Menschen in Kroatien sehr wichtig. Das zeigt sich auch in den vielen Volksfesten und alljährlich wiederkehrenden Veranstaltungen, deren künstlerisch dargebrachten Tänze und Reitturniere begeisterte Besucher von weit her anlocken.

Überall in Kroatien wird gern und ausgiebig gefeiert. Dazu bedarf es oft nicht viel, und doch lassen sich die Städte, Dörfer und Gemeinden in allen kroatischen Regionen allerlei einfallen, um ihre Festgäste mit tänzerischen oder „kämpferischen“ Darbietungen zu erfreuen, deren Ursprünge meist viele Jahrhunderte lang zurückliegen. Was für den Zuschauer oft spielerisch oder leichtfüßig ausschauen mag, ist in Wirklichkeit in Tanz oder Reiterspiele umgesetzte Vergangenheit, die großes Geschick erfordern und damals alles andere als ein Vergnügen waren.

Farbenprächtiges Spektakel mit Ross und Reitern – die Sinjska Alka

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David gegen Goliath – oder wie 60.000 Türken von 700 tapferen Sinjern in die Flucht geschlagen wurden. So könnte man die Reiterkampfspiele von Sinj in aller Kürze beschreiben, die alljährlich am 1. Sonntag im August mit großem Aufwand veranstaltet werden.
Das in rasantem Tempo durchgeführte Reiterturnier „wurzelt“ in der Zeit der Türkenkriege zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Als im Jahr 1715 das gewaltige türkische Heer Sinj belagerte, schien die Lage für das mittelalterliche Städtchen im Hinterland von Dalmatien aussichtslos zu sein. Ganze 15 Tage konnte Sinj den Attacken des Feindes standhalten, dann waren sowohl die Vorräte als auch die Kräfte der Stadt erschöpft. Die massiven Angriffe der Türken hatten große Lücken in die Stadtmauern gerissen, und die unerbittlich abgeschossenen Kanonenkugeln richteten große Verwüstungen an den Häusern von Sinj an.
Es gab noch eine letzte Chance, um der drohenden Erstürmung von Sinj zu entgehen: Eine mit letzten Kräften ausgeführte Attacke der 700 in der Stadt eingeschlossenen Verteidiger sollte die Befreiung bringen. Todesmut oder Überheblichkeit? Weder noch, denn die Sinjer waren sich eines starken himmlischen Beistandes sicher, so weiß es jedenfalls die Legende. Die ursprünglich vor den Toren der Stadt beheimatete Statue der „Wundertätigen Madonna“ war in die Festung gebracht worden und sollte nun den Eingeschlossenen beim Befreiungskampf helfen. So geschehen am 14. August, einem Tag vor Mariä Himmelfahrt.
Das funktionierte auch, dank der Hilfe der in einem Bittgottesdienst angerufenen Gottesmutter. Die Attacke fand statt und jagte das gesamte Heer von 60.000 türkischen Kavalleristen und Infanteristen in die Flucht. Die Türken suchten derart überstürzt das Weite, dass der Anführer der Osmanen, Pascha Mehmed Celic sogar sein Lieblingspferd vor Sinj zurücklassen musste!
Also ein Wunder, das bis heute begeistert gefeiert wird. Am Tag der Reiterkampfspiele wird nun eine Allee komplett mit Sand zugeschüttet, um den Pferden ein gutes Terrain zu bereiten. Das Fest beginnt mit einem Umzug, der von Ritterburschen und Morgensternträgern angeführt wird. Es folgt ein Träger, der den Schild des türkischen Paschas als stolze Trophäe präsentiert. Schließlich kommen der Herzog nebst seinen Adjutanten und dann die stolzen und siegreichen Ritter mit ihren Lanzen.
Dann beginnt das eigentliche Spektakel. Insgesamt 15 der flinksten und besten Reiter müssen eine 200 Meter lange Strecke in rasantem Galopp absolvieren und dabei mit ihren Lanzen einen Ring von nur fünf (!) Zentimeter Durchmesser treffen. Eine große sportliche Herausforderung. Der Sieger des Turniers erhält den viele Jahrhunderte alten Preis, nämlich den Schild des türkischen Paschas. Selbstverständlich ist dies ein Wanderpreis, der im Jahr darauf an den nächsten Gewinner abgegeben werden muss.
Bei diesem Fest mit den malerischen bunten Uniformen und Trachten gibt es natürlich auch viel zu Essen und zu Trinken. Es ist ein wichtiges Ereignis für Sinj, das bereits zu den beiden Generalproben am vorangehenden Freitag und Samstag jede Menge Zuschauer anlockt.
Noch eine Anmerkung zum Schluss: Die Türken ergriffen damals tatsächlich die Flucht, doch sehr wahrscheinlich wegen einer Bakterienvergiftung ihres Trinkwassers. Das Ergebnis war dasselbe, doch die Version mit der Wundertätigen Madonna ist doch sehr viel schöner.

Wirbelnde Waffen in Schwarz und Rot – Der Säbeltanz Moreska in und auf Korcula

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Überaus kriegerisch und waffengewaltig geht es auch auf der Insel Korcula zu. Dort wird in der gleichnamigen Inselhauptstadt von Ostern bis Ende Oktober der berühmte Säbeltanz Moreska aufgeführt, bei dem die Tänzer ordentlich mit den Säbeln rasseln und klirren. Auch diese Darbietung geht auf die Zeit der Türkenkriege zurück, hier sogar bis ins 16. Jahrhundert.
Die Moreska erinnert an die Belagerung der Stadt Korcula durch die Türken und ist einfach erklärt ein Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen. Die Tänzer sind in schwarze und rote Kostüme gewandet, wobei Rot für gut und Schwarz für böse steht.
Die Schwarzen, die stellvertretend für die Türken stehen, haben einen Königssohn namens Moro, der sich in die Braut des roten Königs Osman verliebt und sie kurzerhand entführt hat. Die verfeindeten Parteien wollen nun um die Braut des guten Königs kämpfen; der Gewinner soll das Mädchen haben – so einfach ist das. Es tobt eine unerbittliche Schlacht, die so heftig geführt wird, dass die Funken aus den Säbeln sprühen. Am Ende unterliegen die Schwarzen, deren Anführer seine Niederlage eingesteht. Die entführte Braut wird ihrem Bräutigam zurückgegeben, und alles wird gut.

Das insulare Säbelrasseln geht weiter – der Schwerttanz Kumpanija

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Und weil es so schön ist, findet auf der Insel Korcula in der einst größten Stadt Blato ein weiterer Säbel- oder Schwerttanz statt. Blato ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Insel, obwohl das Touristenaufgebot dort eher gering ist. Doch die Aufführungen des Kumpanija-Säbeltanzes lassen viele begeisterte Zuschauer nach Blato strömen, zumal die Tanzdarbietungen mittlerweile internationale Erfolge feiern.
Die Kumpanija ist seit 700 auf der Insel als traditioneller Schwerttanz bekannt, wird jedoch erst seit 1927 wieder regelmäßig aufgeführt. In früheren Jahrhunderten wurde vor dem Tanz ein Stier enthauptet, doch auf dieses blutige Opferritual verzichtete man im 20. Jahrhundert, was der Popularität dieser Darbietung keinerlei Abbruch tut.
In diesem Tanz kämpfen die Kumpanije, einstige Landwehrverbände, die der Inselverteidigung dienten, gegen anrückende Feinde. Hier kleiden sich die Tänzer in Rot, Schwarz und Weiß und lassen nicht nur die Säbel klirren, sondern liefern sich auch heftige Wortgefechte, die von Instrumenten wie Flöten, Dudelsäcken und Trommeln untermalt werden. Nach einem sehr kunstvoll ausgeführten Kampfestanz, bei dem selbstverständlich die Schwerter zum Einsatz kommen, wird eine Schlacht bis zum siegreichen Ende geschlagen. Am Schluss gesellen sich ebenfalls bunt gekleidete Mädchen zu den Kämpfern, und das kriegerische Getümmel endet im fröhlichen Tanz der Paare.
Die Kumpanija-Tänze werden außer in Blato auch in den Orten Smokvica und Cara aufgeführt. In Blato können Sie die Säbeltänze an mehreren Terminen bestaunen; die meisten Aufführungen finden im August und September statt.

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