Weihnachten in Kroatien

11 Dezember 2019 AUTOR:

Bunte Geschenke, köstliche Leckereien und allerlei Sitten und Gebräuche – Weihnachten in Kroatien

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Zur Weihnachtszeit geht es auch in Kroatien turbulent, genussreich und großzügig zu. Zahlreiche Bräuche wetteifern mit üppig gedeckten Tischen, und auch der Geschenkeberg lässt kaum noch Wünsche offen. Und dennoch wird das kroatische Weihnachtsfest ein ganz klein wenig anders gefeiert als im übrigen Europa.

Was unterscheidet das Weihnachtsfest in Kroatien von unseren gewohnten Traditionen? Natürlich gibt es viele Gemeinsamkeiten, vor allem was die Geschenke, das Schlemmen und die Vorbereitungen anbelangt. Aber einige Rituale sind doch anders als in unseren Breiten. Der Reichtum an weihnachtlichen Traditionen geht in Kroatien sogar soweit, dass das Brauchtum je nach Region völlig unterschiedlich sein kann. Also Weihnachtsvielfalt an der Adria – wir wollen es genauer wissen.

Grüner Weizen oder Holzscheite, Krippe und Stroh? – Altbewährtes trifft modernen Zeitgeist

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Was bei uns die Barbarazweige sind, wächst in kroatischen Haushalten als Weizen in Schalen oder kleinen Töpfen. Der Weihnachtsweizen wird bereits in den ersten Dezembertagen ausgesät, damit er zum Fest in sattem Grün als Sinnbild für Wohlstand und ausreichend Nahrung für das neue Jahr seinen Teil zum Feiertagsschmuck beiträgt.
Während wir am 4. Dezember die Barbarazweige schneiden, sie in die Vasen stellen und hoffen, dass die Obstknospen bis zum Heiligen Abend aufgeblüht sind, wird in Kroatien eben Weizen gesät. Am Feiertag der heiligen Barbara liegen den kroatischen Zeitungen kleine Tütchen mit Weizenkörnern bei, die erst vorgekeimt werden, um dann mit genügend Wasser versehen bis zum Weihnachtsfest zu saftigem Weizengras „gezogen“ zu werden.

Wer einen Kamin sein Eigen nennt, holt am Heiligen Abend drei besonders großzügig bemessene Holzscheite ins Haus. Sie werden am Nachmittag angefacht, denn mit ihrer Glut werden wiederum die Weihnachtskerzen angezündet, die das Fest einläuten. Die Holzscheite stellen symbolisch die Heilige Dreifaltigkeit dar, der noch vor gar nicht allzu langer Zeit sogar heidnische Bräuche beigemischt wurden: Man gab Wein und Speisen in die Glut, denn diese „Opfergaben“ sollten dem Feuer danken und es gnädig stimmen, damit es dem Haus und seinen Bewohnern auch das nächste Jahr über gewogen bleibt und keinen Schaden anrichtet…

Noch älter als der Brauch mit den Holzscheiten ist der Ritus, ein Bündel Stroh ins Haus zu bringen. Dann weiß jedes Familienmitglied, dass es bis zum Beginn des Festes nur noch wenige Minuten dauern kann. Nun verteilt der Herr des Hauses das Stroh unter dem Tisch und gibt damit das Signal, mit den Weihnachtsfeierlichkeiten zu beginnen.
Nachdem das Abendessen verzehrt war, setzte sich die Familie ins Stroh (in manchen Haushalten legt man dazu etwas Stroh auf die Stühle, um das Ganze etwas weniger mühevoll zu gestalten) und unterhielt sich solange, bis es Zeit war, in die Mitternachtsmesse zu gehen. In manchen Gegenden schliefen die Menschen in der Christnacht sogar auf dem Stroh, um dem neugeborenen Jesus besonders nahe zu sein.

Ein Weihnachten ohne Krippe ist auch in Kroatien nicht denkbar. Es ist überlieferter Brauch, die meist handgefertigten Krippen in der Familie von Generation zu Generation weiterzugeben. Beinahe jede Familie kann unter ihren Ahnen irgendwann einen guten Holzschnitzer vorweisen, dem ein solches Kunstwerk gelungen ist, das dann sorgsam gepflegt und weitergereicht wird. Manchmal werden die Krippen um einzelne Figuren ergänzt, so dass im Laufe der Jahrzehnte der eine oder andere Engel, ein Hirte mit Schafen oder weitere Esel und Ochsen dazugekommen sind.
Und selbstverständlich stehen in den kroatischen Wohnstuben auch reich geschmückte Weihnachtsbäume. Meist sind es Fichten, Tannen oder Kiefern, die ungefähr seit den 1850er Jahren zuerst mit Äpfeln und Nüssen behängt wurden, später jedoch mit Kugeln, Kerzen, Lametta und allerlei buntem Schmuck erstrahlten, woran sich bis heute nichts geändert hat.
Vor dieser Zeit wurde diese Aufgabe von Olivenbäumen wahrgenommen, die erst am 24. Dezember geschlagen wurden. Wenn man dazu mehr als drei Axthiebe benötigte, und das Bäumchen dann gar auf die Erde fiel, wurde das als schlechtes Omen gewertet. Gut war es jedoch, einen dicken Brocken Holz aus dem Olivenbaum zu schlagen, der im Herdfeuer verbrannt wurde. Die Asche wurde danach auf den Feldern und im Gemüsegarten verstreut, um eine reichliche Ernte im kommenden Jahr zu garantieren.

Fisch, allerlei Geflügel und „kostbarer“ Pudding – Leckereien zum Weihnachtsfest

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Schon lange vor Adventsbeginn zerbrechen sich viele Hausfrauen darüber den Kopf, was sie an Köstlichkeiten zum Fest auftischen sollen. Dabei ist es eigentlich ganz einfach, wenn man sich an die traditionellen Leckerbissen hält, die in Kroatien an Weihnachten guter Brauch sind.
Zum Heiligen Abend muss Fisch auf den Tisch. Dabei führt der Karpfen die Rangliste der geschuppten Delikatessen unangefochten an. So ziemlich jede Region hat da ihre eigenen Rezepte, wie der meist sehr große Fisch zubereitet und serviert wird.
Ernsthafte Konkurrenz erfährt der Karpfen jedoch in Dalmatien, wo sich der Stockfisch vordrängelt. Man muss ihn mögen, den Bakalar, denn er sieht nicht nur aus, als sei er aus Leder, er fühlt sich auch genauso an. Auch entfaltet er beim Kochen nicht gerade ambrosische Düfte, was seiner Beliebtheit jedoch keinerlei Abbruch tut. Der Stockfisch wird gern mit Kartoffeln als Beilage verspeist und trägt ganz entscheidend zu einem gelungenen Heiligen Abend bei.
In den Öfen und auf den Herden schmoren in vielen Haushalten duftende Braten, die noch kurz zuvor Flügel trugen. So sind Gänse, Puten, Hähnchen oder Enten im dalmatinischen Binnenland die beliebtesten Weihnachtsbraten.
Rustikal wird es am ersten Weihnachtstag in Gorski Kotar, wo mit Hackfleisch und Reis gefüllte Krautwickel in den Töpfen schmurgeln. Dagegen freut man sich in Slawonien und Zagorje auf saftiges Spanferkel. Auch knuspriger Schweinebraten und zartes Lamm gehören zum Weihnachtsfest dazu wie die Kerze auf den Baum.
Obwohl diese Köstlichkeiten mehr als üppig sind und auch in großen Mengen verzehrt werden, ist immer noch ein kleines Plätzchen für den Nachtisch da. Süß muss er sein und an Fett fehlt es auch nicht, denn diese beiden Zutaten sind bekanntlich Geschmacksverstärker, die das Dessert erst richtig zum Hochgenuss machen.
Ein wahrhaft delikater Nachtisch ist die in Dalmatien beliebte Rozata. Dieser Vanillepudding oder auch Flan schmeckt herrlich nach Karamell und wird mit einer echten kulinarischen Kostbarkeit zubereitet: einige Tropfen echtes Rosenwasser geben der Rozata ihren unvergleichlich himmlischen Geschmack…
Und es gibt noch Eis in allen Variationen. Dazu gesellen sich frittierte Hefebällchen sowie Nuss- oder Mohnrollen. Auch eine Art Gugelhupf findet im kroatischen Norden einen Ehrenplatz auf der Weihnachtstafel. Der „Guglof“ genannte Kuchen ist ein Überbleibsel aus den alten Habsburger Zeiten und schmeckt zeitlos gut.

Wenn diese Gaumenfreuden schließlich alle verspeist sind, ist Weihnachten vorbei. Das ist auch gut so, denn sehr viel länger könnte man diese Schlemmereien wohl nicht fortsetzen, zumal am Horizont schon der Jahreswechsel winkt, an dem bekanntlich auch nicht gefastet wird…

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