Wissenswertes über Kroatien – Die Erfindung des Tintenfüllers

25 Juli 2018 AUTOR:

Schönschrift ohne hässliche Kleckse – die Erfindung des Tintenfüllers

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Wer mit Tinte schreibt, braucht sich nicht weiter um eine gute Schrift zu bemühen. Doch beim Eintauchen der Feder in das Tintenfass gab es oft unschöne Nebenprodukte auf dem damals noch kostbaren Papier – die Kleckse. Damit machte die geniale Erfindung von Slavoljub Penkala ein für alle Mal Schluss, denn er ersann den Tintenfüller.

Schreibfedern und Tintenfässer zählten noch vor hundert Jahren zur Grundausstattung jedes Schülers. Sogar die Schulbänke enthielten Vertiefungen, die mit Glaseinsätzen ausgestattet waren. Darin befand sich Tinte, die natürlich zum Schreiben diente, jedoch oft von den Schulkindern zu Streichen zweckentfremdet wurden. So tauchte man beispielsweise das Zopfende des Mädchens in das Fass, das vor einem saß. Diese schüttelte irgendwann ihren Kopf, und die Schweinerei nahm größere Ausmaße an…

Slavoljub Penkala – vielseitiger Erfinder mit einem Faible fürs Schreiben

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Wie bezeichnet man einen Menschen, der zahllose Erfindungen sein Eigen nennen konnte und rund 80 Patente anmeldete? Entdecker, Genie oder ein findiger Geist, der niemals zur Ruhe kam? Slavoljub Penkala war solch ein nimmermüder Schöpfer zahlreicher großer und kleiner Konstruktionen, die sein übersprudelnder Erfindungsgeist nahezu unablässig hervorbrachte. Er erfand viele Dinge, die das Leben sehr viel einfacher machten, als es zuvor gewesen war. Die Liste seiner Entdeckungen reichte von Waschmitteln über Zahnbürsten und Wärmflaschen bis zu Mikrofonen und diversen Messgeräten. Doch sein wohl größter Geniestreich war ein Tintenfüller, der das Schreiben geradezu revolutionierte.
Slavoljub Eduard Penkala wurde 1871 in der Slowakei geboren, seine Familie stammte jedoch aus Polen und den Niederlanden. Penkala studierte Chemie in Dresden und lebte ab 1900 mit seiner Ehefrau in Zagreb, das er zu seiner Wahlheimat erkor, der er bis zu seinem Tod treu geblieben ist. Im Jahr 1904 nahm Penkala, der sich wegen seiner slawischen Wurzeln den Vornamen Slavoljub zugelegt hatte, seine Arbeit als österreichisch-ungarischer Maßkontrolleur auf. Diese Tätigkeit war nur dem Broterwerb geschuldet, denn Penkala nutzte jede freie Minute, um Neues auszutüfteln und in die Tat umzusetzen.
Schon als Kind soll er sich über Dinge den Kopf zerbrochen haben, die seinem Alter weit voraus waren. So überlegte er, weshalb man Bleistifte ständig nachspitzen musste und ob man dagegen etwas tun könnte. Und Penkala fiel tatsächlich etwas ein, um das lästige, Holzspäne verursachende Spitzen der Bleistifte ad acta zu legen. Er entfernte die herkömmliche Mine aus einem Bleistift und setzte seine „Patentmine“ aus Graphit ein. Etwas später fügte er noch eine Druckvorrichtung hinzu, und der Druckbleistift war geboren. Dieses Patent ist auch heute noch in aller Hände, nur wird kaum jemand wissen, wem wir diesen Geniestreich zu verdanken haben.
Als Penkala seinen Druckbleistift als „automatischer Bleistift“ im Jahr 1906 beim königlichen ungarischen Patentamt in Budapest anmeldete, ahnte er noch nicht, dass seine Erfindung sich bald schon in ganz Europa bewähren sollte. Die Nachfrage nach seinem Füllbleistift war so groß, dass der Erfinder in Zagreb eine Werkstatt einrichtete, die anfangs ausschließlich damit beschäftigt war, das neue Schreibutensil in großer Stückzahl herzustellen. Mangels Eigenkapital suchte Penkala nach einer Finanzierungsmöglichkeit für seine Werkstatt. Er schloss einen nicht eben vorteilhaften Vertrag mit den Gebrüdern Moster ab, zwei Zagreber Fabrikbesitzern, die zusammen mit Penkala die Fabrik Penkala-Moster gründeten, welche übrigens unter dem Namen Toz-Penkala heute noch existiert.
Einige Jahre nach seinem ersten Verkaufserfolg wandte sich Penkala seiner zweiten und noch größeren Entdeckung zu. Er ersann einen Füllfederhalter, der nicht aus dem Tintenfass betankt werden musste, sondern feste Tinte enthielt. Dieser Tintenfüller war gewissermaßen der Vorläufer des heutigen Kugelschreibers, der im Gegensatz zu Füllfederhaltern nun wirklich in jedem Haushalt in vielerlei Ausführungen zu finden ist. Es gibt sogar Theorien, wonach der Name Penkala für das englische Wort „pen“ für Füller oder Kugelschreiber herhalten musste.
Auch dieses neue Patent wurde in der Fabrik Penkala-Moster hergestellt und in mehr als 70 Länder auf der ganzen Welt exportiert. Die beiden Schreibgeräte waren die Hauptverkaufsschlager von Slavoljub Penkala, die ihm trotz großer Auflagen und Einnahmen jedoch kaum zu Reichtum verhalfen. Das lag nicht etwa am mangelnden Erfolg von Bleistift und Füller. Vielmehr war es dem unermüdlichen Erfinder nicht gegeben, gute Verträge auszuhandeln. So ging es Penkala zwar finanziell recht gut, doch bei weitem nicht so gut, wie es ihm bei einer größeren Beteiligung am Umsatz hätte gehen können…

Von der Thermosflasche bis zum Insektenvernichtungsmittel – weitere Geistesblitze des Zagreber Erfinders

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Slavoljub Penkala war ein fleißiger Tüftler, der es bis zu 80 Patenten gebracht hat. Und das bei einem nicht allzu langen Arbeitsleben. Es besteht keinerlei Zweifel daran, dass der automatische Bleistift und der Tintenfüller die beiden herausragenden Geniestreiche des Erfinders waren. Doch ersann sein findiger Geist noch weitaus mehr Nützliches, von dem einiges auch heute noch in unseren Haushalten zu finden ist.
Penkala erfand die erste rotierende Zahnbürste wahrscheinlich aus reiner Verzweiflung, weil seine Tochter Thea sich mit dem Zähneputzen so gar nicht anfreunden wollte. Es ist vielleicht auch dem Alltag mit seinen Kindern geschuldet, dass sich Slavoljub Penkala eine Thermohülle für Wärmflaschen ausdachte. Und weil er gerade so schön dabei war, ersann er auch gleich noch eine Thermosflasche dazu.
Sein Erfindungsgeist schreckte auch vor weniger appetitlichen Dingen wie Insektenvernichtungsmitteln nicht zurück. Penkala erfand eine Mixtur, die den in Eisenbahnschwellen beheimateten Parasiten an den Kragen ging. Auch Sauberkeit war ihm wichtig, und so ließ er auch ein Waschmittel zum Patent anmelden.
Unter seinen zahlreichen Entdeckungen befanden sich auch Flugzeugteile und sogar ganze Flugzeuge. Penkala erfand auch diverse Gerätschaften, um Gespräche abzuhören und aufzuzeichnen, wie Mikrophone und Aufnahmegeräte, die durchaus als Vorläufer der späteren Kassettenrekorder gelten können. Dazu gesellten sich verschiedene Typen von Batterien, ein Manometer und ein Dynamometer sowie Bremsen für Eisenbahnwaggons.

Als Slavoljub Penkala völlig überraschend zu Beginn des Jahres 1922 an einer Lungenentzündung starb, war er gerade 51 Jahre alt geworden. Man könnte jetzt Überlegungen anstellen, was er der Menschheit noch hinterlassen hätte, wären ihm noch zwanzig Lebensjahre beschieden worden.
Der große Erfinder wurde in Zagreb auf dem Mirogoj-Friedhof begraben. Die Stadt würdigte ihren Bürger, der Zagreb zu seiner Wahlheimat machte mit einem Denkmal. Sie können die Büste von Slavoljub Eduard Penkala vor dem Technischen Museum bewundern. Einen besseren Standort hätte man für das Universalgenie wohl kaum finden können.

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