Entdecke Dalmatien 3-35: Meeresorgel in Zadar

9 August 2016 AUTOR:

Meeresorgel in Zadar – zauberhafte Wassermusik mit mythischem Klang

Meeresorgel Zadar
Gibt es das: ein Instrument, das einzig und allein vom Wasser gespielt wird und dabei Klänge mit Symphoniecharakter erzeugt? Die von den Wellen der Adria betriebene Meeresorgel von Zadar zählt sicherlich zu den speziellsten und originellsten Musikinstrumenten weltweit.

Zadar ist eine der schönsten Küstenstädte Dalmatiens, die ihre Gäste mit großartiger Architektur, wertvollen Kunstschätzen, verschwiegenen Buchten und bezaubernden Promenaden und Stränden begeistert. Obwohl die Stadt an der Adria im Laufe ihres Bestehens schon einiges erdulden musste, ist ihr davon heute nichts anzusehen. Zumindest nicht auf den ersten Blick, und nur für diejenigen, die immer ganz genau hinschauen.

Zu den Sehenswürdigkeiten der Antike, dem Mittelalter und der Renaissance haben sich in neuerer Zeit noch einige hinzugesellt, von denen wir Ihnen ein Highlight ganz besonders ans Herz legen möchten. Es ist eine Attraktion, die nicht so sehr das Auge, als vielmehr die Ohren entzückt und erfreut. Die Meeresorgel lockt zu jeder Jahreszeit neugierige Besucher und Stadtbummler an die Ufer der Adria, wo sie teils sanft, teils volltönend und oft auch mit gewaltigem Brausen erklingt.

Symphonische Klänge beleben tristen Beton – von der Entstehung der Meeresmusik

Meeresorgel Zadar
Zadar hat sich nach allen kriegerischen Zerstörungen und Brandschatzungen wieder erholt und die eigene Renaissance mit viel Fleiß und Geschick betrieben. So konnte die Stadt sich stets ihr ganz besonderes Flair erhalten, in dessen Bann sich jeder Besucher mit Begeisterung ziehen lässt. Viele bedeutende Baudenkmäler aus antiken und mittelalterlichen Zeiten blieben erhalten, was zusammen mit dem guten Klima und dem mediterranen Charme der Stadt Besucherströme aus der ganzen Welt nach Zadar lockt.

Doch es gibt auch weniger reizvolle Anblicke, die dann besonders auffällig in Erscheinung treten, wenn sie sich in exponierter Lage befinden. So auch die Uferpromenade der Stadt, die nach dem Zweiten Weltkrieg durch eine graue und eintönige Betonfläche ersetzt wurde. Dieser Zustand stach den Stadtvätern von Zadar wie ein Dorn ins Auge und man sann auf Abhilfe. Zur Jahrtausendwende wurde beschlossen, die Promenade neu zu gestalten und dabei optisch „aufzupeppen“. Das Projekt „nova riva“ war geboren, und viele namhafte Architekten und Künstler setzten ihre schöpferische Phantasie in zahlreiche Pläne und Gestaltungsmöglichkeiten um.
Meeresorgel
Der Architekt Nikola Basic brachte seine Idee der Meeresorgel ein, die er als einen Teil des nova-riva-Projektes in die Tat umsetzte, so dass die Meeresorgel am 15. April 2005 mit klangvollen Tönen eingeweiht werden konnte. Nun dürfen Sie sich nicht etwa eine Orgel von gewaltigen Ausmaßen vorstellen, die auf der Uferpromenade errichtet wurde und auf der ein auf Tasteninstrumente geschulter Organist den ganzen Tag virtuos spielt. Mit einer Orgel im herkömmlichen Sinn hat die Morske orgulje von Zadar kaum etwas gemein. Außer dem Umstand, dass die Töne in Röhren erzeugt werden, einer Art Orgelpfeifen also, die jedoch nicht in die Luft ragen, sondern unter der Promenade verborgen sind.

Die gesamte Meeresorgel ist 70 Meter breit und erscheint dem unvoreingenommenen Betrachter als eine langgezogene Treppe aus Stein, die bis ins Meer hineinführt. Die Spezialität dieser steinernen Stiege sind die an den Stufen angebrachten kleinen Öffnungen, die den Eingang zu den insgesamt 35 unter den Treppen verlegten Röhren bilden, die alle unterschiedlich lang und breit sind. Am Ende dieser röhrenartigen Gebilde sind Pfeifen angebracht, die dann die eigentlichen Töne erzeugen.

Strömt nun das Meerwasser in die Öffnungen an den Stufen, drückt die Kraft der Wellen Luft in die Röhren, die beim Passieren der Pfeifen Töne erzeugt. Dabei dienen ebenfalls aus Stein gefertigte Unterwassergänge als Resonanzkörper, um die Klänge zu verstärken.

Musik als Verständigung zwischen den Völkern – Absicht und Erfolg der Meeresorgel

Meeresorgel
Nikola Basic hat sich die Wirkung und den Erfolg seines Meeresinstruments genauso vorgestellt, wie es schließlich auch gekommen ist: Die Promenade von Zadar ist zu einem Treffpunkt geworden, wo sich Einheimische und Besucher zusammenfinden, um der Meeresorgel zu lauschen und dabei zu entspannen oder miteinander ins Gespräch zu kommen. Er wollte dieses ungewöhnliche Instrument zu einer Art Medium der Völkerverständigung machen, was durchschlagenden Erfolg erzielte, denn die Meeresorgel ist längst schon zu einem beliebten Anziehungspunkt und eine der Hauptattraktionen von Zadar geworden.

Viele Menschen kommen zur Promenade, weil die ungewohnten Töne sie anlocken. Die neugierigen Zuhörer stehen dann verblüfft auf den Treppenstufen und können sich oft nicht erklären, woher die seltsamen, an Orgelmusik erinnernden Töne plötzlich kommen. Es gibt Zuhörer, die einfach nur auf den Stufen sitzen und der Wassermusik hingerissen lauschen. Andere wiederum hüpfen aufgeregt umher und versuchen die Funktion der Meeresorgel zu ergründen. Dann wollen es manche Musikliebhaber wirklich ganz genau wissen, und sie zählen eifrig, wie viele Röhren es denn tatsächlich sind.

Der bewährte Satz, dass man über Geschmack nicht streiten kann, trifft auch auf die Meeresorgel zu. So sind die meistern „Orgelfans“ von den marinen Tönen überaus angetan und können ihnen stundenlang lauschen. Aber es gibt auch Menschen, die mit der Natur-Musik nicht allzu viel anfangen können. Beispielsweise manche Anwohner, denen das Meereskonzert zuweilen auf die Nerven geht. Auch das soll es geben. Doch zum Glück gibt es in Zadar noch viele andere schöne Ecken und Fleckchen, an denen man sich aufhalten kann.

Ganz in der Nähe der Meeresorgel können Sie gleich noch ein Meisterwerk des Architekten Nikola Basic bestaunen: An der äußersten Spitze der Halbinsel errichtete Basic den „Gruß an die Sonne“. Diese ebenfalls moderne Skulptur besteht aus 300 Glasplatten, die einen Kreis von etwa 22 Meter Durchmesser bilden. Die unter dem Glas liegenden Solarzellen speichern die Sonnenenergie über Tag auf, um sie am Abend als Licht wieder abzugeben. Das auf- und abschwellende Licht erinnert ein wenig an eine Disco, zu der die Meeresorgel den passenden Sound liefert. Die Musik ist übrigens für die Farbgebung und die Figuren verantwortlich, die das Licht in die Nacht zaubert. Die Meeresorgel sorgt für den Rhythmus, den das Licht überaus spektakulär in phantastische Ornamente, Farben und geometrische Muster umsetzt.

Genau an der Stelle von Basics Sonnendenkmal stand in den 1960er Jahren der für Gänsehauteffekte berühmte Regisseur Alfred Hitchcock, um hier in Zadar den seiner Meinung nach schönsten Sonnenuntergang der Welt zu genießen.

Lassen auch Sie diese von Menschenhand geschaffenen „Naturdenkmale“ auf sich wirken, bevor wir Zadar verlassen und uns auf den Weg in die echte, freie Natur machen.

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