Entdecke die Kvarner Bucht 21-40: Vrana-See

8 März 2016 AUTOR:

Vrana-See auf Cres – Naturphänomen und Wasserreservoir zugleich

Vrana-See
Süßwasser mitten in der Adria? Das gibt es tatsächlich auf Cres, wo Trinkwasser ohnehin Mangelware ist. Bestaunen Sie diese Laune der Natur, die einerseits wunderschön anzusehen ist, auf der anderen Seite einen echten Schatz darstellt, den die Bewohner der Inseln Cres und Losinj ganz besonders zu würdigen wissen.

Vom windigen Höhendorf Lubenice aus gelangen Sie im Handumdrehen zu unserem heutigen Reiseziel, dem See von Vrana, der auch Vrana-See, Vraner See oder in der Landessprache Vransko Jezero genannt wird.
Nun kann der Begriff Vrana-See gleich mit zweierlei Besonderheiten aufwarten. Zum einen ist er ein wichtiges Reservoir für Trinkwasser auf der Insel Cres. Die andere Kuriosität, die auch oft zu Missverständnissen führt, ist die, dass es diesen See in Kroatien gleich zweimal gibt. Eben auf der Insel Cres, und das ist „unser“ See, den wir nun entdecken möchten. Das andere Gewässer mit demselben Namen liegt auf dem Festland zwischen Zadar und Sibenik in einem Naturschutzgebiet, das Ornithologen großartige Möglichkeiten zur Beobachtung vieler Vogelarten bietet.

Ein Binnengewässer mitten im Meer – der Vrana See eine Laune der Natur?

Vrana-See
Was ist nun das Besondere am Vrana-See? Ist es seine Lage auf einer Insel und damit quasi mitten in der Adria? Oder hat es mit der hervorragenden Qualität seines Wassers zu tun? Beides ist zutreffend und darüber hinaus noch sehr viel mehr. Zuallererst dürfte es wohl das Naturphänomen als solches sein, das den Vransko Jezero auf Cres so spektakulär macht. Denn der See, der etwa 16 Kilometer südlich von der Inselhauptstadt Cres fast in der Mitte der Insel liegt, ist beeindruckende 74 Meter tief, 5,5 Kilometer lang und anderthalb Kilometer breit. Außerdem liegt er unter dem Meeresspiegel, während sein Wasserpegel höher ist als der der Adria. Als Süßwassersee auf einer Insel rangiert er unter seinen „Kollegen“ weltweit auf dem achten Platz. See Nummer eins auf der Erde ist der gewaltige Baikalsee.

Der beachtliche Inhalt des Vrana-Sees von sage und schreibe 200 Kubikmetern Wasser dient der Versorgung des Inselarchipels Cres und Losinj, den er mittels Aquädukten mit sauberem, klarem und wohlschmeckenden Trinkwasser „beliefert“. Das Seewasser ist je nach Jahreszeit unterschiedlich temperiert. So werden während der Sommermonate an der Oberfläche des Sees bis zu 25° Celsius gemessen, während das Wasser am Grund gerade mal 6° Celsius aufs Thermometer bringt. Im Winter einigt sich das Wasser im gesamten See auf durchschnittlich 4° Celsius.
Das klare, gesunde Wasser und die idealen Temperaturen bieten Süßwasserfischen wie Hechten, Schleien und Aale perfekte Wohlfühlbedingungen. Die im See umherschlängelnden Aale stellen Biologen auch heute noch vor ein bislang ungelöstes Rätsel. Diese Fische laichen ausschließlich im Meer, doch gibt es keinerlei Verbindung zwischen der Adria und dem Vrana-See. Wie also kommt der Aal in den See?

Von Gänsegeiern und Feen – die Bewohner und Nachbarn des Vrana-Sees

Vrana-See
Damit bereits ein Wunder der Natur, kann der See noch mit anderen Attraktionen aufwarten. Obwohl Cres mit seinen pittoresken rissigen Hügelketten und dem kargen, oft kahlen Boden, der mit zahllosen niedrigen Steinmäuerchen durchzogen ist, einen eher spärlichen Anblick bietet, täuscht dieser Eindruck. Mehr als 1.300 Pflanzenarten haben ihre Wurzeln hartnäckig in den karstigen Grund gegraben und führen auf der Insel ein nicht gerade üppiges, so doch unverwüstliches Pflanzenleben. Auch die Tierwelt ist mit großer Vielzahl und sogar seltenen Arten auf dem Eiland vertreten. Der Kiefernwald rings um den See ist ebenso idyllisch anzuschauen wie die hoch in den Lüften kreisenden Gänsegeier, die auf Cres eines der letzten Refugien gefunden haben, wo sie brüten und ihre Jungen aufziehen können.
Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, diesen majestätischen Vögeln beim scheinbar schwerelosen Schweben zuzuschauen und dabei die Ruhe und die Unberührtheit dieses Garten Edens zu genießen. Denn Schauen ist und bleibt die Hauptbeschäftigung, deren Sie sich voll und ganz widmen können. Das Hinabsteigen in den See ist ebenso untersagt wie schwimmen oder angeln. Hier hat die Natur absoluten Vorrang, und der Mensch darf sie mit gebührendem Abstand bestaunen und damit ihr Fortbestehen sichern.
Es wird Sie nicht weiter erstaunen zu erfahren, dass sich zahllose Sagen und Mythen um ein solches Phänomen wie den Vrana-See ranken. Es ist bis heute noch nicht restlos erforscht, wie das Süßwasser in den See gelangt. Früher vermutete man einen unterirdischen Zufluss vom Festland, doch von dieser Theorie hat man sich bereits wieder verabschiedet. Es handelt sich um einen sogenannten Kryptodepressions-See, bei dem der Wasserspiegel über dem des Meeres und der Boden des Sees unterhalb des Meeresspiegels liegen. Doch die Bewohner der umliegenden Orte sehen das anders: Ihrer Meinung nach wird der See von Feen bewohnt, die in den umliegenden Höhlen wohnen und auch in der versunkenen Burg residieren, die tief unten auf dem Grund des Sees versteckt ist.

Obwohl Sie am und im See selbst nicht aktiv werden können, ist ein Besuch dieses Naturwunders keinesfalls langweilig. Lubenice, das Dorf hoch über dem Meer ist nicht weit, wo Sie sich den Wind um die Nase wehen lassen oder unten am Strand einsame und erholsame Stunden verbringen können.
Valun
Auch im nahegelegenen Valun gibt es Interessantes zu bestaunen. Das autofreie Fischerstädtchen kann eine Kirche mit einem speziellen Schatz vorweisen. So unscheinbar sich das ockerfarbene kleine Gotteshaus von außen gibt, umso kostbarer ist die im Inneren der Kirche angebrachte Tafel von Valun. Sie enthält eine Inschrift, deren erste Zeile in Glagoliza geschrieben wurde, der ältesten kroatischen Sprache. Der übrige Text ist in Latein abgehalten. Die Tafel aus dem 11. bzw. 12. Jahrhundert zählt zu den bedeutendsten kulturhistorischen Schätzen des Landes. Sie wurde in der Wand der Sakristei eingemauert, doch über ihre Herkunft wird gerätselt, seit man die Tafel zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Kapelle des heute gänzlich verlassenen Dorfs Bucev gefunden hat.

Schwelgen Sie noch eine Weile in der unberührten Atmosphäre des Vraner Sees und wundern Sie sich nicht, wenn Sie sich plötzlich im Einklang mit der großartigen Natur und den darin lebenden Geschöpfen fühlen. Unsere nächste Etappe bringt Sie zwar wieder zu einer Insel, doch ist diese sehr viel kleiner als Cres. Außerdem hat dieses Eiland eine Besonderheit, die das freie und ungehinderte Umherschweifen gleich noch reizvoller macht, als es ohnehin schon ist.

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)

Kommentare sind bei diesem Beitrag leider nicht möglich.

AGB  |   Datenschutzerklärung  |   Impressum

Aktualisiert am      © Adrialin GmbH