Entdecke Dalmatien 9-35: Festungen von Sibenik

27 September 2016 AUTOR:

Die Festungen von Sibenik – imponierende Bastionen vor und in der Stadt

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Zusammen mit drei weiteren Bastionen beschützte die Festung St. Nikola die Stadt Sibenik einst vor feindlichen Angriffen. Während die anderen Befestigungsanlagen in der Stadt selbst erbaut wurden, scheint die Nikolausfestung direkt dem Meer entwachsen zu sein, dessen Wogen sie von allen Seiten umspült.

Sibenik war seit alters her eine schöne und bedeutende Stadt, deren strategisch günstige Lage an der Adria viele neidische Blicke auf sich zog. Gegründet wurde Sibenik schon als Bollwerk gegen das von Byzanz regierte Dalmatien. Erst als die Venezianer die Herrschaft über Dalmatien übernahmen, musste sich die Stadt den neuen Herren unterwerfen, die in Sibenik unverzüglich noch stärkere Festungsanlagen errichteten, um damit Schutz vor der drohenden Türkengefahr zu gewährleisten.
Im 16. Und 17. Jahrhundert musste sich Sibenik gegen die Osmanen verteidigen, die mehrmals in die Stadt eindrangen und sie einzunehmen versuchten. Es ist sicherlich auch den vier Festungen zu verdanken, dass die feindlichen Heere abgewehrt und schließlich endgültig vertrieben werden konnten.

St. Mihovil, St. Ivan und die Festung Subicevac – drei Kastelle im Herzen von Sibenik

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Die einst an der Grenze zu Dalmatien gegründete Küstenstadt begeistert ihre Besucher mit der Altstadt, die als das größte unversehrt gebliebene historische Stadtzentrum in Kroatien gilt. Diesen Umstand verdankt Sibenik überwiegend den gewaltigen Festungen, deren mächtige Mauern die Stadt überragen und über Jahrhunderte hinweg beschützt haben. Heute tragen die Stadtfestungen dazu bei, das ohnehin prächtige Erscheinungsbild von Sibenik mit einem wehrhaften Flair zu bereichern. Zudem bieten die hohen Gemäuer großartige Ausblicke auf die Stadt und die Adria sowie zu den vorgelagerten Inseln.
Sibenik_Festungen_3_FestungSt. Mihovil
Bereits im 11. Jahrhundert tauchte die Festung St. Mihovil in den Annalen der Stadtgeschichte auf. Die älteste Festungsanlage von Sibenik wurde von König Petar Kresimir II. erbaut, der damit gleichzeitig den Grundstein für die Stadt selbst legte. Das beeindruckende Bollwerk wurde auf einer Höhe von 60 Metern errichtet, um die Bucht von Sibenik und die Krka-Schlucht von oben zu überwachen. Im Laufe der Zeit wurde St. Mihovil mehrmals zerstört, jedoch stets wieder aufgebaut. Ihr jetziges Erscheinungsbild hat die Festung seit dem 18. Jahrhundert beibehalten; die letzte umfassende Renovierung wurde erst vor zwei Jahren abgeschlossen. Heute finden zahlreiche Konzerte und Theateraufführungen in der Festung statt, die eine prachtvolle Kulisse für Events aller Art abgibt.
Sibenik_Festungen_4_Festung St. Ivan
Noch höher als St. Mihovil überragt die Festung St. Ivan die Dächer von Sibenik. Diese Bastion wurde auf 115 Meter Höhe erbaut und von dem venezianischen Architekten Antonio Leni eigens dafür entworfen, um die Stadt vor den herannahenden Türken zu beschützen. Die Legende besagt, dass die große Angst vor den osmanischen Horden alle Bewohner von Sibenik dazu bewog, selbst Hand an den Bau zu legen. Angeblich war die Festung innerhalb von 45 Tagen fertiggestellt. Dennoch kam es am 16. September 1647 in Sibenik zu einer gewaltigen und sehr verlustreichen Schlacht, in deren Verlauf die Türken jedoch erfolgreich aus der Stadt vertrieben werden konnten.
Falls Sie ein Fan der Fantasy-Serie „Games of Thrones“ sein sollten, wissen Sie sicherlich, dass die Festung St. Ivan 2014 als Kulisse für die Kultserie „mitspielen“ durfte.
Sibenik_Festungen_5_Festung Subicevac
Auch die dritte Festung im Bunde entstand mitten in der Stadt auf 80 Höhenmetern. Sie ist mit der Anlage von St. Ivan verbunden, die gleichzeitig mit der Festung Subicevac erbaut wurde. Diese beiden Bastionen waren maßgeblich am Sieg in der Schlacht von 1647 beteiligt; auch haben die Stadtbewohner an diesem Gemäuer ebenso fleißig mitgearbeitet, wenngleich nicht überliefert wurde, ob auch diese Festung in etwas mehr als einem Monat aus der Erde gewachsen ist…

Schützendes Bollwerk mitten im Meer – die Nikolausfestung vor Sibenik

Sibenik_Festungen_6_Festung des Hl.Nikola
Auch diese wehrhafte Festungsanlage wurde zur Abwehr der Türken errichtet. Doch im Gegensatz zu den drei schon vorhandenen Befestigungsanlagen baute man die nach dem heiligen Nikolaus benannte Festung vor die Stadt ins Meer hinein. Der venezianische Architekt der Spätrenaissance Michele Sanmicheli war der Baumeister dieses Kastells. Neben seinem Kollegen Antonio da Sangallo d. J. galt Sanmicheli als der namhafteste Festungsbaumeister seiner Epoche in ganz Europa.
Der Architekt entwarf die im 16. Jahrhundert erbaute Festung im selben kraftstrotzenden Stil, wie er schon die Festungsanlagen in Venedig erneuern ließ. Er versah auch den Lido mit Wehrmauern, denn bis ins 16. Jahrhundert hinein blieb der „Stadtstrand“ von Venedig ungeschützt und war somit die Achillesferse der Lagunenstadt.
Das Ergebnis vor Sibenik konnte sich sehen lassen: Am Eingang des Kanals des Hl. Ante wuchsen zuerst Mauern aus weißem Stein aus dem Meer, die dann mit Backstein zu ihrer imposanten Größe aufgestockt wurden. Bemerkenswert sind die im Mauerwerk ausgesparten Öffnungen für Kanonen, denn sie liegen in etwa auf dem gleichen Niveau wie das Meer. Somit konnten die auf Schiffen herannahenden Feinde an ihren empfindlichsten Stellen getroffen werden – direkt über der Wasserlinie, was nach einem gut gezielten Schuss ein rasches und erbarmungsloses Sinken zur Folge hatte.
Die Nikolausfestung wird von allen Seiten vom schützenden Meer umgeben. Nur ein schmaler Damm verbindet das Gemäuer mit dem Festland, was es so gut wie uneinnehmbar machte. Nicht von ungefähr zählt die Festung St. Nikola zu den mächtigsten und stärksten maritimen Befestigungsanlagen an der Adriaküste.
Am eindrucksvollsten wirkt die Festung, wenn Sie sich ihr vom Meer aus nähern. Die dicken hohen Mauern vermitteln den Eindruck, als seien sie mit dem Meeresboden verwachsen. Es ist ein imposanter Anblick, den Sie auch von den drei Stadtfestungen aus genießen können. Umgekehrt bietet auch die Nikolausfestung atemberaubende Rundumblicke zur Stadt hinüber, zu den nahegelegenen Inseln oder aufs weite Meer hinaus. Von hier oben kann man sich gut vorstellen, wie sicher sich die Menschen damals gefühlt haben mussten, denn eine Festung – noch dazu eine mitten im Meer – galt als Inbegriff von Schutz und Wehrhaftigkeit. Das war zwar in der Realität nicht immer der Fall, doch allein der Glaube und das Vertrauen in die mächtigen Bollwerke machten den Menschen Mut und gaben ihnen Zuversicht, wenn aus der Ferne die feindlichen Schiffe am Horizont erschienen.

Gönnen Sie sich eine Tour durch die Festungen von Sibenik und lassen Sie für diese Zeit das Mittelalter vor Ihrem geistigen Auge aufleben. Danach können Sie ganz beruhigt und ohne drohende Gefahr aufs Meer hinaus blicken und sich an der malerischen Kulisse von Sibenik erfreuen, in dessen Mauern wir noch einige Zeit verweilen werden.

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