Entdecke Dalmatien 10-35: Kathedrale Sv. Jakov
Kathedrale Sv. Jakov – prächtiges Gotteshaus im Herzen von Sibenik

Der Dom von Sibenik ist ein architektonisches Meisterwerk aus den frühen Zeiten der Renaissance. Schlicht und dennoch monumental dominiert die majestätische Kathedrale mit ihren raffiniert in Szene gesetzten Details das Zentrum des historischen Sibenik.
Gut Ding will Weile haben – für diesen bewährten Spruch aus dem Volksmund gibt der Dom von Sibenik einen perfekten Beweis ab. Mehr als hundert Jahre lang wurde an dieser Kirche gebaut, und das Ergebnis gilt noch heute als beeindruckendes Beispiel für meisterhafte Architekturkunst. Harmonie und Klarheit sind die vorherrschenden Eigenschaften des Gotteshauses, dessen schlichter Bau mit seiner perfekten Ausgewogenheit zu den großartigsten Bauwerken der Renaissance zählt.
Der Weg ist das Ziel – die lange Bauzeit von Sv. Jakov

Hundert Jahre sind eine lange Zeit. Das war sicherlich auch im 15. Jahrhundert so, als im Jahr 1431 mit dem Bau des Doms begonnen wurde. Die Stadtväter von Sibenik hatten zuvor beschlossen, die alte Kirche auf dem Hauptplatz niederzureißen und an ihrer Stelle eine große Kathedrale aus weißem Kalkstein und kostbarem Marmor zu errichten. Besonders wichtig war, dass die Kirche sehr viel größer werden sollte als die von Trogir.
Dem in Venedig geborenen ersten Baumeister schwebte bei der Planung des Gotteshauses eine dreischiffige Basilika mit Apsiden im italienischen Stil vor. Diese halbkreisförmigen Anbauten am Hauptraum der Kirche sollten von einer Vierungskuppel „gekrönt“ werden. Schon 1441 wurde der ursprüngliche Grundriss von dem namhaften Baumeister Juraj Dalmatinac geändert. Er vergrößerte die Kirche und plante eine größere Kuppel als sein venezianischer Vorgänger. Eine Besonderheit dieser Kirche war es auch, sie vollständig aus Steinen zu erbauen. Diese wurden in den Steinbrüchen der Inseln Korcula, Rab, Brac, Susak und Krk geschlagen und nach Sibenik gebracht. Der kroatische Baumeister ersann eine revolutionäre Methode, die es erlaubte, riesige Steinplatten und Quader stabil und dauerhaft miteinander zu verbinden. Das Prinzip ähnelt dem der Legosteine: die bereits auf Maß zugehauenen Steinplatten wurden aneinandergesetzt und miteinander verzahnt. Die neue Arbeitsweise wurde auch von dem nachfolgenden Architekten übernommen.
Unter der Leitung von Dalmatinac wuchsen die Seitenschiffe der Kathedrale bis zur Scheitelhöhe hinauf. Ebenso errichtete er das Baptisterium, also die Taufkapelle, mit den Apsiden, die er mit einem kunstvollen Fries ausstatten ließ. Mehr als 70 aus Stein gehauene Porträts bedeutender Bürger der Stadt, aber auch Fischer, Bauern, sogar Frauen und Kinder schmückten die Wände in dieser ringförmigen Girlande. Die sogenannten „Bürgerköpfe“ stammen aus der Zeit des Baumeisters und stellen einen Querschnitt der damaligen Bevölkerung von Sibenik dar. Die Kopfbedeckungen dieser Bürger wurden bei Renovierungsmaßnahmen im 19. Jahrhundert leider der damals herrschenden Mode angepasst. Der Legende nach sollen es eben die hier verewigten Städter gewesen sein, die den Bau der Kirche damals nicht mehr finanzieren wollten, weshalb immer wieder längere Pausen eingelegt werden mussten. So erklärt sich schließlich die ungewöhnlich lange Bauzeit des Doms.

Der kroatische Architekt begleitete den Bau der damals noch gotisch geprägten Kathedrale bis zu seinem Tod im Jahr 1473. Ab 1475 lag der Fortgang der Kirche in den Händen des Baumeisters Nikola Firentinac, der den Bau im Stil der toskanischen Renaissance weiterführte. Unter seiner Ägide wurde die Form der überaus elegant wirkenden steinernen Kuppel festgelegt. Auch die genialen Gewölbe sind sein Werk. Sie umfassen das Kircheninnere in Gestalt einer Hülle, die wie ein Dreiblatt geformt ist. Außerdem vervollständigte Firentinac die Seitenschiffe, die er mit einem Tonnengewölbe aus frei tragenden Steinplatten als Deckenabschluss versah – ein architektonisches Meisterwerk für die damalige Zeit.
Nach dem viele Jahre währenden Schaffen – inklusive der „Pausen“ – von Firentinac übernahmen die Baumeister Bartolomeo del Mestre und Giacomo del Mestre den Bau der Kathedrale bis zu deren Vollendung im Jahr 1535. Doch sollte es noch weitere 20 Jahre dauern, bis das Gotteshaus 1555 geweiht wurde. Und 1895 ernannte Papst Leo XIII. die Kirche zur Basilica minor, was mit „kleinerer Basilika“ übersetzt werden kann. Dieser Ehrentitel wurde im 18. Jahrhundert eingeführt und sollte einzelnen Kirchen besondere Bedeutung verleihen. Auch durften diese „kleinen Basiliken“ die gekreuzten Schlüssel in ihren Wappen aufnehmen, die ansonsten nur dem Papst vorbehalten sind.
Klein, erlesen und raffiniert ausgeführt – die Taufkapelle

An sich gesehen ist ein Baptisterium in einer Kathedrale nichts Besonderes. Doch die Taufkapelle im Dom Sv. Jakov gilt als kunstvoll gestaltetes Kleinod, das sorgfältig geplant und gebaut wurde. Es war der Baumeister Juraj Dalmatinac, der diese Kapelle in der Form eines vierblättrigen Kleeblatts schuf. Die vier Apsiden und das exakt in der Mitte des Raums stehende Taufbecken ergeben ein harmonisches Gesamtbild, an dem jedes winzige Detail sorgfältig ausgeklügelt wurde. Die Taufkapelle zählt zu den schönsten Bauwerken, die in der Übergangszeit von der Gotik in die Renaissance errichtet wurden.
Auch die Bildhauerarbeiten im oberen Bereich des Baptisteriums gelten als besondere Kunstwerke. Architekturfreunde werden auch hier die fließenden Übergänge der beiden Stilrichtungen erkennen. Dagegen sind die figürlich dargestellten Engel die ersten ihrer Art in Kroatien, die im reinsten Renaissancestil gearbeitet wurden.
Die Vielfalt an Engeln, Putten, Heiligen und Gottesdarstellungen ist schon beeindruckend. Auch an Jakobsmuscheln fehlt es nicht, und die für eine Taufkapelle unvermeidliche Taube schwebt ebenfalls in luftiger Höhe inmitten anderer himmlischer Geschöpfe und Gestalten. Bemerkenswert ist das Taufbecken, das aus dem markanten rötlichen Stein von der Insel Rab gehauen wurde. Es wird von drei Engeln getragen, die jedoch so entspannt aneinander gelehnt sind, dass man ihnen die Schwerarbeit keinesfalls ansieht.

Die Kathedrale Sv. Jakov darf ohne zu übertreiben als Gesamtkunstwerk der Renaissance bezeichnet werden. Die während des Jugoslawienkrieges zerstörte Kuppel wurde sehr detailliert rekonstruiert und erhebt sich in altgewohnter Würde über dem Dom.
Der berühmte Bildhauer Ivan Mestrovic errichtete dem Baumeister ein prächtiges Denkmal, der als eigentlicher Erbauer der Kathedrale gilt – Juraj Dalmatinac. Der große Architekt steht direkt vor seinem Lebenswerk und hat stets ein wachsames Auge auf das, was er vor Jahrhunderten geschaffen hat. Und das kann sich sehen lassen, denn schon der Eingang der Kathedrale ist überaus imposant. Das prächtige Löwenportal und die mit kunstvollen Steinmetzarbeiten geschmückte Außenfassade des Doms lassen ahnen, was Sie im Inneren des Gotteshauses erwartet.
Aber das wissen Sie ja schon. Dennoch sollten Sie nicht zögern, sogleich durch die Pforte zu treten, um die klare, eindrucksvolle Pracht der Kathedrale in aller Größe und Stille auf sich wirken zu lassen.
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